31,4 Prozent aller Transaktionen laufen in der Schweiz übers Smartphone – und trotzdem ist das die bemerkenswerteste Zahl des aktuellen Swiss Payment Monitor. Zum ersten Mal seit Studienbeginn 2018 wächst mobiles Bezahlen nicht mehr. Die halbjährliche Erhebung der Universität St. Gallen und der ZHAW, basierend auf 1.616 Befragten und einem Zahlungstagebuch von 1.173 Teilnehmenden, markiert das Ende eines linearen Wachstumskurses, der zehn Jahre lang als Naturgesetz galt.
Die Überraschung liefert die klassische Kreditkarte. Ihr Anteil an den Transaktionen kletterte um 3,4 Prozentpunkte auf 17,2 Prozent, beim Umsatz führt sie mit 35,4 Prozent erstmals das gesamte Feld an – ein Plus von 7,8 Prozentpunkten. Allerdings schränken die Studienverantwortlichen selbst ein: Die Teilnehmenden wurden im Rahmen der Befragung gezielt über Sicherheitsmechanismen von Kreditkarten informiert, was das Vertrauen künstlich erhöht haben dürfte. Wer diese Zahl als Trendwende verkauft, übertreibt.
Was bedeutet die Stagnation für den Checkout-Mix?
Für Online-Händler bleibt die zentrale Botschaft unverändert klar: Im Distanzgeschäft dominiert mobiles Bezahlen mit 74,4 Prozent der Transaktionen und verdrängt weiter den Kauf auf Rechnung. Wer im Checkout auf Wallets setzt, liegt also richtig. Bewegung gibt es allerdings in der Technik dahinter: Erstmals laufen mehr Transaktionen über NFC (36,1 Prozent) als per QR-Code (27,9 Prozent). Apple Pay legt unter den mobilen Anbietern deutlich zu, während Marktführer Twint mit 62,7 Prozent der mobilen Transaktionen zwar unangefochten bleibt, aber Druck bekommt.
Die Schweiz gilt seit Jahren als Frühindikator für den DACH-Markt. Was dort an der Kasse passiert, erreicht Deutschland und Österreich meist mit ein bis zwei Jahren Verzögerung. Konkret heißt das für Shopbetreiber: Express-Checkout-Buttons für Apple Pay und Google Pay gehören an prominente Stelle, QR-basierte Verfahren verlieren technisch an Bedeutung, und die Debitkarte darf im Payment-Mix nicht als abgeschrieben gelten – im Schweizer Präsenzgeschäft ist sie mit 27,1 Prozent wieder die Nummer eins, noch vor Bargeld (26,5 Prozent).
Warum fehlendes Sicherheitswissen Umsatz kostet
Das vertiefende Kapitel der Studie dürfte Conversion-Verantwortliche interessieren. Bei hohen Beträgen und unbekannten Onlinehändlern entscheidet Sicherheit über die Zahlungsmethode – bei vertrauten Shops und kleinen Summen gewinnt die Bequemlichkeit. Soweit erwartbar. Bemerkenswert ist die Wissenslücke dahinter: Tokenisierung, der technische Kern von Apple Pay und Google Pay, kennen nur 28,5 Prozent der Verbraucher. Chargeback-Rechte bei Kreditkarten sind 43,5 Prozent bekannt.
Bessere Kommunikation der Sicherheitsvorteile könnte Vertrauen und Nutzung bestimmter Zahlungsmittel fördern – so der Befund der Studienautoren.
Das ist eine Einladung. Kein Verbraucher muss wissen, wie ein Netzwerk-Token funktioniert – aber er sollte spüren, dass die Wallet-Zahlung im fremden Shop sicherer ist als die manuelle Karteneingabe. Trust-Badges allein leisten das nicht; ein Satz zur Käuferschutz-Regelung direkt am Payment-Step schon eher.
Bargeld schwindet weiter, Neobanken ziehen an
Am Rand notiert: Die Schweizer tragen im Schnitt nur noch 82 Franken bei sich, 17 Prozent verzichten komplett auf Bargeld – Rekordwert. Gleichzeitig erreicht die Nutzung von Neobanken mit 42,9 Prozent einen Höchststand, Revolut führt mit 18,9 Prozent deutlich vor Yuh (12,6 Prozent) und Neon (10,6 Prozent). Entscheidend für die Beliebtheit sind dabei nicht die beworbenen Wechselkurse, sondern einfache Bedienung, Reisetauglichkeit und schnelle Überweisungen.
Der Handlungsimpuls für Shopbetreiber fällt nüchtern aus: Mobile Payment bleibt die Basis, aber der Selbstläufer ist vorbei. Prüfen Sie Ihren Payment-Mix quartalsweise statt jährlich, positionieren Sie Wallet-Express-Checkout prominent und nehmen Sie die Kreditkarte nicht aus dem Fokus – sie ist im Umsatzanteil gerade die stärkste Methode im Feld. Wer jetzt nur auf die Stagnationsschlagzeile reagiert, verpasst die eigentliche Bewegung darunter.
