In der Kontraktlogistik schließen Technologiepartnerschaften meist lokal ab. Dass Hellmann mit Exotec einen globalen Automatisierungs-Rahmenvertrag unterzeichnet, ist deshalb ungewöhnlich – und bemerkenswert für jeden E-Commerce-Manager, der seine Fulfillment-Kette outsourct. Exotec liefert das sogenannte Goods-to-Person-System Skypod, bei dem mobile Roboter Behälter aus dem Regal zu stationären Kommissionierstationen transportieren.
Hellmann betreibt Fulfillment-Center für Händler aus Mode, Consumer Electronics und Industrie. Diese Kunden verlangen zwei Dinge: hohe Variantenvielfalt bei gleichzeitig fallenden Lieferzeiten. Exotec’s Systeme erhöhen die SKU-Dichte pro Quadratmeter und verkürzen den Weg vom Wareneingang bis zum Versandlabel. Für den Betreiber entfällt der lineare Zusammenhang zwischen Auftragsmenge und Personalaufwand – ein klassisches Hebelthema in der Lagerlogistik.
Der Rahmenvertrag ermöglicht zudem eine modulare Ausrollung. Hellmann kann einzelne Standorte nachrüsten, ohne jedes Mal eine neue Ausschreibung zu fahren. Das senkt die Implementierungszeit und standardisiert die IT-Schnittstellen für Warenwirtschaftssysteme.
Zunächst fokussieren die Partner auf Europa und Nordamerika, ließen sich die Vereinbarung aber theoretisch auf das gesamte Hellmann-Netzwerk ausdehnen. Das ist relevant für E-Commerce-Unternehmen mit Cross-Border-Ambitionen: Eine einheitliche Lagerautomatisierungsplattform erleichtert die Expansion in neue Märkte, weil Prozesse und IT-Architekturen nicht neu erfunden werden müssen.
Besonders im Peak-Business zeigt sich der Vorteil. Während manuelle Lager in der Vorweihnachtszeit mit temporärem Personal aufstocken müssen, skalieren robotergestützte Systeme durch zusätzliche Roboter und längere Betriebszeiten. Die Investitionskosten liegen zwar höher, die variablen Kosten pro Auftrag sinken jedoch deutlich ab einer kritischen Masse von Sendungen pro Stunde.
Warum setzt Hellmann global auf Exotec?
E-Commerce-Betreiber, die auf Hellmann oder vergleichbare Kontraktlogistiker setzen, müssen ihre Service Level Agreements (SLAs) neu kalibrieren. Ein automatisiertes Lager liefert nicht nur schneller, sondern auch präziser: Die Fehlerrate im Pick-Prozess sinkt, wenn Kameras und Sensoren die Behälter vor der Kommissionierung scannen. Gleichzeitig entsteht Transparenz über Bestände in Echtzeit – essenziell für Marktplatz-Anbindungen oder D2C-Strategien mit mehreren Absatzkanälen. Die reduzierte Abhängigkeit von Saisonkräften stabilisiert zudem die Personalkostenrechnung.
Allerdings bindet sich Hellmann damit auch langfristig an eine Technologie. Wer als Händler einen Vertrag mit dem Logistiker abschließt, sollte prüfen, ob die Exotec-Infrastruktur bereits im jeweiligen Standort verfügbar ist oder erst geplant wird. [ECOMMERCE MINDED: Lagerautomatisierung] Nicht jede Automatisierung eignet sich für alle Branchen gleichermaßen: Große, schwere Artikel oder schwierig zu greifende Ware stellen die Skypod-Roboter vor Herausforderungen, die klassische Schwerkraftförderer oder Palettenlösungen besser lösen.
Wie verändert die Partnerschaft den Wettbewerb in der Kontraktlogistik?
Die Branche bewegt sich weg von monolithischen Automatisierungsbunkern hin zu skalierbaren, robotergestützten Modulen. Exotec, AutoStore oder Locus Robotics setzen auf diese Flexibilität. Hellmanns globaler Deal unterstreicht einen Trend: Kontraktlogistik-Anbieter wollen nicht mehr für jeden Kunden eine Insellösung bauen, sondern eine standardisierte Technologieplattform betreiben, auf der unterschiedliche Händlerprofile parallel abgebildet werden. Das senkt Kapitalkosten und beschleunigt die Time-to-Operation für neue Kunden.
Regional agierende Anbieter ohne entsprechende Finanzkraft geraten unter Zugzwang. Während Global Player wie Hellmann, DHL Supply Chain oder Kühne+Nagel massiv in AMR-Flotten investieren, setzen manche Mittelständler weiterhin auf manuelle Prozesse und Saisonkräfte. Für Online-Händler entsteht dabei ein strategisches Risiko: Der Kontraktlogistiker muss nicht nur heute liefern können, sondern auch in drei Jahren noch wettbewerbsfähige Stückkosten bieten.
Ist modulare Robotik das neue Standardmodell?
Online-Händler sollten bei der Auswahl ihres Fulfillment-Partners gezielt nach der Automatisierungsroadmap fragen. Wer heute einen Kontraktlogistik-Vertrag über drei bis fünf Jahre abschließt, ohne die Robotisierungsstrategie des Dienstleisters zu durchleuchten, riskiert, in der nächsten Vertragsperiode mit veralteten Prozesskosten dazustehen. Der Rahmenvertrag zwischen Hellmann und Exotec ist kein experimentelles Pilotprojekt mehr – er definiert die neue Einstiegshürde für skalierbares E-Commerce-Fulfillment in ganz Europa.
