Analyse B2B

White Label Payment Gateways 2026: Fünf Anbieter im harten Vergleich

170 Euro pro Transaktion — so viel lässt sich ein Payment Service Provider den Aufbau eines eigenen Gateways kosten, wenn er die Technologie nicht selbst entwickelt, sondern einkauft. Rechnet man die Alternative durch, wird die Zahl noch deutlicher: Eine Eigenentwicklung mit PCI-DSS-Level-1-Zertifizierung, Tokenisierung, Routing-Logik und Acquirer-Anbindungen verschlingt locker 18 Monate und einen siebenstelligen Betrag. Genau in diese Lücke stoßen White Label Payment Gateways — fertige Zahlungsinfrastruktur, die unter fremdem Firmenschild läuft. Der Markt dafür wächst zweistellig, weil Banken, ISVs und Commerce-Plattformen längst verstanden haben, dass die Marge nicht im Checkout liegt, sondern in der Payment-Beziehung selbst.

Das Problem: Der Begriff „White Label“ ist inzwischen so ausgewalzt, dass er fast nichts mehr bedeutet. Manche Anbieter liefern eine echte Gateway-Instanz mit eigenem Branding, eigener Merchant-Onboarding-Strecke und voller Kontrolle übers Pricing. Andere verkaufen kaum mehr als ein Reseller-Panel mit Logo-Upload. Wer 2026 in diesen Markt einsteigt, muss die Spreu vom Weizen trennen — und genau das tun wir hier, mit Blick auf den DACH-Raum, wo ZAG-Lizenzfragen und die BaFin den Spielraum enger ziehen als im angelsächsischen Markt.

Was trennt ein echtes White Label Gateway vom Reseller-Panel?

Die Antwort lässt sich auf drei Kriterien herunterbrechen: Kontrolle über die Acquiring-Verbindungen, Kontrolle über die Merchant-Daten und Kontrolle über die eigene Preissetzung. Ein echtes White Label Gateway erlaubt es, eigene Acquirer-Verträge anzubinden — etwa mit BNP Paribas, Nexi oder Hobex für den DACH-Markt — und die Transaktionen über eine eigene Routing-Logik zu verteilen. Ein Reseller-Panel dagegen bindet den Händler dauerhaft an die Acquiring-Beziehungen des Plattformbetreibers. Das klingt nach einem Detail. Es ist das Gegenteil: Wer keine Portabilität der Acquirer-Beziehungen hat, hat beim Anbieterwechsel ein Daten- und Vertragsproblem.

Kernsatz: Ein White Label Gateway ohne eigene Acquirer-Anbindungen ist kein Gateway, sondern ein Affiliate-Modell mit besserem Frontend.

Hinzu kommt die Lizenzfrage, die in Deutschland schneller eskaliert als anderswo. Wer als Zahlungsdienstleister Gelder berührt oder Merchant-Gelder zwischenparkt, braucht nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) eine BaFin-Erlaubnis — oder muss sauber als technischer Dienstleister strukturiert sein, sodass die Gelder ausschließlich über lizenzierte Acquirer fließen. Erfahrungsgemäß scheitern hier mehr Go-to-Market-Pläne als an der Technik.

Die fünf Anbieter, die 2026 zählen

Corefy aus London positioniert sich als Payment-Orchestrierung mit White-Label-Option. Die Stärke liegt in der schieren Breite: über 400 fertige Integrationen zu PSPs, Acquirern und APMs, dazu ein Routing-Editor, der ohne Entwickler auskommt. Die Schwäche: Corefy ist Orchestrierung zuerst, Gateway zweiter — wer ein schlankes, reines Gateway unter eigener Marke will, zahlt hier für Funktionen, die er nie nutzt.

Akurateco geht den umgekehrten Weg. Das Unternehmen liefert ein komplettes Gateway als White-Label-Paket, inklusive PCI-DSS-Level-1-Compliance, Token-Vault und einer verwaltbaren Anzahl vorkonfigurierter Connectoren. Interessant für den DACH-Markt: Akurateco betont die Option, die Software auch on-premise oder in einer dedizierten Cloud zu betreiben — ein Argument für Banken und streng regulierte Anbieter, die ihre Daten nicht in einer Mandanten-Umgebung sehen wollen.

IXOPAY aus Wien ist der DACH-Kandidat in dieser Runde und unserer Einschätzung nach die erste Wahl für alle, die primär im europäischen Markt agieren. Das Gateway bringt starke Orchestrierungsfunktionen, ein ausgereiftes Cascading bei Zahlungsausfällen und tiefe Anbindungen europäischer Acquirer mit — für österreichische, deutsche und Schweizer PSPs verkürzt das die Integrationszeit erheblich. Der Preis: IXOPAY ist kein Einsteigerprodukt. Die volle Leistung erschließt sich erst ab einer Transaktionsmenge, die kleinere Marktplätze selten erreichen.

Payneteasy und Decta runden das Feld ab. Payneteasy punktet mit einem Preismodell, das auch für kleinere PSPs tragfähig bleibt, und einem Fokus auf wiederkehrende Zahlungen — relevant für den stark wachsenden Subscription-Commerce. Decta wiederum kommt aus dem Issuing und Processing und bringt damit eine Breite mit, die reine Gateway-Anbieter nicht haben; wer Issuing und Acquiring unter einem Dach white-labeln will, landet fast zwangsläufig hier.

  • Enterprise mit DACH-Fokus: IXOPAY — Orchestrierung, europäische Acquirer-Tiefe, Wien als Standortvorteil.
  • Komplett-Gateway zum fairen Einstieg: Akurateco oder Payneteasy — schneller Live-Gang, überschaubare Kosten.
  • Orchestrierung über allem: Corefy — maximale Konnektor-Breite, wenn Budget keine Rolle spielt.

Warum die DACH-Besonderheiten die Anbieterwahl verändern

Deutschland ist kein Kartenland. Auch 2026 noch dominieren im deutschen E-Commerce PayPal, Kauf auf Rechnung über Klarna oder Ratepay und SEPA-Lastschrift den Checkout — Kreditkarten liegen je nach Branche bei 20 bis 30 Prozent der Transaktionen. Ein White Label Gateway, das primär auf kartenzentrische Märkte wie die USA oder Großbritannien optimiert ist, bringt für den hiesigen Markt die falschen Defaults mit. Die APM-Integrationen — Alternative Payment Methods — entscheiden hier über die Conversion, nicht die schicke Karten-Tokenisierung.

Ein zweiter Punkt wird regelmäßig unterschätzt: PSD2 und die starke Kundenauthentifizierung. 3-D-Secure-2-Handling mit sinnvollen Exemptions — etwa für geringe Beträge oder vertrauenswürdige Zahlungsempfänger — ist im europäischen Raum kein Nice-to-have, sondern der Unterschied zwischen einer Authorization Rate von 88 und von 94 Prozent. Gateways wie IXOPAY und Corefy haben dafür eigene Rule-Engines; bei günstigeren Anbietern muss man prüfen, ob die Logik überhaupt konfigurierbar ist oder ob jede Transaktion stumpf durch den Authentifizierungs-Trichter läuft.

„Die teuerste Zeile im P&L eines PSPs ist nicht die Lizenzgebühr des Gateways. Es sind die Transaktionen, die an schlechtem Routing und falscher Authentifizierung sterben.“

Wie viel kostet ein White Label Gateway wirklich?

Die ehrliche Antwort: zwischen 2.000 und 15.000 Euro monatlich, plus Setup. Payneteasy und Akurateco bewegen sich am unteren Ende, Corefy und IXOPAY mit voller Orchestrierung am oberen. Dazu kommen Setup-Gebühren von 5.000 bis 50.000 Euro — je nachdem, wie viele Acquirer und APMs individuell angebunden werden müssen und ob eine dedizierte Instanz gefordert ist.

Achtung bei den Nebenkosten: PCI-Recertification, zusätzliche Connectoren jenseits des Standardpakets und SLA-Stufen werden fast immer separat abgerechnet. Wir haben Angebote gesehen, in denen der Listenpreis von 3.000 Euro im zweiten Vertragsjahr real auf über 6.000 Euro angewachsen war — nicht durch Preiserhöhungen, sondern durch schrittweise hinzugebuchte Module, die als optional verkauft wurden und in der Praxis Pflicht sind.

Die Break-even-Rechnung gegenüber einer Stripe- oder Adyen-Partnerschaft kippt erfahrungsgemäß ab etwa 50 bis 100 aktiven Merchants. Darunter ist das White-Label-Modell ein Prestigeprojekt mit negativem Deckungsbeitrag. Darüber wird es zum Margenhebel, weil die Differenz zwischen eingekaufter Acquiring-Rate und eigenem Merchant-Pricing vollständig im Haus bleibt.

Woran erkennt man den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg?

Am einfachsten Signal: Wenn die Payment-Marge, die man an Stripe, Mollie oder Adyen abgibt, die Lizenzkosten eines eigenen Gateways übersteigt. Rechnerisch ist das früher der Fall, als die meisten denken — schon ab zwei bis drei Millionen Euro monatlichem verarbeitetem Volumen lohnt sich die Kalkulation ernsthaft. Das zweite Signal ist strategisch: Wer Händler langfristig binden will, braucht die Payment-Beziehung im eigenen Namen. Ein Händler, der „sein“ Gateway beim Shop-Anbieter hat, wechselt seltener als einer, der nur eine Stripe-Schnittstelle vorgesetzt bekommt.

Unsere klare Empfehlung für den DACH-Markt: Starten Sie mit IXOPAY, wenn Sie bereits Acquirer-Verträge und nennenswertes Volumen haben, und mit Akurateco, wenn Sie das Gateway-Geschäft erst aufbauen. Verhandeln Sie in jedem Fall die Connector-Preise für die zweite Vertragsjahreshälfte vor, und lassen Sie sich die Portabilität der Token-Daten schriftlich zusichern. Der Wechsel eines Gateways ist teuer — aber der Verbleib beim falschen Anbieter kostet über drei Jahre mehr. Wer diese Entscheidung 2026 nur nach dem monatlichen Listenpreis trifft, optimiert die kleinste Position im Vertrag.