Gesetzesänderungen 2026 zwingen E-Commerce-Händler ab dem zweiten Quartal in eine neue Kontrollrunde. Die Marktüberwachung zur Produktsicherheitsverordnung GPSR verschärft ihre Prüf gegenüber Online-Shops. Bisher reichte für viele Betreiber ein funktionierendes Impressum und eine Rückgabeerklärung. Das reicht nicht mehr. Behörden fordern lückenlose Herkunftsnachweise, standardisierte Produktdatenblätter und einen direkt erreichbaren EU-Verantwortlichen für jede verkaufte Kategorie.
Händler mit Jahresumsätzen jenseits der Millionengrenze merken schnell: Compliance wird zum operativen Kernprozess. Besonders betroffen sind Marketplace-Anbieter, die bisher auf Fremdlager und Dropshipping setzten. Amazon und eBay haben bereits interne Meldeportale für GPSR-Verstöße aktiviert. Wer bis Juni 2026 keine vollständigen Herstellernachweise hinterlegt, fliegt aus dem Sortiment – ohne vorherige behördliche Verwarnung.
Warum reicht Reaktion nicht mehr aus?
Die neue Verpackungsverordnung (VerpackG 2026) zwingt alle Händler zur quartalsweisen LUCID-Meldung, nicht mehr nur zur jährlichen Deklaration. Verpackungsmengen müssen pro SKU erfasst werden, nicht mehr pauschal pro Sortiment. Für Betreiber mit breitem Sortiment bedeutet das: ERP-Systeme müssen Mengenströme in Echtzeit protokollieren. Excel-Listen funktionieren hier nicht mehr.
Gleichzeitig rückt der digitale Produktpass (DPP) in den Fokus. Auch wenn die erste EU-weite Pflicht erst 2027 für Batterien greift, müssen Mode- und Elektronikhändler ab 2026 ihre Produktdatenbanken auf den Standard vorbereiten. Händler, die jetzt nicht mit GS1-konformen Stammdaten arbeiten, stehen 2027 vor einem unlösbaren IT-Problem. Die Zeit für Migrationen ist knapp.
Welche konkreten Schritte sollten Händler jetzt einleiten?
Zuerst gilt es, den Produktinformations-Master zu bereinigen. Jede SKU braucht einen validierten Herkunftsnachweis, Sicherheitsdokumentation und Verpackungsgewichte in strukturierter Form. Unternehmen wie Fiege oder B+S Logistik bieten hier bereits Middleware-Lösungen an, die Marketplace-Daten mit ERP-Systemen verknüpfen. Parallel sollten Händler den EU-Verantwortlichen festlegen, bevor das Gesetz es im Herbst zwingend verlangt. Viele Zertifizierungsstellen verzeichnen bereits Wartezeiten von sechs bis acht Wochen. Wer hier im Sommerlos startet, verpasst die Saisonvorbereitung.
Der Bundestag debattiert zudem eine Verschärfung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG), die indirekte Lieferanten mit einbeziehen könnte. Das betrifft jeden Händler, der über chinesische Zwischenhändler importiert. 2026 wird das Jahr, in dem Rechtsteams und Einkauf endlich an einem Tisch sitzen müssen.
Plattformen werden zum Erfüllungsgehilfen des Staates. Amazon hat seine „Account Health“-Metriken um GPSR- und Verpackungsindikatoren erweitert. Ein gelber Status reicht nicht mehr. Wer hier nicht grün steht, bekommt keine Buy Box, keine Werbefreigabe, am Ende keine Listings. Die Marktplätze machen vor, was der Gesetzgeber nachzieht.
„2026 entscheidet nicht das Marketingbudget über Wachstum, sondern die Qualität der Stammdaten.“
Händler, die diese Brücke nicht schlagen, werden 2026 vom Markt genommen – nicht durch Konkurrenz, sondern durch regulatorische Ausschlussmechanismen. Das ist keine Drohung, sondern die logische Konsequenz aus fünf Jahren verschärfter EU-Gesetzgebung, die nun vollziehbar wird.
