Decathlon hat Wero direkt in den Checkout seines deutschen Onlineshops integriert. Damit gehört der französische Sportartikelhändler zu den ersten großen Handelsketten, die das Bezahlsystem der European Payments Initiative (EPI) im deutschen E-Commerce live schalten.
Wero ist das Wallet der EPI Company, eines Bankenverbunds, hinter dem unter anderem die Deutsche Bank, die Sparkassen-Finanzgruppe, die genossenschaftlichen Institute sowie Institute aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden stehen. Mehr als 40 Millionen registrierte Nutzer zählt der Dienst nach Unternehmensangaben in den drei Startmärkten. Seit Sommer 2024 lassen sich damit zunächst Peer-to-Peer-Zahlungen per Telefonnummer abwickeln; die Bezahlung im Online-Handel folgte schrittweise — in Frankreich ab Ende 2024, in Deutschland im Lauf des Jahres 2025.
Was ändert sich für Kunden im Decathlon-Checkout?
Bei decathlon.de wählen Käufer Wero als Bezahlmethode und bestätigen die Zahlung in der App ihrer Bank oder in der eigenen Wero-App. Der Betrag geht direkt vom Girokonto ab — Kreditkarte, PayPal-Konto oder separates Aufladen eines Wallets entfallen. Technisch greift Wero auf das Kontoverbindungsmodell zurück, in das giropay und paydirekt überführt wurden. Giropay wurde Ende 2024 abgeschaltet; Bestandskunden und Infrastruktur flossen in das neue System ein.
Damit positioniert sich Wero klar gegen PayPal und die Kartenschemata Visa und Mastercard. Bezahlt wird konto- zu kontobasiert, ohne Zwischenschaltung eines US-Anbieters. Für Kunden heißt das: keine zusätzliche Registrierung, sofern die eigene Bank Wero bereits unterstützt — und das tun die großen deutschen Bankgruppen weitgehend.
Warum ausgerechnet Wero?
Die Entscheidung liegt nahe. Decathlon ist ein französischer Konzern in einem Land, das Wero politisch und bankenseitig aktiv trägt. In Frankreich ersetzt das System das bisherige Paylib, und dortige E-Commerce-Akzeptanzstellen sind schon deutlich weiter verbreitet als in Deutschland. Ein europaweit einheitliches Wallet senkt für einen Händler mit Shops in mehreren Märkten den Integrationsaufwand pro Land — ein Argument, das auch deutsche Marktplatz- und Multichannel-Händler interessieren dürfte.
Hinzu kommen die Kosten. Account-to-Account-Zahlungen gelten branchenweit als günstiger im Abwicklungsentgelt als Kreditkarten oder PayPal, wo Händler je nach Vertrag deutlich über einem Prozent des Transaktionsvolumens zahlen. Verlässliche öffentliche Konditionen für Wero gibt es noch nicht; erste PSP-Angebote deuten aber auf ein wettbewerbsfähiges Niveau hin.
Was bedeutet das für deutsche Shop-Betreiber?
Praktisch erreicht Wero den Händler-Checkout über Zahlungsdienstleister. Wer heute über einen etablierten PSP abwickelt, bekommt die neue Methode in der Regel über dessen bestehende Schnittstelle angeboten — ein eigenes Plugin oder eine separate Anbindung ist meist nicht nötig. Shopware-, WooCommerce- oder JTL-Händler sollten schlicht prüfen, ob ihr Provider Wero auf der Roadmap hat und zu welchen Konditionen.
Rat ist dennoch: nicht übereilen, aber beobachten. Die Nutzerbasis wächst schnell, die Zahlungsgewohnheit im Checkout hingegen langsam. Sinnvoll ist, Wero nach dem nächsten PSP-Update als Option zu aktivieren und den Anteil an den Bestellungen über einige Wochen zu messen, statt auf Hörensagen zu vertrauen.
Wenn ein Händler der Größe von Decathlon Wero in den Checkout lässt, wird aus dem Banken-Projekt ein sichtbarer Player im deutschen Bezahlmarkt — und die Frage lautet nicht mehr ob, sondern wann die Methode in den Standardumfang deutscher Shops rückt.
Die nächsten Monate zeigen, ob Verbraucher die Methode tatsächlich nutzen oder ob Wero zunächst eine Banken-Erfolgsgeschichte bleibt. Für Shop-Betreiber gilt: Die Integrationskosten sind gering, das Abwarten dagegen könnte teurer werden, sobald die Konkurrenz im Checkout sichtbar konvertiert.
