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Kontraktlogistik: Hunkemöller lagert Dessous künftig bei GXO

Kontraktlogistik: Hunkemöller lagert Dessous künftig bei GXO

Hunkemöller gibt seine Lagerlogistik ab. Der niederländische Dessous-Anbieter mit mehr als 800 Stores in Europa hat GXO als neuen Kontraktlogistik-Partner gewonnen. Ab sofort betreibt der Dienstleister ein zentrales Omnichannel-Lager für die Marke – mit dem Ziel, Online-Bestellungen und Store-Belieferung aus einer Hand zu steuern. Für Hunkemöller ist das ein strategischer Ruck nach außen.

Das Geschäftsmodell der Marke lebt von kurzen Produktlebenszyklen und extrem schwankenden Nachfragespitzen. Valentinstag, Muttertag und die Vorweihnachtszeit treiben das Auftragsvolumen innerhalb weniger Tage um ein Vielfaches nach oben. Gleichzeitig verlangt das Sortiment eine hochkomplexe Lagerführung: Ein einzelnes Dessous-Modell kommt in zehn Größen und mehreren Farben, was die Anzahl der Lagerhaltungseinheiten exponentiell steigen lässt. GXO übernimmt nicht nur Warehousing und Kommissionierung, sondern auch die Personalsteuerung in den Spitzenzeiten. Fixe Kosten werden so variabel, ohne dass die Lieferqualität sinkt.

Warum entscheiden sich Retailer für spezialisierte Kontraktlogistik?

Retail-Logistik ist längst kein rein intern optimierbarer Kostenfaktor mehr, wenn Skaleneffekte fehlen. Besonders im Fashion- und Dessous-Segment fallen Retourenraten von 30 bis 50 Prozent an. Wer hier eigenes Kapital bindet, trägt finanzielle Lasten, die schwer kalkulierbar sind. GXO bringt Infrastruktur und IT-Systeme mit, die Rücksendungen schneller wieder umschlagfähig machen. Das beschleunigt die Umlaufgeschwindigkeit des Inventars und verringert Wertminderungen durch veraltete Kollektionen.

Das Lager fungiert als Drehscheibe für den gesamten europäischen Markt. Hunkemöller betreibt einen starken Online-Shop, gleichzeitig beliefern die Lagerhäuser aber auch die eigene Filialkette. Diese Omnichannel-Anforderungen überfordern viele interne Logistikabteilungen. Externe Partner bieten Kapazitäten, die innerhalb von Wochen hoch- und wieder heruntergefahren werden können. Gerade für Händler mit Umsätzen jenseits der Millionengrenze lohnt sich die Rechnung, sobald die eigene Lagerfläche an geografische oder personelle Grenzen stößt.

Kernsatz: Kontraktlogistik wandelt sich vom reinen Lagerhalter zum strategischen Skalierungshebel für wachsende Omnichannel-Marken.

Wie verändert der Deal das Wettbewerbsumfeld?

GXO hat sich in den vergangenen Jahren vom klassischen Kontraktlogistiker zu einem tech-getriebenen Fulfillment-Dienstleister entwickelt. Werbeeinheiten wie Hunkemöller suchen zunehmend nach Partnern, die nicht nur palettieren, sondern auch Datenintegrationen in bestehende Commerce-Systeme beherrschen. Der Auftrag unterstreicht einen Trend: Mid- bis Enterprise-Händler lagern komplexe Warehousing-Prozesse aus, um interne Ressourcen auf Beschaffung, Produktdesign und Marketing zu konzentrieren.

Allerdings birgt die Abhängigkeit von einem einzelnen Dienstleister Risiken. Vertragslaufzeiten in der Kontraktlogistik erstrecken sich oft über drei bis fünf Jahre. Händler müssen sicherstellen, dass SLAs zu Lieferzeiten, Retouren-Scanning und Inventar-Genauigkeit schriftlich fixiert sind. Sonst drohen im nächsten Black-Weekend Lieferengpässe, die intern niemand mehr kurzfristig lösen kann. Die Wahl des Partners sollte deshalb nicht nur nach dem Stundensatz erfolgen, sondern nach der technischen Reife der Warenwirtschafts-Anbindung.

„Der Wettbewerb im E-Commerce entscheidet sich zunehmend in der letzten Meile – und im Lager davor.“

Hunkemöllers Schritt liefert eine Blaupause für Händler mit ähnlichem Warengruppenprofil. Wer saisonale Schwankungen und hohe Retourenquoten hat, sollte prüfen, ob ein externer Logistik-Partner schneller skaliert als die eigene Infrastruktur. Die Entscheidung zwischen Eigenbetrieb und Kontraktlogistik hängt dabei weniger vom Bruttoumsatz ab als von der Komplexität der Omnichannel-Prozesse. Händler, die jetzt investieren, sichern sich Kapazitäten – bevor die nächste Peak Season die Lagerkapazitäten erneut strapaziert.