Magento ist im deutschen E-Commerce nach wie vor der Platzhirsch im Mittelstand – besonders dort, wo komplexe B2B-Preismodelle, individuelle Kundenklassen und Multishop-Strukturen gefragt sind. Doch genau jene Stärke wird zunehmend zum Kostenfaktor: Aktuelle TCO-Betrachtungen für B2B-Szenarien zeigen, dass Adobe Commerce für viele Unternehmen teurer ausfällt als BigCommerce. Der Grund liegt nicht allein im Softwarepreis.
Was treibt die Magento-Kosten nach oben?
Die Lizenzkosten für Adobe Commerce liegen je nach Jahresumsatz zwischen rund 22.000 und 80.000 US-Dollar pro Jahr. Darauf kommen Hosting-Infrastruktur, Wartung, Sicherheitspatches und Entwicklerkapazitäten. B2B-Händler, die auf Unternehmensfunktionen wie gestaffelte Preise, Anfrage-Workflows oder Quote-to-Order-Prozesse angewiesen sind, benötigen zudem oft kostenpflichtige Extensions und maßgeschneiderte Entwicklungen.
BigCommerce dagegen setzt auf ein SaaS-Modell. Hosting, Sicherheitsupdates und Teile des Core-Updates fallen in die monatliche Gebühr. Für B2B-Kunden hält die Plattform inzwischen Features wie Firmenkonten, individuelle Preislisten und Einkaufslisten bereit – ohne dass der Shopbetreiber jeden Release-Zyklus selbst managen muss. Wer Magento seit zehn Jahren betreibt, kennt den Unterschied: Ein Major-Update kann Monate dauern und sechsstellig kosten.
Sollten Händler jetzt von Magento zu BigCommerce wechseln?
Die Antwort lautet: nicht pauschal, aber berechnen. Magento bietet nach wie vor eine Tiefe an Individualisierung, die BigCommerce nicht erreicht. Wer komplexe ERP-Anbindungen, eigene PIM-Systeme oder international unterschiedliche Steuer- und Zahlungslogiken betreibt, wird an Adobe Commerce oft nicht vorbeikommen. Die Migration wäre hier riskanter und teurer als die laufenden Kosten.
Für Händler mit standardisierteren B2B-Prozessen sieht die Rechnung anders aus. Wenn ein Großteil des Budgets in Sicherheitsupdates, Hosting-Optimierung und Extension-Kompatibilität nach Adobe-Release-Zyklen verschwindet, kann ein SaaS-Ansatz den Cashflow entlasten. Besonders Teams ohne dedizierte Magento-Entwickler ziehen in der Praxis häufiger in Erwägung, die Plattform zu wechseln.
Was bedeutet das für Shopbetreiber?
Für Entscheider ist der Moment, die Gesamtkostenstruktur sauber zu dokumentieren. Nicht der Listenpreis der Lizenz ist entscheidend, sondern die Summe aus Hosting, Entwicklung, Support, Downtime-Risiken und Opportunitätskosten durch verzögerte Releases. Wer diese Positionen jahresweise gegenrechnet, erkennt schnell, ob Magento im eigenen Fall noch wirtschaftlich ist.
Eine wachsende Zahl mittelständischer B2B-Händler prüft daher hybride oder schrittweise Strategien: Neukundenplattformen oder Tochtermarken werden auf SaaS-Basis wie BigCommerce aufgesetzt, während das Legacy-System weiterläuft. Tools wie LitExtension oder Cart2Cart reduzieren dabei zumindest den Migrationsaufwand für Produktdaten und Kundenstämme.
Die Debatte um TCO ist kein rein technisches Thema. Sie ist eine strategische Frage: Wieviel Kontrolle braucht das Unternehmen wirklich über seinen Stack – und wann wird diese Kontrolle zu teuer?
