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Amazon baut Lebensmittel-Lieferung und Whole Foods aus – das steckt dahinter

Amazon baut Lebensmittel-Lieferung und Whole Foods aus – das steckt dahinter

Amazon baut die Lieferinfrastruktur für Lebensmittel in den USA systematisch aus. Der Konzern will sein Online-Grocery-Geschäft sowie das Filialnetz von Whole Foods Market deutlich erweitern, um mehr Haushalte zu erreichen. Das ist kein vorsichtiges Testen mehr, sondern eine strategische Offensive in einem Markt, der für die meisten digitalen Anbieter bislang ein Verlustgeschäft bleibt.

Die Entscheidung folgt auf Jahre des Experimentierens. Amazon hatte mit Amazon Fresh eigene Supermärkte eröffnet, viele davon jedoch wieder geschlossen oder umgebaut. Stattdessen setzt das Unternehmen nun verstärkt auf die bestehende Whole-Foods-Kette als logistische Drehscheibe. Die rund 500 Filialen der Bio-Supermarktkette dienen nicht nur dem stationären Verkauf, sondern zunehmend als Depots für Same-Day- und Expresslieferungen. Das senkt die Kosten pro Lieferung und nutzt vorhandene Flächen, ohne neue Dark Stores bauen zu müssen.

Warum hält Amazon am Lebensmittelgeschäft fest?

Der Online-Anteil im US-Lebensmittelhandel wächst zwar, liegt aber weiterhin im einstelligen Prozentbereich – und die Logistik frischer Ware gilt als eine der teuersten und komplexesten Disziplinen im E-Commerce. Dennoch scheint Amazon bereit, Milliarden in die Skalierung zu investieren. Der Grund ist ökonomisch simpel: Lebensmittel sind frequenzstarke Einkäufe. Wer den wöchentlichen Einkauf übernimmt, hält Kunden im Ökosystem und bindet sie stärker an Prime sowie andere Dienste.

Kernsatz: Für Amazon sind Lebensmittel kein Selbstzweck, sondern ein Hebel für Kundenbindung und wiederkehrende Umsätze im Gesamtkonzern.

Das Modell funktioniert nur durch Quersubventionierung. Während das operative Grocery-Geschäft rote Zahlen schreibt, generieren AWS und das Marktplatzgeschäft die Liquidität für diese Langfristwette. Reine Online-Lebensmittelhändler verfügen über keinen solchen Polster. In Deutschland mussten Start-ups wie Gorillas und Flink ebenfalls einsehen, dass schnelle Lieferung allein keine Profitabilität garantiert.

Was bedeutet das für den deutschen Markt?

In Deutschland ist Amazon Fresh zwar in Großstädten verfügbar, spielt aber gegenüber Rewe, Edeka und den Quick-Commerce-Anbietern eine eher randständige Rolle. Whole Foods existiert hierzulande gar nicht mehr. Dennoch sind die US-Investitionen als strategisches Signal zu lesen. Sobald Amazon die letzte Meile für frische Ware in Nordamerika beherrscht, lassen sich diese Prozesse auf andere Märkte übertragen – inklusive Europa.

Deutsche E-Commerce-Manager und stationäre Händler sollten die Integration von Filialen in die Lieferkette genau beobachten. Amazon nutzt Whole Foods als Micro-Fulfillment-Center. Ein ähnliches Prinzip könnten deutsche Ketten mit bestehendem Filialnetz adaptieren, um Same-Day-Delivery für Lebensmittel und Non-Food zu ermöglichen, ohne externe Lagerflächen zu mieten. Gleichermaßen relevant ist die Datenführerschaft. Amazon erfasst Einkaufsgewohnheiten auf Haushaltsebene und verknüpft sie mit dem restlichen Kaufverhalten. Das ermöglicht Preis- und Sortimentssteuerung in Echtzeit.

Lohnt sich die Strategie überhaupt?

Die Profitabilität des Online-Lebensmittelhandels bleibt fragil. Selbst Amazon musste in den vergangenen Jahren mehrfach Kurs korrigieren und Fresh-Expansionen stoppen. Die jüngsten Pläne deuten jedoch darauf hin, dass der Konzern die kritische Masse in den USA noch nicht aufgegeben hat. Statt breiter Fläche konzentriert man sich nun auf profitable Regionen und die symbiotische Nutzung der Whole-Foods-Infrastruktur.

Für den Wettbewerb bedeutet das: Wer nicht über ein ausreichendes Filialnetz oder eine schlanke Kühlkette verfügt, wird unter Preis- und Logistikdruck geraten.

Deutsche Händler können aus der US-Entwicklung lernen, dass Skalierung im Grocery-Bereich nur funktioniert, wenn die physische Infrastruktur – egal ob Supermarkt oder Lager – digital angebunden und als Lieferknotenpunkt genutzt wird. Die Zeit rein digitaler Lebensmittel-Start-ups ohne eigenes Standbein scheint vorerst vorbei zu sein. Wer jetzt nicht seine bestehenden Flächen für E-Commerce zweckentfremdet, verliert gegen jene Akteure, die es tun.