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HelloFresh setzt Locus Origin ein: Gekühltes Fulfillment per Roboter skalieren

HelloFresh setzt Locus Origin ein: Gekühltes Fulfillment per Roboter skalieren

HelloFresh kann in seinem gekühlten Fulfillment-Center in Phoenix künftig deutlich mehr Artikelvarianten kommissionieren als bisher. Der Berliner Meal-Kit-Anbieter hat am Standort Locus Origin Roboter von Locus Robotics installiert. Ziel ist nicht nur mehr Durchsatz, sondern vor allem mehr Flexibilität im Umgang mit einer wachsenden SKU-Vielfalt.

Das ist im Bereich chilled fulfillment eine spezifische Herausforderung. Lebensmittel, Tiefkühlware und kühlbedürftige Produkte müssen in der gesamten Prozesskette temperaturgeführt bleiben. Jeder zusätzliche Arbeitsschritt, jede Fehlkommissionierung und jede unnötige Wegstrecke erhöht das Risiko von Ausschuss und Kosten. Genau hier setzt die AMR-Technologie von Locus an.

Warum setzt HelloFresh auf Locus Origin?

Locus Origin ist ein autonomer mobiler Roboter, der Kommissionierer durch das Lager führt, Waren transportiert und die Wegstrecken zwischen den Lagerplätzen und den Packstationen reduziert. Im Gegensatz zu starren Fördersystemen lassen sich die Einheiten relativ schnell in bestehende Hallen integrieren und bei Bedarf umverteilen.

Für HelloFresh bedeutet das konkret: Der Phoenix-Standort kann mehr unterschiedliche Rezeptboxen und Zutatenkombinationen gleichzeitig bearbeiten, ohne die Fläche zu erweitern. Das ist relevant, weil der US-Markt für Meal Kits zunehmend personalisiert wird – Kunden wollen mehr Auswahl, vegetarische Varianten, Zusatzprodukte oder schnellere Lieferfenster. Mehr Varianten bedeuten jedoch exponentiell mehr Kommissionieraufgaben pro Bestellung.

Kernsatz: HelloFresh zeigt, dass gekühltes Fulfillment durch Robotik nicht nur schneller, sondern variantenreicher wird – ein Vorteil, der für Händler mit breitem Sortiment relevanter ist als reine Geschwindigkeit.

Was lernen deutsche E-Commerce-Betreiber daraus?

Der Einsatz in Phoenix ist kein isoliertes Tech-Upgrade. Er passt in ein Muster, das auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt: Händler mit temperaturgeführten Produkten müssen ihre Fulfillment-Kapazität skalieren, ohne dafür sofort neue Lagerhallen zu bauen. Das gilt für Lebensmittel-Onlinehändler genauso wie für Drogerie, Kosmetik, Tiernahrung oder Arzneimittel.

AMR-Systeme wie Locus Origin, Exotec, AutoStore oder die Lösungen deutscher Anbieter wie Magazino oder Grenzebach adressieren genau diesen Engpass. Sie erhöhen die Kommissionierleistung pro Stunde, reduzieren Fehlerquoten und entlasten das Personal bei repetitiven Tätigkeiten. In Spitzenzeiten – etwa vor Feiertagen oder bei Kampagnen – lässt sich die Kapazität durch zusätzliche Roboter schneller hochfahren als durch Neueinstellungen.

Lohnt sich Fulfillment-Automation auch für kleinere Shops?

Sinnvoll ist Robotik vor allem dann, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: eine hohe SKU-Dichte, wiederkehrende Auftragsmuster und ein Lagerlayout, das autonome Fahrzeuge sinnvoll einsetzen lässt. Wer täglich nur wenige hundert Positionen kommissioniert, wird den Return on Investment schwerer rechtfertigen können als ein Händler mit mehreren tausend Positionen pro Tag.

Die gute Nachricht: Viele AMR-Anbieter arbeiten mittlerweile mit Miet- oder Pay-per-Pick-Modellen. Das senkt die Einstiegshürde und verschiebt das Investitionsrisiko vom Kaufpreis auf die Betriebskosten. Händler können so schrittweise automatisieren, anstatt das gesamte Lager auf einmal umzubauen.

HelloFresh wird den Phoenix-Standort vermutlich als Blaupause für weitere US-Standorte nutzen. Wer in Deutschland ähnliche Strukturen aufbaut, sollte jetzt die eigene Kommissionierdatenlage prüfen: Wie hoch sind die Wegstrecken? Wo entstehen Fehler? Welche SKUs treiben die Komplexität? Diese Zahlen sind die Grundlage für jede sinnvolle Automatisierungsentscheidung.