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Autostore-Anlage: Drogerie Müller automatisiert E-Commerce-Logistik

Autostore-Anlage: Drogerie Müller automatisiert E-Commerce-Logistik

Drogerie Müller fährt eine Autostore-Anlage hoch. Das Familienunternehmen rüstet seine E-Commerce-Logistik mit einem der kompaktesten Lagerroboter-Systeme des Marktes auf – ein Schritt, der im deutschen Drogeriesegment bisher die Ausnahme bleibt. Wer online Windeln, Shampoo oder Kosmetik bestellt, wird künftig merken, dass die Kommissionierung schneller wird, auch wenn das Lager selbst für Kunden unsichtbar bleibt. Der Händler setzt damit auf Technologie, die bislang eher in der Mode- und Lebensmittellogistik verbreitet war.

Der Drogeriemarkt galt lange als Verteidiger der Stationärität. Doch seitdem dm, Rossmann und Müller eigene Online-Shops mit Lieferversprechen betreiben, entsteht ein Parallelmarkt zu Amazon, Douglas und den Versandapotheken. Müller reagiert auf diesen Druck nun mit harter Infrastruktur statt nur mit Marketingbudgets – und zwingt damit auch die Wettbewerber zur Rechenschaft.

Warum setzt Müller jetzt auf Grid-Roboter?

Im E-Commerce zählt jeder Stunde zwischen Bestellung und Übergabe an den Paketdienst. Klassische Lager kommissionieren nach dem Mann-zur-Ware-Prinzip: Mitarbeitende laufen durch Gänge, greifen Artikel aus Regalen, bringen sie zur Packstation. Das funktioniert bei niedrigen Stückzahlen, skaliert aber schlecht, wenn Bestellvolumen und Artikelvielfalt gleichzeitig steigen.

AutoStore kehrt das Prinzip um. Kleine Roboter fahren auf einem Aluminium-Gitter über dicht gestapelten Behältern, heben die jeweils benötigten Kisten aus dem Verbund und transportieren sie zu stationären Picken-Stationen. Dort greifen Mitarbeitende die Artikel heraus und packen sie für den Versand. Das System verdichtet das Lagervolumen massiv, weil keine breiten Gänge mehr nötig sind. Für Müller bedeutet das: mehr SKU-Dichte auf weniger Quadratmetern bei gleichzeitig höherem Durchsatz.

Das ist keine Zukunftsmusik. Ähnliche Systeme laufen bereits bei skandinavischen Modehändlern oder in Teilen der Lebensmittellogistik. Für den Drogeriemarkt markiert der Einsatz jedoch eine neue Eskalationsstufe im Wettlauf um Liefergeschwindigkeit und Lagerflächen-Effizienz.

Kernsatz: AutoStore ist kein Prestigeprojekt, sondern eine Reaktion auf die Ökonomie des E-Commerce-Versands: Wer schnell liefern will, muss zuerst schnell kommissionieren.

Was verändert sich in der täglichen Praxis?

Die Roboter arbeiten rund um die Uhr, reduzieren Fehlgriffe auf ein Minimum und entlasten das Personal von physischen Laufweiten. Verbliebene manuelle Tätigkeiten verlagern sich an ergonomische Workstations. Besonders relevant für Müller ist die modulare Skalierbarkeit: Das Grid lässt sich erweitern, Roboter lassen sich bei Bedarf nachrüsten. Wer saisonale Schwankungen stemmen muss – von Sonnenmilch im Juni bis Adventskalendern im November –, profitiert von dieser Elastizität.

Zudem integriert sich AutoStore in der Regel in bestehende Warenwirtschaftssysteme, ohne dass der Händler seine komplette IT-Infrastruktur über den Haufen werfen muss. Das senkt das Implementierungsrisiko im Vergleich zu vollständigen Lager-Neubauten.

Ist das der neue Standard für Drogerie-Logistik?

Müllers Entscheidung ist branchenweit bemerkenswert. Rossmann und dm setzen bisher primär auf Click-and-Collect, stationäre Abholung oder klassische Lagerkommissionierung. Müller wählt mit AutoStore einen Automatisierungsgrad, der sonst eher aus der Lebensmittellogistik bekannt ist. Das verschärft den Wettbewerb um Liefergeschwindigkeit und Verfügbarkeit erheblich – und zwar nicht nur im Online-Geschäft, sondern auch für den Versand aus Filialbeständen heraus.

Kunden, die heute noch drei Werktage auf ihre Zahnpasta warten, werden bald am nächsten oder am selben Tag beliefert erwarten. Wer die Logistik nicht auf diese Geschwindigkeit trimmt, verliert Bestellvolumen an Amazon, Douglas oder jenen stationären Konkurrenten, die ihre Distributionsstruktur clever vernetzt haben. Müller signalisiert mit der Autostore-Anlage, dass Drogerie kein „lahmes“ Online-Segment bleiben wird. Die Investition sichert Durchsatz und Margen – vorausgesetzt, der Online-Kanal wächst konsequent mit.