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KI-Assistent verdoppelt Conversion-Rate: Was Shopbetreiber vom Michaels-Experiment lernen können

75.000 Gespräche in wenigen Wochen – und eine Conversion-Rate, die doppelt so hoch liegt wie bei der klassischen Shopsuche. Der US-Bastelhändler Michaels hat erste Zahlen zu seinem KI-Shopping-Assistenten „Ask Mike“ veröffentlicht, und die fallen deutlicher aus, als viele erwartet hatten.

Seit dem Launch im Mai 2026 läuft der Assistent auf Michaels.com sowie in den iOS- und Android-Apps des Händlers. Gebaut wurde er in nur sechs Wochen auf Basis von Google Clouds „Gemini Enterprise for Customer Experience“. Michaels betreibt über 1.300 Filialen in Nordamerika und ist dort der größte Anbieter für Bastel- und Kreativbedarf – kein Tech-Riese, sondern ein klassischer Spezialist mit großem Sortiment.

Was macht Ask Mike anders als die klassische Shopsuche?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Eingabe. Kunden beschreiben kein Produkt mehr über Keywords, sondern formulieren ein Vorhaben: „Hilf mir, den Kindergeburtstag meiner Tochter zu planen“ oder „Ich brauche einen Stoff für selbst genähte Vorhänge“. Der Assistent antwortet mit kuratierten Produktempfehlungen und kreativen Vorschlägen, geführt wie ein Gespräch.

Über 60 Prozent der Interaktionen drehen sich laut Michaels um die Produktentdeckung im Sortiment. Genau dort setzt die Conversion-Logik an: Wer von einer konkreten Idee zur passenden Warenkorb-Zusammenstellung geführt wird, springt seltener ab als jemand, der sich durch Filterlisten und Kategorieseiten klickt. Die Verdopplung der Conversion-Rate gegenüber der traditionellen Suche ist damit kein Zufallsergebnis, sondern folgt einer nachvollziehbaren Mechanik – geführte Beratung schlägt Stichwort-Raten.

„Ask Mike ist mehr als ein Suchwerkzeug; es ist ein persönlicher kreativer Partner für unsere Kunden.“ – Heather Bennett, President & Chief Customer Officer bei Michaels

Zu beachten ist allerdings die Datenlage: Die Zahlen stammen aus wenigen Wochen Betrieb, einer Phase, in der Neugier-Effekte die Nutzung treiben. Kunden, die einen KI-Assistenten aktiv nutzen, haben ohnehin oft höhere Kaufabsicht. Ob die Verdopplung hält, wenn der Effekt abflaut, muss Michaels noch beweisen. Geplant sind als Nächstes KI-generierte Produktübersichten und kontextuelle Prompts direkt auf den Produktdetailseiten.

Ist Conversational Commerce das Ende der Keyword-Suche?

Nein – aber sie verliert ihr Monopol. Die Michaels-Zahlen deuten auf eine Arbeitsteilung hin: Die Keyword-Suche bleibt der Weg für Kunden, die genau wissen, was sie wollen. Der KI-Assistent übernimmt die Phase davor, in der ein Bedürfnis existiert, aber noch kein Produkt. Wer häufig Kunden verliert, weil diese „irgendwas für ein Sommerfest“ suchen und nicht „Papiergirlande 3 Meter“, hat genau diese Lücke im Shop.

Für Google bedeutet der Fall übrigens einen strategischen Erfolg: Gemini Enterprise for Customer Experience tritt damit gegen Amazons Rufus und andere Retail-KI-Lösungen an. Sechs Wochen von der Idee bis zum produktiven Einsatz – dieses Tempo wird in Verkaufsgesprächen Wirkung zeigen.

Was Shopbetreiber jetzt konkret prüfen sollten

Die Technologie ist längst nicht mehr Enterprise-only. Shopify-Händler bekommen mit Sidekick einen Assistenten direkt ins Backend, und für die Kundenansprache existieren Apps wie Rep AI oder Kimonix, die geführte Produktberatung in den Shop bringen. Shopware setzt mit seinem AI Copilot auf ähnliche Funktionen ab Version 6.6. Wer auf älteren Plänen oder Eigenlösungen fährt, findet im jeweiligen App-Store durchgehend Conversational-Commerce-Plugins, oft ab unter 100 Euro monatlich.

Sinnvoll ist der Einstieg nicht über das Tool, sondern über die Daten: Welche Suchanfragen im eigenen Shop enden ergebnislos? Wo in den Analytics steigen Besucher nach der Suche aus? Wer hier klare Muster sieht – etwa viele abgebrochene Longtail-Queries mit Kaufabsicht –, hat einen belastbaren Prüfstand. Ohne diese Analyse bleibt der KI-Assistent ein teures Gimmick über einer schlechten Produktdatenqualität, und genau dort scheitern die meisten Projekte.

Kernsatz: Michaels zeigt mit „Ask Mike“, dass KI-geführte Produktberatung messbar mehr verkauft als Stichwort-Suche – vorausgesetzt, die Produktdaten im Hintergrund stimmen.

Die nächsten Quartale werden zeigen, ob Michaels die Conversion-Differenz halten kann, wenn der Launch-Effekt verpufft ist. Shopbetreiber, die jetzt ihre Such-Analytics auswerten und Produktdaten bereinigen, sind in jedem Fall schneller – ob sie am Ende auf Gemini, Sidekick oder eine andere Lösung setzen.