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Bargeld im Kreditkartenformat: Bundesdruckerei entwickelt Geldschein der Zukunft

Bargeld im Kreditkartenformat: Bundesdruckerei entwickelt Geldschein der Zukunft

Wie sieht der Geldschein der Zukunft aus?

Die Bundesdruckerei arbeitet an einer Banknote im Format einer Scheckkarte. Die Vision geht weit über eine kleinere Banknote hinaus. Ein Geldschein im Kreditkartenformat ließe sich mit neuen Sicherheitsmerkmalen ausstatten, die Fälschungen erschweren und maschinelles Prüfen beschleunigen. Er würde in übliche Geldbörsen passen, ohne gefaltet zu werden, und wäre hygienischer sowie strapazierfähiger als Papier. Polymerbanknoten gibt es bereits in anderen Ländern, doch das Kartenformat wäre eine Neuentwicklung mit Blick auf die Automatisierung. Kassen und Selbstbedienungsterminals könnten das Geld schneller einlesen, Wechselgeld-Rückgabe ließe sich präziser steuern. Das reduzierte Handling würde vor allem Händlern zugutekommen, die bisher den personellen Aufwand für Bargeldprozesse scheuen.

Warum verliert Bargeld im stationären Handel an Boden?

Rund die Hälfte aller Einkäufe im deutschen Einzelhandel läuft noch über Bargeld. Die Tendenz sinkt, das Tempo variiert stark je Branche. Während Discounter und Drogeriemärkte weiterhin hohe Bargeldquoten verzeichnen, setzen Modeketten und Elektronikfachhändler verstärkt auf Kartenzahlung. Verbraucherschützer warnen seit Jahren vor einer schleichenden Entwertung von Bargeld. Viele Händler reduzieren die Anzahl der Bargeldkassen, weil das Zählen, Verpacken und Abholen durch Sicherheitsdienste kostet. Kartenzahlungen scheinen bequemer, verbinden sich aber mit Interchange-Fees und Terminalmieten. Kommt es an der Kasse zum Konflikt, weil ein Geschäft Scheine ablehnt, entsteht Imageschaden. Dieses Spannungsfeld betrifft auch Online-Händler, die stationär expandieren. Ein Mode-Brand, der bisher rein digital verkauft und nun Flagship-Stores eröffnet, muss die deutsche Zahlungskultur ernst nehmen. Kunden, die in der Boutique bar zahlen wollen, lassen sich nicht mit dem Appell an die eigene Digitalstrategie abweisen.

Lohnt sich für Händler die Akzeptanz von Bargeld noch?

Für Vollsortimenter und Discount-Vertreiber ist die Antwort eindeutig: Ja. Ohne Bargeld fehlt ein relevanter Anteil der Kundschaft. Für Premium-Marken oder temporäre Verkaufsflächen sieht die Rechnung anders aus. Hier dominiert oft die Kartenzahlung. Dennoch droht durch eine Verweigerungshaltung ein Vertrauensverlust, der auf die Online-Wahrnehmung durchschlägt. Die geplante Kartenbanknote könnte hier eine Mittellage eröffnen. Geringerer Platzbedarf am Point of Sale, schnellere Prüfung durch Geräte und potenziell geringere Logistikkosten für Wechselgeld machen Bargeld wieder attraktiver. Ob sich das Konzept in der Masse rechnet, hängt von Produktionskosten und der politischen Unterstützung durch die Bundesregierung sowie die Europäische Zentralbank ab.

Kernsatz: Wer im stationären Handel auf Bargeld verzichtet, schließt in Deutschland nach wie vor einen signifikanten Kundenkreis aus – mit direkten Folgen für den Omnichannel-Umsatz.

Die Bundesdruckerei setzt mit dem Kartenformat auf ein physisches Fallback in einer digitalen Wirtschaft. Ob der neue Geldschein marktreif wird, ist offen. Für E-Commerce-Manager gilt es jetzt, die eigene Zahlungsinfrastruktur zu prüfen. Stationäre Touchpoints brauchen eine klare Bargeldstrategie, auch wenn der Anteil sinkt. Wer heute Omnichannel-Strategien entwickelt, sollte in fünf Jahren noch eine überzeugende Antwort darauf haben, wie der Kunde vor Ort bezahlt – sei es per Smartphone, Karte oder eben einem neuen Format für physisches Geld.