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Amazon dominiert Gesundheitsprodukte: Marktmacht wächst laut DAZ

Amazon dominiert Gesundheitsprodukte: Marktmacht wächst laut DAZ

Wer heute Magnesiumtabletten oder ein digitales Fieberthermometer online sucht, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Amazon. Die Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ) hat jüngst die wachsende Dominanz des Konzerns im Segment Gesundheitsprodukte aufgegriffen. Für E-Commerce-Manager und Shop-Betreiber ist das kein Randphänomen, sondern ein strategischer Weckruf. Der Gesundheitsmarkt galt lange als Hort der stationären Apotheke – doch das Kaufverhalten verschiebt sich messbar auf den US-Konzern.

Amazon treibt diese Entwicklung gezielt voran. Das Unternehmen baute seine Kategorie für rezeptfreie Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte massiv aus. Eigenmarken wie Amazon Basic Care ergänzen das Portfolio. Händler, die nicht auf dem Marktplatz vertreten sind, verlieren die Sichtbarkeit bei einer zahlungskräftigen Zielgruppe. Das Subscribe-&-Save-Programm für wiederkehrende Käufe sorgt zudem für eine Abhängigkeit, die lokale Wettbewerber so nicht abbilden können.

Warum gewinnt Amazon im Gesundheitsmarkt?

Kunden schätzen bei Gesundheitsprodukten vor allem Verfügbarkeit und transparente Bewertungen. Amazon liefert beides. Die Plattform reduziert die Reibung beim Kaufabschluss auf ein Minimum – ein Vorteil, den viele Apotheken-Onlineshops nicht bieten. Zudem hat der Konzern das Vertrauen in schnelle Lieferzeiten und unkomplizierte Retouren geschärft. Während klassische Anbieter noch mit veralteter Shop-Software kämpfen, setzt Amazon auf personalisierte Empfehlungen und einen mobilen Kaufabschluss mit minimalem Aufwand.

Reichweite entscheidet mit. Hersteller von Consumer-Health-Artikeln können über Amazon Millionen potenzieller Käufer erreichen, ohne eigene Logistik aufbauen zu müssen. Das lockt Marken wie Bayer, Hexal oder mittelständische Nahrungsergänzungsmittel-Anbieter auf die Plattform. Die Folge: Das Sortiment wächst, die Preistransparenz steigt, Margen schmelzen.

Was bedeutet die Marktdominanz für Hersteller und Händler?

Die Abhängigkeit wächst. Wer als Hersteller nicht bei Amazon listet, riskiert, von dynamischeren Wettbewerbern verdrängt zu werden. Gleichzeitig frisst der Konzern durch Gebühren und Werbekosten die Marge. Amazon nimmt im Health-Bereich je nach Kategorie zwischen 8 und 15 Prozent Verkaufsgebühr – hinzu kommen Kosten für Fulfillment by Amazon (FBA) und Sponsored Products. Das erzwingt eine harte Kalkulation.

Kernsatz: Gesundheitsprodukte sind auf Amazon längst kein Nischensegment mehr. Wer hier nicht professionell auftritt, verschenkt Umsatz an den Marktplatz selbst.

Apotheken und Spezialhändler stehen unter Zugzwang. Die rezeptpflichtige Ware bleibt zwar rechtlich geschützt, doch der Großteil des Online-Umsatzes im Gesundheitsmarkt entfällt auf OTC-Produkte und Wellness-Artikel – also genau jene Bereiche, in denen Amazon frei operiert. Laut Branchenkreisen wachsen die Online-Anteile hier zweistellig, während der stationäre Absatz stagniert.

Wie können konkurrierende Händler sich positionieren?

Direkte Konfrontation auf Augenhöhe ist kaum sinnvoll. Erfolgversprechender ist die Differenzierung durch Beratungstiefe. Apotheken-Onlineshops sollten ihre pharmazeutische Kompetenz stärker ins Digitale übersetzen – etwa durch Live-Beratungen, personalisierte Gesundheits-Checks oder Abos, die auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Ein guter D2C-Shop mit Loyalty-Programm kann Amazon nicht im Volumen schlagen, aber Kunden mit höherem Bestellwert und Wiederkehrrate binden.

Hersteller, die auf Amazon aktiv sein müssen, sollten den Kanal strategisch nutzen statt ihn als bloßen Abverkauf zu betrachten. A+ Content, Storefronts und gezielte Brand-Building-Kampagnen helfen, die Abhängigkeit vom reinen Listing zu reduzieren. Wer seine Marke dort etabliert, von wo die Kunden suchen, kann anschließend gezielt auf den eigenen Shop umlenken. Das gelingt etwa durch Packungsbeilagen oder E-Mail-Marketing, sofern DSGVO-konform umgesetzt.

Amazon verlässt den Gesundheitsmarkt nicht – im Gegenteil. Mit Amazon Clinic und der Expansion von Pharmacy-Diensten rüstet der Konzern weiter auf. Für deutsche E-Commerce-Verantwortliche heißt das: Die Frage ist nicht mehr, ob sie mit Amazon konkurrieren, sondern wo sie außerhalb der Plattform noch echte Mehrwerte schaffen können.