Über 4.600 US-Filialen, Jahrzehnte voller eigenmächtiger Payment-Strategien – und trotzdem ist Walmart am Ende eingeknickt. Bis zum Jahresende akzeptiert der größte stationäre Händler der Welt Apple Pay und Google Pay an seinen Kassen. Die Payment-Neuerung beendet eine Blockade, die seit über zehn Jahren für Frust bei Kundinnen und Kunden sorgte, und markiert einen Wendepunkt für den gesamten Handel: Die mobilen Wallets haben sich endgültig durchgesetzt. Wer sie nicht anbietet, steht auf der falschen Seite.
Was ändert sich an den Walmart-Kassen konkret?
Konkret bedeutet das: Käufer halten künftig ihr iPhone, ihre Apple Watch oder ihr Android-Gerät ans Terminal – fertig. Bisher mussten sie entweder physisch zahlen oder die hauseigene App nutzen. Walmart Pay, das eigene QR-Code-System, bleibt laut Unternehmen verfügbar, tritt aber faktisch in den Hintergrund.
Die Blockade hatte System. Walmart war Gründungsmitglied der Merchant Customer Exchange, eines Handelskonsortiums, das 2012 mit dem Bezahldienst CurrentC einen Angriff auf Apple Pay startete – zentral motiviert durch den Wunsch, die hohen Kartengebühren von Visa und Mastercard zu umgehen und Kundendaten im eigenen System zu behalten. CurrentC scheiterte spektakulär und wurde 2016 eingestellt. Walmart setzte danach auf Walmart Pay, startete im Dezember 2015 – und weigerte sich weiterhin, fremde Wallets anzulassen. Diese Haltung ist nun Geschichte.
Warum lenkt Walmart jetzt ein?
Die Antwort lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wallets sind zum Standard geworden, und Verzicht kostet Umsatz. Laut dem Global Payments Report von Worldpay lief 2025 bereits mehr als die Hälfte des weltweiten E-Commerce-Umsatzes über digitale Wallets – im stationären Handel wächst der Anteil zweistellig. An der Kasse wartet niemand gern. Wer die bevorzugte Zahlungsmethode verweigert, provoziert Abbrüche und schlechte Bewertungen.
Hinzu kommt der Wettbewerbsdruck. Target, Kroger und praktisch jeder große US-Konkurrent akzeptieren kontaktlose Zahlungen längst. Walmart blieb als letzter großer Ausreißer zurück – ein Zustand, der angesichts steigender Smartphone-Nutzung im Laden untragbar wurde.
Payment ist am Point of Sale längst kein Differenzierungsmerkmal mehr. Es ist Hygiene.
Was bedeutet das für deutsche Shopbetreiber?
Für Online-Händler hierzulande ist die Botschaft deutlich. Apple Pay und Google Pay gehören in jeden Checkout, Punkt. In Shopsystemen wie Shopify, Shopware oder WooCommerce lässt sich die Anbindung über Stripe, Mollie oder den PayPal Checkout in Minuten aktivieren – technisch gibt es keine Ausrede mehr. Shopware-Händler greifen dafür typischerweise auf die offiziellen Erweiterungen ihrer Payment-Provider zurück, etwa das Mollie-Plugin, das beide Wallets neben Kreditkarte und Klarna bündelt.
Zweite Lehre: Dateneigentum als Argument verfängt nicht mehr. Walmart wollte Kundendaten im eigenen Ökosystem halten und ist trotzdem gescheitert. Deutsche Händler sollten den Spagat nicht versuchen – wer Wallets anbietet, bekommt über Stripe oder Mollie weiterhin alle relevanten Transaktionsdaten, nur eben sauberer aufbereitet.
Und die deutsche Besonderheit: PayPal bleibt hier mit rund 30 Prozent Online-Umsatzanteil die dominante Methode, doch Apple Pay und Google Pay wachsen laut EHI-Zahlungsstudie Jahr für Jahr zweistellig, getrieben von mobilen Käufen. Über 60 Prozent des Shop-Traffics kommt inzwischen vom Smartphone – und genau dort entscheidet die Wallet-Integration über Conversion oder Abbruch. Ein zusätzlicher Klick auf eine Tastatur kostet messbar Abschlüsse.
Walmart hat über ein Jahrzehnt gebraucht, um die offensichtliche Entscheidung zu treffen. Deutsche Shopbetreiber können sich diese Lernkurve schenken: Wallets rein in den Checkout, Abbruchquote messen, fertig. Wer jetzt noch diskutiert, ob Apple Pay sich lohnt, stellt die falsche Frage.
