Bis zu 30 Prozent Gebühr auf App-Store-Zahlungen und Google-Play-Transaktionen: Diese Provision kassieren Apple und Google bei jedem digitalen Verkauf. Die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) will dieses System nun aufbrechen. Am Dienstag, dem 30. Juni, legte sie einen Vorschlag vor, der Entwicklern erlauben soll, Nutzer auf alternative Zahlungswege außerhalb der App Stores zu verweisen.
Das Ziel ist klar: Apples und Googles Vormachtstellung bei mobilen Zahlungen soll geschwächt werden. Beide Unternehmen verlangen derzeit, dass digitale Güter und Dienstleistungen ausschließlich über ihre eigenen Systeme abgerechnet werden. Entwickler dürfen nicht einmal darauf hinweisen, dass es günstigere Zahlungsoptionen außerhalb der Plattform gibt.
Was plant die CMA konkret?
Der CMA-Entwurf zielt auf sogenannte Anti-Steering-Klauseln ab. Diese Vertragsbestimmungen untersagen App-Entwicklern, Nutzer direkt zu anderen Bezahlmethoden zu leiten. Die Behörde will diese Beschränkungen aufheben. Händler mit eigenen Apps könnten dann beispielsweise auf ihre eigene Checkout-Seite verlinken oder alternative Payment-Provider wie Stripe, Adyen oder PayPal direkt in der App anbieten.
Betroffen sind sowohl iOS als auch Android. Die Vorschläge sind Teil einer breiteren Untersuchung des britischen App-Marktes, die bereits seit 2021 läuft. Die CMA argumentiert, dass die bestehenden Regeln Verbrauchern höhere Preise und weniger Auswahl beschaffen. Gleichzeitig verteuern sie die digitalen Geschäftsmodelle von Publishern, Spielentwicklern und E-Commerce-Anbietern.
Was bedeutet das für deutsche E-Commerce-Anbieter?
Für Händler mit UK-Präsenz ist die Meldung relevant, sobald sie digitale Produkte, Abonnements oder In-App-Käufe anbieten. Ein direkter Zahlungsweg außerhalb des App Stores kann die Transaktionskosten deutlich senken. Kreditkartenabwickler und PSPs wie Stripe oder Adyen berechnen in der Regel deutlich weniger als die 15 bis 30 Prozent, die Apple und Google verlangen.
Zugleich wächst die Kontrolle über Kundendaten. Wer selbst abrechnet, besitzt auch die E-Mail-Adresse, die Rechnungsadresse und das Kaufverhalten. Das stärkt das CRM und ermöglicht gezieltere Nachfasskampagnen. Händler sollten allerdings rechnen: Der technische Aufwand für einen zweiten Zahlungsfluss ist nicht trivial. Zusätzliche Compliance-Anforderungen, etwa zum PCI-DSS-Standard, kommen hinzu.
Die britische Initiative reiht sich in einen globalen Trend ein. In der Europäischen Union zwingt der Digital Markets Act (DMA) Apple bereits, alternative App-Marktplätze und Zahlungswege zuzulassen. Auch in den USA und Südkorea hat die Regulierung zugenommen. Für international agierende Shopbetreiber entsteht damit ein fragmentierendes Bild: In einem Markt gilt der DMA, in einem anderen der CMA-Vorschlag, an anderer Stelle weiterhin das alte Modell.
Warum dürften Apple und Google Widerstand leisten?
Beide Konzerne verdienen Milliarden mit ihren App-Store-Ökosystemen. Die Öffnung der Zahlungswege bedroht ein zentrales Geschäftsmodell. Apple argumentiert zudem, dass der geschlossene Zahlungsweg Sicherheit und Datenschutz garantiere. Kritiker halten dem entgegen, dass moderne Payment-Provider ebenfalls starke Betrugsschutzmechanismen bieten.
Der regulatorische Druck wird nicht kleiner. Die CMA will nun Stellungnahmen einholen, bevor sie rechtsverbindliche Regeln erlässt. Händler mit UK-Geschäft sollten deshalb jetzt prüfen, wie ihre App-Architektur einen zusätzlichen Zahlungsprovider aufnehmen kann. Wer frühzeitig vorbereitet ist, kann von niedrigeren Gebühren profitieren, sobald die neuen Regeln in Kraft treten.
