News Tools

Kleinanzeigen bringt Klarna-Direktüberweisung zurück: Was Händler über „Sofort bezahlen“ wissen müssen

Millionen Kleinanzeigen-Nutzer können künftig wieder direkt vom Girokonto bezahlen. Die Plattform erweitert ihren Käuferschutz-Checkout „Sicher bezahlen“ um die Option „Klarna Sofort bezahlen“ – und holt damit eine Zahlart zurück, die im deutschen E-Commerce lange als Standard galt, zuletzt aber an Boden verloren hatte.

Die Neuerung steckt im Detail: Käufer wählen im Bezahlvorgang die Direktüberweisung und autorisieren die Abbuchung über ihr Online-Banking. Alternativ stehen je nach Konto Klarna-Guthaben, Kreditkarte oder Apple Pay zur Verfügung. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Der volle Kaufpreis ist sofort fällig. Ratenzahlung, spätere Zahlungsziele oder Finanzierungsangebote – Klarnas eigentliche Margentreiber – bleiben außen vor. Die Meldung stammt von Techbook.de.

Warum kehrt die Direktüberweisung gerade jetzt zurück?

Die Antwort hat zwei Ebenen. Erstens: Sofortüberweisung gehört laut EHI-Zahlungsstudien weiterhin zu den fünf meistgenutzten Online-Zahlarten in Deutschland, liegt aber weit hinter PayPal und Kauf auf Rechnung. Für einen C2C-Marktplatz wie Kleinanzeigen, auf dem Vertrauen die wichtigste Währung ist, senkt jede zusätzliche vertraute Zahlart die Abbruchquote im Checkout.

Zweitens spielt Klarna ein längeres Spiel. Der schwedische Anbieter positioniert sich seit der Integration von Sofort GmbH – die klassische „Sofortüberweisung“ ist 2014 in Klarna aufgegangen – als Vollsortimenter im Checkout. Wer bei Kleinanzeigen per Direktüberweisung zahlt, landet in der Klarna-ID, im Ökosystem, in der App. Die sofortige Abbuchung ist dabei risikoarm: Kein Kreditrisiko, keine Raten, keine Ausfälle.

Kernsatz: Klarna baut die Direktüberweisung an Touchpoints mit hohem Transaktionsvolumen aus – Kleinanzeigen meldet über 40 Millionen Nutzer monatlich. Für den Zahlungsdienstleister ist das Reichweite ohne Kreditrisiko.

Was bedeutet das für Shopbetreiber und Online-Händler?

Professionelle Händler, die auf Kleinanzeigen gewerblich verkaufen – etwa im Fahrzeug- oder Elektroniksegment – profitieren zunächst von schnellerem Geldeingang. Die Direktüberweisung gilt als weitgehend final, Rückbuchungen sind im Gegensatz zur Kreditkarte nicht ohne Weiteres möglich. Das reduziert das Chargeback-Risiko, ein Punkt, den gerade Händler mit knappen Margen auf dem Schirm haben sollten.

Interessanter ist die Signalwirkung für den eigenen Shop. Wenn eine Plattform mit der Reichweite von Kleinanzeigen auf Klarna setzt, sinkt die Erklärungslast im eigenen Checkout. Kunden kennen den Ablauf bereits. Händler auf Shopify, WooCommerce oder Shopware bekommen „Klarna Sofort bezahlen“ über die Standard-Integration von Klarna ohne Zusatzaufwand – im Shopware Store und im WooCommerce Marketplace ist das Plugin kostenlos verfügbar. Wer Klarna bereits für Kauf auf Rechnung nutzt, aktiviert die Direktüberweisung über denselben Vertrag.

Vertraute Zahlarten entscheiden im Checkout über Vollendung oder Abbruch – Plattformen wie Kleinanzeigen machen die Erziehungsarbeit, Händler ernten mit.

Kleinanzeigen und die schleichende Professionalisierung

Der Schritt passt in ein Muster. Seit der Trennung vom eBay-Konzern 2021 und dem Gang unter die Ägide von Adevinta baut Kleinanzeigen den Marktplatz konsequent in Richtung abgesicherter Transaktionen um. „Sicher bezahlen“ war der Anfang, Versandintegration und nun die Ausweitung der Zahlarten folgen. Aus einer Anzeigenplattform wird Schritt für Schritt ein Transaktionsmarktplatz – mit allem, was dazugehört: Payment-Partner, Käuferschutz, und früher oder später wohl auch Händlerkonditionen, die über die heutigen Gewerbe-Tarife hinausgehen.

Für Händler ab siebenstelliger Umsätze bleibt Kleinanzeigen damit ein Kanal, den man nicht mehr als Flohmarkt-Restrampe abtun kann. Wer B-Ware, Retouren oder Saisonrestposten kanalisiert, findet hier ein zahlungskräftiges Publikum mit sinkenden Reibungsverlusten im Bezahlprozess. Der nächste logische Schritt aus Sicht der Plattform: erweiterte Finanzierungsoptionen im Checkout – sobald Klarna die Infrastruktur für sofortige Zahlungen etabliert hat, liegt der Upsell zu Ratenkauf und Pay later auf der Hand. Händler sollten die Entwicklung beobachten, aber jetzt schon prüfen, ob ihre Klarna-Integration die Direktüberweisung aktiviert hat.