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Adobe Commerce B2B: Unternehmenskonten, Shared Catalogs und Quotes im Magento-2-Überblick

Wer im B2B verkauft, kennt das Problem: Ein Kunde ist kein Kunde, sondern eine Firma mit Einkäufern, Genehmigern und Budgetlimits. Genau hier setzt Adobe Commerce B2B an — der Enterprise-Ableger von Magento 2, der Firmenkonten, kundenspezifische Kataloge und Angebotsprozesse nativ abbildet, statt sie über Drittmodule nachzurüsten.

Die Funktionen sind Teil der Adobe-Commerce-Lizenz, nicht der Open-Source-Version von Magento 2. Händler auf der kostenlosen Variante müssen auf Extensions wie die B2B-Suite von Mageplaza oder Amasty ausweichen, wer bereits Adobe Commerce nutzt, aktiviert die Module über die Admin-Konfiguration. Seit Version 2.4.x sind die B2B-Features fest im Core verankert und werden mit jedem Sicherheitspatch mitgepflegt.

Wie funktionieren Firmenkonten und Requisition Lists in der Praxis?

Ein Firmenkonto in Adobe Commerce B2B bildet eine Hierarchie ab: Der Company Admin legt Nutzer an, vergibt Rollen und setzt Ausgabelimits pro Bestellung. Ein Einkäufer mit 500-Euro-Limit löst bei Überschreitung automatisch einen Genehmigungsworkflow aus — der Bestellwert wandert zur Freigabe an den Vorgesetzten, ohne dass eine E-Mail außerhalb des Systems nötig wäre.

Requisition Lists ergänzen das um den Wiederholungskauf. Einkäufer speichern Standardbeschaffungen als Listen — etwa monatliche Verbrauchsmaterialien — und übertragen sie mit einem Klick in den Warenkorb. Für Händler mit hohem Anteil an Bestandskunden senkt das die Bestellabbrüche deutlich, weil niemand Artikelnummern erneut suchen muss. Mehrere Listen pro Nutzer sind möglich, was Teams mit projektbezogenen Budgets entgegenkommt.

Kernsatz: Adobe Commerce B2B ersetzt keine ERP-Anbindung, deckt aber die komplette Einkaufslogik auf Shopseite ab — von der Freigabe bis zur Nachbestellung.

Shared Catalogs und Quotes: Preise pro Kunde statt Preislisten im Excel

Kundenspezifische Preise sind im B2B keine Ausnahme, sondern der Normalfall. Shared Catalogs erlauben genau das: Händler erstellen Katalogvarianten mit individuellen Preisen und sortimentsbezogenen Einschränkungen und weisen sie einzelnen Firmen oder ganzen Kundengruppen zu. Wer nicht eingeloggt ist, sieht den Standardkatalog — verhandelte Konditionen bleiben unsichtbar für Wettbewerber und Endkunden.

Im B2B gewinnt nicht der günstigste Shop, sondern der, bei dem der Einkäufer am schnellsten bestellen kann.

Der Quotes-Workflow schließt die Lücke zwischen Warenkorb und Verhandlung. Käufer wandeln einen Warenkorb in eine Angebotsanfrage um, der Händler passt Preise an, kommentiert, versendet — der Kunde nimmt an oder legt ein Gegenangebot. Der gesamte Verlauf bleibt dokumentiert. Das spart die klassische E-Mail-Schleife mit angehängten PDFs, die nach der dritten Version niemand mehr durchblickt.

Was bedeutet das für Shop-Betreiber mit Magento 2?

Wer Magento Open Source betreibt und B2B-Anforderungen hat, steht vor einer Abwägung: Adobe-Commerce-Lizenz ab rund 22.000 US-Dollar jährlich oder ein Set aus B2B-Extensions, die in Summe deutlich günstiger liegen, aber bei Updates Abstimmungsaufwand erzeugen. Entscheidend ist die Komplexität der eigenen Einkaufsprozesse — einfache Staffelpreise brauchen kein Firmenkonto-Konstrukt.

Für den Import und Export von Firmendaten, Katalogen und Preislisten stellt Adobe Commerce native Schnittstellen bereit, ergänzend funktionieren Tools wie das Improved Import & Export Modul von Firebear, das FTP- und Google-Sheets-Anbindung mitbringt. Gerade bei mehreren tausend kundenspezifischen Preisen ist ein automatisierter Import-Job Pflicht, keine Kür.

Händler sollten vor der Migration ihre tatsächlichen B2B-Prozesse aufschreiben: Wer genehmigt was, ab welchem Betrag, mit welchen Preisen? Erst wenn diese Matrix steht, lohnt die Konfiguration — umgekehrt endet das Projekt im Customizing-Chaos.