30 Prozent Provision waren lange der Standard. Ab dem Stichtag 30. Juni sinkt die Abgabe für viele App-Entwickler – zumindest, wenn sie ihre Nutzer geschickt zu alternativen Bezahlmethoden lotsen. Google erlaubt ab diesem Tag ausdrücklich, im Play Store auf externe Zahlungswege und die eigene Website hinzuweisen. Bislang galt: Wer Apps, digitale Güter oder Abonnements über Android vertreiben wollte, musste Googles eigenes Billing-System nutzen und dafür bis zu 30 Prozent der Einnahmen abgeben.
Die Änderung ist kein Zugeständnis aus Nächstenliebe. Der Druck aus der Europäischen Union, Südkorea und Großbritannien hat Google dazu gezwungen, seine Monopolstellung beim App-Checkout aufzuweichen. Unternehmen wie Spotify und Epic Games hatten jahrelang gegen die sogenannte App-Steuer gekämpft. Nun können Händler und Entwickler selbst entscheiden, über welchen Weg sie ihre Kunden bezahlen lassen.
Was ändert sich beim Google Play Store konkret?
Entwickler dürfen künftig im App-Eintrag, in der App selbst und in der Kommunikation mit Nutzern auf externe Bezahlmethoden verweisen. Das kann ein Link zur eigenen Website sein, ein Hinweis auf PayPal, Kreditkarte direkt über Stripe oder ein anderer Payment-Provider. Google nennt das Modell „User Choice Billing“.
Die Gebühren bleiben dennoch relevant. Auch bei externen Zahlungen behält Google einen Anteil ein, allerdings reduziert. Statt 30 Prozent fallen bei manchen Modellen 26 Prozent an, statt 15 Prozent für Abonnements nach dem ersten Jahr etwa 12 Prozent. Wer also nur ein paar Prozentpunkte sparen möchte, muss gleichzeitig eine separate Payment-Infrastruktur betreiben, Rechnungen ausstellen, Rückbuchungen managen und steuerliche Pflichten für internationale Zahlungen erfüllen.
Was bedeutet das für E-Commerce-Händler mit eigener App?
Shopbetreiber, die über eine App digitale Produkte, Premium-Inhalte oder Abonnements verkaufen, können ihre Marge entlasten. Ein Händler mit einer Million Euro Jahresumsatz über App-Abos spart bei einer Reduktion um vier Prozentpunkte schnell 40.000 Euro im Jahr. Hinzu kommt der strategische Vorteil: Wer die Zahlung auf seiner eigenen Website abwickelt, behält Kundendaten, Zahlungsverhalten und die Kommunikation im Kaufprozess selbst in der Hand.
Nicht jeder Händler wird sofort umsatteln. Für kleinere Shopify- oder WooCommerce-Shops mit einer begleitenden App lohnt sich der Aufwand erst ab einem kritischen Transaktionsvolumen. Die Integration externer Zahlungswege erfordert Entwicklerressourcen, abgestimmte AGB und ein sauberes Tracking der Conversion-Raten. Hier helfen bewährte Subscription-Plugins wie Recharge oder WooCommerce Payments als Brücke, um eigene Abo-Modelle außerhalb des Play Store zu steuern.
Lohnen sich externe Zahlungswege für alle?
Nein. Der Gewinn aus geringeren Gebühren schmilzt schnell, wenn Kunden beim Wechsel zwischen App und Browser abbrechen. Jeder zusätzliche Klick im Checkout kostet Conversion. Google bleibt der bequemere Weg, weil gespeicherte Zahlungsdaten und One-Tap-Käufe die Reibung minimieren. Händler müssen also rechnen: Sinkt der Umsatz durch schlechtere Conversion stärker als die Gebühr sinkt?
Große D2C-Marken und Abo-Anbieter werden die externen Zahlungswege nutzen, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Kleinere Shopbetreiber sollten zunächst ihr Transaktionsvolumen prüfen und gegebenenfalls mit einer Produktkategorie testen. Wer heute ohne eigene App lebt, wird durch diese Änderung nicht plötzlich zur App-Marke. Wer jedoch bereits App-Umsatz macht, sollte den 30. Juni als Termin im Kalender markieren – nicht als Jackpot, sondern als Verhandlungsmasse mit Google.
