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easyShop startet in 21 Ländern: Taugt der neue Marktplatz als Amazon-Alternative?

Was easyShop verspricht

Am 13. Oktober 2026 ist easyShop.com offiziell gestartet. Hinter der Plattform steht die easyGroup, die Marke hinter easyJet und 14 weiteren easy-Bründen. Gründer Sir Stelios Haji-Ioannou verfolgt eine klare Strategie: Ein Marktplatzbetreiber, der selbst nicht verkauft, keine Eigenmarken einführt und kein eigenes Lager betreibt. Jedes Produkt gehört einem Händler, jede Bestellung erzeugt einen Verkauf für einen Händler.

Das klingt nach einer klischeehaften Challenger-Geschichte. Der Unterschied zu Amazon ist aber real. Amazon verkauft neben der Plattform auch eigene Ware und positioniert Eigenmarken gezielt gegen Drittanbieter. easyShop-Kündiger Cas Paton, der auch hinter dem britischen Marktplatz OnBuy steht, hat in Interviews mehrfach betont, dass easyShop niemals gegen seine eigenen Verkäufer konkurrieren wird. Für Händler, die auf Amazon regelmäßig mit der First-Party-Konkurrenz kämpfen, ist das ein argumentierbares Alleinstellungsmerkmal.

Wie funktioniert der Einstieg für Händler?

Das Onboarding läuft über ein zentrales Händlerkonto. Einmal registriert, können Verkäufer in allen 21 Ländern verkaufen: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, UK und weitere europäische Märkte. Die Umsatzsteuer wird vom System automatisch berechnet, eine eigene Gesellschaft in jedem Zielland ist nicht erforderlich.

Die Gebührenstruktur ist dreistufig. Der Standard-Plan kostet 29 Euro monatlich, der Partner-Plan 79 Euro, der Professional-Plan 299 Euro. Die Verkaufsprovision beginnt bei 7 Prozent und variiert je nach Produktkategorie. Keine Listing-Gebühren, keine Transaktionsgebühren dazu. Der Vertrag läuft monatlich kündbar, keine langfristige Bindung.

Nach einem gestaffelten Rollout sollen bereits mehrere hundert Händler aktiv sein. Vor Black Friday und Weihnachtsgeschäft sucht das Unternehmen gezielt weitere Verkäufer. Die OnCommerce-Plattform, die easyShop technisch betreibt, ist dieselbe wie bei OnBuy. OnBuy selbst startete 2025 in Deutschland.

Was easyShop für den deutschen Mittelstand bedeutet

Das versprechen, keine First-Party-Konkurrenz zu machen, ist so wichtig wie diffizil. Amazon verkauft unter den Eigenmarken „Amazon Basics“ und „Core“ massiv in Kategorien, in denen auch Drittanbieter aktiv sind. Ein deutscher Händler, der_easyShop ernsthaft als Vertriebskanal etablieren will, muss aber realistisch bleiben: Die Käuferzahlen sind unbekannt, es gibt keine Marketingpläke von Seiten des Betreibers.

Kernsatz: easyShop bietet ein klar definierbares Fee-Modell und kein First-Party-Risiko, steht aber als Amazon-Alternative noch ganz am Anfang.

Für Händler mit Auslandsambitionen in Europa bietet der automatische Mehrwertsteuer-Versand einen echten administrativen Vorteil. Die komplexe Verbrauchsteuer-Registrierung entfällt pro Zielland. OnCommerce übernimmt die Berechnung. Das reduziert den Aufwand für die Expansion in Nachbarländer deutlich.

Ist easyShop ernst zu nehmen?

Die Marktplatzdynamik ist brutal: Ohne Käuferzahlen gibt es kein Ranking, ohne Ranking keine Sichtbarkeit, ohne Sichtbarkeit keine Umsätze. easyShop startet in einem Markt, der von Amazon, eBay, Zalando, Temu und Shein dominiert wird. Die Bekanntheitsgrad der easy-Marke in Europa ist hoch, aber Markenbekanntheit allein verkauft keine Produkte.

Die technische Infrastruktur über OnCommerce ist bewährt, auch wenn OnBuy selbst noch Nischenpositionen im deutschen Markt hat. Comet, der britische Elektronik-Marktplatz, startet im November 2026 als dritter Marktplatz auf derselben Plattform. Für Händler, die ohnehin multi-channel verkaufen, entsteht durch ein einziges Konto ein Zugang zu mehreren Marktplätzen.

Die Konditionen von 7 Prozent Verkaufsprovision liegen vergleichbar mit Amazon Referral Fees in vielen Kategorien. Das Fee-Modell ist transparent. Händler, die Amazon-Konditionen kennen, werden die Struktur sofort einordnen können.

Der Launch vor Black Friday ist ein kluger Timing-Zug. Der Q4-Umsatz 2026 wird zeigen, ob easyShop Käuferströme aufbauen kann. Für riskofreudige Händler, die Amazon diversifizieren wollen, ist der Einstieg monatlich kündbar und damit bewertbar. Die realistische Einordnung: easyShop ist ein ernsthafter Versuch mit solidem technischem Fundament, aber noch keine Amazon-Alternative im Umsatzversprechen.