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Führungskultur im E-Commerce: Was Skims-Chefin Emma Grede zur Familie im Team sagt

Führungskultur im E-Commerce: Was Skims-Chefin Emma Grede zur Familie im Team sagt

Ein Unternehmen mit Milliardenbewertung und klarem Kurs: Skims-CEO Emma Grede hat sich in einem Podcast-Auftritt gegen die populärste Floskel der Startup-Branche gestellt. „It is not my job to treat everybody as though this were a family“, sagt sie zur Führungskultur. Auf Deutsch: Es gehört nicht zu ihrer Aufgabe, alle Mitarbeiter wie Familie zu behandeln.

Grede gründete Skims 2019 mit Kim Kardashian und Jens Grede. Das Shapewear- und Basics-Label wuchs in sechs Jahren zu einer Marke mit geschätzt vier Milliarden Dollar Bewertung und Umsätzen jenseits von 750 Millionen Dollar, laut Medienberichten. Grede gilt als operative Chefin des Hauses, gründete zuvor mit Khloé Kardashian das Denim-Label Good American und sitzt als Investorin in der US-Show „Shark Tank“. Viele Führungskräfte, so ihre Kritik, gingen zu langsam mit schlechter Leistung um, weil sie ihr Team wie Freunde oder Verwandte sähen. Ihre Pointe: Nähe ist kein Ersatz für Struktur.

Warum krankt die Familien-Metapher beim Skalieren?

Der Familien-Vergleich klingt warm, er verwischt aber Rollen. Wer „Wir sind eine Familie“ sagt, meint meist Fürsorge. Ein Arbeitsverhältnis ist etwas anderes: Ziele, Feedback, Konsequenzen. Eine Familie entlässt niemanden, ein Unternehmen schon. Wer Kündigungen hinauszögert, weil das Gespräch sich wie ein Familienbruch anfühlt, schadet dem Rest des Teams.

Deutsche D2C-Brands und Onlineshops kennen das Problem. Gründer stellen Freundinnen, Cousins und ehemalige Kommilitonen ein, flache Hierarchien gelten als Charme. Ab 50, 100 Mitarbeitern fehlen dann klare Berichtslinien, und Leistungsgespräche werden zum Stresstest.

„It is not my job to treat everybody as though this were a family.“

Forschung stützt die Unterscheidung. Googles Projekt Aristotle identifizierte psychologische Sicherheit als wichtigsten Faktor in starken Teams. Sicherheit bedeutet: Fehler benennen, Fragen stellen, offen widersprechen. Familie zu spielen, ist dafür nicht nötig.

Kritiker halten dagegen: Gerade junge Unternehmen bräuchten Loyalität, die eine Familien-Rhetorik stiftet. Der Einwand hat einen Haken. Loyalität entsteht durch Vertrauen und klare Zusagen, nicht durch Rollenverwirrung. Gallup führt unklare Erwartungen seit Jahren als einen der stärksten Treiber für Fluktuation an.

Was heißt das für Shop-Betreiber mit 20 oder 200 Mitarbeitern?

Antwort in einem Satz: Klare Rollen und ehrliches Feedback sind respektvoller als Nähe auf Kosten der Wahrheit. Konkret heißt das: Erwartungen schriftlich fixieren, vierteljährliche Reviews einführen, Kritik terminieren statt im Flur andeuten. HR-Tools wie Personio oder Lano helfen, Review-Zyklen und Ziele nachzuverfolgen, ohne auf Vertrauen zu verzichten. Der Prüfstein für jede Führungskraft: Würden Sie die Person heute noch einstellen? Wenn die Antwort länger auf sich warten lässt, ist das ein Signal.

Warmherzigkeit bleibt möglich. Grede spricht nicht gegen Wertschätzung, sie spricht gegen Verwechslung. Wer Entwicklung, faire Bezahlung und Transparenz verspricht, hält mehr, als die Familien-Rhetorik je tut.

Kernsatz: Wer sein Team wie Familie behandelt, nimmt ihm die Klarheit über Ziele und Leistung. Respekt braucht keine Verwandtschaft.

Ein Ausblick: Skims expandiert weiter, zuletzt in neue Kategorien und Märkte. Ob die harte Linie die Kultur beim nächsten Wachstumsschritt trägt, wird sich zeigen. Shop-Betreiber sollten jedenfalls das nächste Team-Meeting nutzen und prüfen, wie oft „Familie“ fällt. Ein einziges Mal zu viel ist einmal zu viel.