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Adobe Commerce B2B: Alle Features im Überblick und wie Händler sie aktivieren

Mehr als zwei Drittel aller B2B-Einkäufer wünschen sich laut Branchenstudien den gleichen Komfort wie im Privatkauf – nur 15 Prozent der Händler liefern ihn. Wer mit Magento beziehungsweise Adobe Commerce arbeitet, sitzt dabei auf einem Funktionspaket, das diese Lücke schließen kann. Viele Shop-Betreiber nutzen davon aber nur einen Bruchteil.

Welche B2B-Features stecken in Adobe Commerce?

Adobe Commerce bringt das B2B-Modul seit Version 2.2 als festen Bestandteil mit – wer die Open-Source-Edition von Magento fährt, muss nachrüsten, wer auf die Commerce-Lizenz setzt, aktiviert die Funktionen über die Konfiguration. Das Paket umfasst Firmenkonten mit mehreren Unterkonten und Rollenverwaltung, kundenindividuelle Preislisten über sogenannte Shared Catalogs, Angebotsanfragen mit Verhandlungsfunktion, Schnellbestellung per SKU-Liste oder CSV-Upload, Nachbestellung aus der Bestellhistorie sowie Kreditlimits pro Firmenkunde. Dazu kommen Genehmigungsworkflows: Ein Einkäufer stellt den Warenkorb zusammen, der Freigabeberechtigte gibt ihn erst über einem definierten Budgetrahmen frei.

Genau dieser Workflow-Aspekt trennt B2B-Commerce vom klassischen Shop-Betrieb. Ein Maschinenbauzulieferer mit 40 angeschlossenen Abteilungen braucht keine Marketing-Automation – er braucht Kontostrukturen, Budgetgrenzen und nachvollziehbare Freigabeketten. Adobe Commerce bildet das nativ ab, ohne dass Agenturen dafür individuellen Code schreiben müssen.

Wie aktiviert man die B2B-Funktionen konkret?

Die Aktivierung läuft über Stores > Konfiguration > General > B2B Features. Dort lassen sich Firmenkonten, Shared Catalogs, Angebote und die Schnellbestellung einzeln zuschalten – kein Big Bang nötig. Praktisch heißt das: Ein Händler kann mit Firmenkonten und Preislisten starten und das Angebotsmanagement erst aktivieren, wenn das Vertriebsteam die Prozesse intern verankert hat.

Zwei Stolpersteine aus der Praxis verdienen Aufmerksamkeit. Erstens: Shared Catalogs kollidieren mit manchen Preis-Extensions aus dem Marketplace – vor dem Livegang gehört ein Staging-Test mit den tatsächlichen Kundengruppen zur Pflicht. Zweitens: Die Verhandlungsfunktion bei Angeboten verändert den Bestellprozess grundlegend; wer sie aktiviert, muss Vertrieb und Kundenservice mitnehmen, sonst bleiben Anfragen im System liegen.

Kernsatz: Adobe-Commerce-B2B-Features sind ab Version 2.2 lizenzseitig enthalten – die eigentliche Arbeit liegt nicht in der Technik, sondern in der Abbildung der eigenen Vertriebsprozesse.

Warum lohnt sich der Aufwand für Händler?

B2B-Kunden, die über ein Firmenkonto mit hinterlegtem Preisgerüst bestellen, kaufen häufiger und planbarer. Die Schnellbestellung per SKU-Upload allein spart Einkäufern mit wiederkehrenden Warenkörben pro Bestellung spürbar Zeit – ein Argument, das im Kundengespräch stärker wirkt als jeder Rabatt.

Wer seine B2B-Kunden zum Telefonieren zwingt, verliert sie an Händler, bei denen ein CSV-Upload genügt.

Wer auf Magento Open Source sitzt und nur einzelne Bausteine braucht, findet im Marketplace Alternativen – etwa Company-Account- oder Quick-Order-Extensions, die Teilfunktionen nachbilden. Günstiger, aber technisch anfälliger bei Updates.

Der nächste sinnvolle Schritt für Shop-Betreiber: das bestehende Kundenportfolio nach Bestellfrequenz und Warenkorbstruktur prüfen. Wo sich wiederkehrende Muster zeigen, lohnt der Blick auf Schnellbestellung und Preislisten zuerst – dort liegt der schnellste Effekt für Umsatz und Prozesskosten.