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Living Wage: Nur 4 von 110 Mode-Marken offenbaren Löhne ihrer Textiarbeiter

Living Wage: Nur 4 von 110 Mode-Marken offenbaren Löhne ihrer Textiarbeiter

Nur vier von 110 Mode-Marken machen öffentlich, wie viel ihre Textilarbeiter verdienen. Adidas, Chanel und Zara zählen zu den 106 Unternehmen ohne solche Angaben. Das ist das zentrale Ergebnis eines neuen Reports der Clean Clothes Campaign, einer internationalen Kampagne für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie.

Die vier Offenleger haben im Report keine Namen erhalten, ihre Zahl reicht aber, um die Dimension zu zeigen. Für Shop-Betreiber, die mit Bekleidung handeln, ist das mehr als eine PR-Frage. Lieferketten werden zunehmend Teil der eigenen Markenkommunikation, und die Lohnrealität in den Fabriken wirkt in die Wahrnehmung der Marke hinein.

Was der Report konkret misst

Die Bewertung prüft die Veröffentlichung von Lohndaten auf Fabrikebene. Darunter fallen Stundenlöhne, Tarifverträge und der Anteil von Beschäftigten, die nachweislich mindestens einen existenzsicheren Lohn erhalten. Ein Living Wage liegt nach gängiger Definition über dem gesetzlichen Mindestlohn und deckt die Lebenshaltungskosten einer Familie. Viele Unternehmen kommunizieren Nachhaltigkeit über CO2-Bilanz oder Materialien, Lohnoffenlegung bleibt die Ausnahme.

Die Bewertung unterscheidet zwischen bloßer Erklärung und echter Transparenz. Ein Ziel, verabschiedet und nicht erreicht, zählt nicht als Offenlegung. Das macht den Bericht für Händler interessant, die zwischen nachhaltigkeitsbewussten Anbietern und jenen mit reiner Imagepflege unterscheiden müssen.

Kernsatz: Wer Löhne in der Lieferkette nicht offenlegt, kann sie auch nicht nachweislich sicherstellen.

Warum Händler das jetzt auf dem Schirm haben sollten

Der Druck wandert von der Konzernebene in den Handel. Konsumentinnen und Konsumenten fragen vermehrt nach Herkunft, und Regulierung wie die deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz-Diskussion oder die EU Supply Chain Directive greifen genau diesen Punkt. Für Händler heißt das: Nachhaltigkeitsversprechen im Shop werden früher oder später hinterfragt.

Konkret bedeutet es, bei der Auswahl von Lieferanten und Marken nach Lohnstandards zu fragen. Ein Händler, der unbekannte Brands vertreibt, sollte prüfen, ob diese Lohnzertifikate oder Mitgliedschaften vorweisen können. Das ist kein Idealismus, sondern Risikomanagement, denn Reputation springt von der Lieferkette auf den Shopbetreiber über.

Der englische Befund im deutschen Kontext

Der Report ist international angelegt, betrifft aber deutsche Händler unmittelbar. Adidas und zahlreiche andere der bewerteten Marken sind in deutschen Shops vertreten, und deren Lieferketten liefern auch private Labels und Lizenzpartner. Wer Mode verkauft, sitzt in der Kette, ob er es will oder nicht.

Ein praktischer Ansatz ist die Abfrage von Standard-Zertifikaten wie Fair Wear Foundation oder die Mitgliedschaft in der Sustainable Apparel Coalition. Diese beweist noch keinen Living Wage, liefert aber eine Prüfbare Basis für die Sortimentsentscheidung. Der Report liefert mit der Offenlegungsliste ein Vergleichsinstrument, das Händler in Verhandlungen nutzen können.

Transparenz über Löhne ist kein Nischenthema mehr, sondern ein Wettbewerbsfaktor in der Bekleidungsbranche.

Die Bilanz fällt klar aus. Die große Mehrheit der großen Marken hält Lohninformationen intern. Für Shop-Betreiber ab einer Million Euro Jahresumsatz ist die Konsequenz pragmatisch: Lieferanten und Marken nachweislich nach Lohnstandards auswählen, bevor Kunden oder Regulierer diese Frage zuerst stellen. Der Report liefert die Fakten dafür.