Drei Standorte in Wisconsin, Maryland und Florida schließt Kroger im Januar. Sie gelten als Vorzeigeprojekte automatisierter Logistik. Doch der Konzern erzielt dort nicht die erhoffte Rendite. Stattdessen peigt Kroger mit einer radikal neuen Hybridstrategie rund 400 Millionen Dollar zusätzliche Betriebsgewinne im kommenden Jahr an. Das Unternehmen setzt dabei auf seine Supermarkt-Filialen und externe Lieferdienste.
Warum Kroger drei Fulfillment-Zentren schließt
Die drei automatisierten Erfüllungszentren in Wisconsin, Maryland und Florida waren teure Investitionen. Kroger hat ihre Leistungsfähigkeit eingehend geprüft. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. Die Anlagen arbeiten nicht kostendeckend genug, um im Wettbewerb mit reinen Online-Händlern und Discountern zu bestehen. Die Schließungen im Januar sind deshalb konsequent. Kroger erwartet keine negativen Auswirkungen auf den Umsatz ohne Treibstoff. Gleichzeitig schafft der Konzern Spielraum für substanzielle Kostensenkungen.
Wie Kroger 400 Millionen Dollar Betriebsgewinne erzielen will
Der Fokus verschiebt sich auf stationäre Fulfillment-Strategien. Dort, wo Kunden ohnehin einkaufen, werden Bestellungen kommissioniert und für die letzte Meile vorbereitet. Das senkt Logistikkosten und nutzt vorhandene Flächen besser aus. Externe Partner übernehmen den Rest. Über Instacart und DoorDash erreicht Kroger Haushalte, die keine eigenen Lieferkapazitäten erfordern. Besonders die Integration von Instacarts KI-Tool in die Kroger-App soll den Online-Traffic steigern und die Benutzererfahrung verbessern. Das System analysiert Kaufgewohnheiten und präsentiert personalisierte Vorschläge in Echtzeit.
Welche Rolle Uber Eats bei der Hybridstrategie spielt
Eine neue Partnerschaft mit Uber Eats ergänzt das Distributionsnetz. Kunden sollen dort Lebensmittel und Restaurantgerichte in einer einzigen Bestellung kombinieren können. Das Modell nutzt die vorhandene Infrastruktur des Fahrdienstvermittlers und expandiert Krogers Reichweite ohne Eigenkapital in neue Lieferflotten. Für das Unternehmen ist das ein pragmatischer Schritt. Statt selbst in Quick-Commerce-Strukturen zu investieren, partizipiert Kroger an einer etablierten Plattform mit Millionen aktiver Nutzer.
Was die Neuausrichtung für den E-Commerce-Markt bedeutet
Kroger liefert der Branche eine Blaupause. Die Zeiten, in denen Händler zwischen stationärem Geschäft und Online-Vertrieb wählen mussten, sind vorbei. Stattdessen entstehen Modelle, die bestehende Filialen als mikrologistische Drehkreuze nutzen. Walmart und Amazon treiben ähnliche Konzepte voran. Wer Effizienz und Kundennähe verbindet, verbessert nachhaltig seine Margen. Kroger positioniert sich damit nicht als Technologie-Investor, sondern als pragmatischer Betreiber, der vorhandene Ressourcen maximal ausschöpft.
Händler, die noch zwischen automatisierter Zentralisierung und dezentraler Filialnutzung abwägen, sollten Krogers Kurs genau beobachten. Der Konzern beweist, dass E-Commerce im Lebensmittelsektor keine Frage teurer Lagerbauten ist. Entscheidend ist die intelligente Verknüpfung physischer Standorte, externer Plattformen und datengetriebener Personalisierung. Unternehmen, die ausschließlich auf Robotik-Lager setzen, riskieren hohe Fixkosten bei unsicherer Rendite. Fulfillment funktioniert nur dort, wo es direkt an den Kundenbedarf gekoppelt ist. Wer das ignoriert, verschenkt Kapital.
