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Next-Day Delivery: Wie Target mit Shipt gegen Amazon liefert

Next-Day Delivery: Wie Target mit Shipt gegen Amazon liefert

Target treibt den Ausbau seiner Next-Day Delivery massiv voran. Der zweitgrößte US-Discounter nutzt dafür konsequent Shipt, den Same-Day-Dienst, den er bereits 2017 für rund 550 Millionen Dollar übernommen hat. Statt auf externe Logistiker zu setzen, steuert der Händler die letzte Meile zunehmend über eigene Kanäle – ein Schritt, der im deutschen Markt bislang kaum ein Gegenstück hat.

Shipt bedient nicht mehr nur Endkunden direkt, sondern fungiert als technologisches Rückgrat für Targets gesamte Fulfillment-Architektur. Das Unternehmen bindet seine Läden als Mini-Depots ein und schickt eigene Shopper durch die Gänge, um Bestellungen innerhalb von Stunden zusammenzustellen. Die Pakete landen dann beim Kunden noch am nächsten Tag – ohne Dritt-Anbieter wie FedEx oder UPS in der primären Verantwortung.

Warum Target auf eigene Kanäle statt auf Drittlogistiker setzt

Amazon hat mit seinem Logistics-Netzwerk den Maßstab gesetzt. Wer in den USA nicht binnen 24 Stunden liefert, verliert Kunden an den Marktplatz-Riesen. Target reagiert darauf nicht mit einem offenen Marktplatz, sondern mit vertikaler Integration. Der Händler kontrolliert den Bestand, die Kommissionierung und die Auslieferung über dasselbe System. Das senkt im Regelfall die Kosten pro Paket und verringert die Abhängigkeit von Paketdiensten, deren Preise seit der Pandemie deutlich gestiegen sind.

Für deutsche Beobachter ist das bemerkenswert. Hierzulande setzen selbst große Player wie Zalando oder Otto auf ein Mix aus eigenen Depots und klassischen Paketdiensten. Der Gedanke, Supermärkte und Warenhäuser als dezentrale Lager zu nutzen, hat bei REWE oder Edeka zwar Einzug gehalten, bleibt aber auf Lebensmittel und Metropolregionen beschränkt. Target zeigt, dass sich das Modell skalieren lässt – über Kategorien wie Mode, Elektronik und Haushalt hinaus.

Was bedeutet das für deutsche E-Commerce-Manager?

Die Botschaft für den deutschen Markt ist eindeutig: Wer nicht innerhalb von 24 Stunden liefern kann, verliert an Relevanz. 23 Prozent der Online-Käufer in Deutschland haben laut aktuellen Umfragen bereits Same-Day oder Next-Day in Anspruch genommen. Der Anteil wächst, auch wenn das Tempo nicht mit den USA mithält. Wer hierzulande bei Amazon bestellt, nimmt die Lieferung am nächsten Tag oft als selbstverständlich wahr. Händler außerhalb des Ökosystems müssen folglich ihre Fulfillment-Partner unter die Lupe nehmen.

Kernsatz: Kontrolle über die letzte Meile wird zur Wettbewerbsvoraussetzung – nicht zum Marketing-Gag.

Target beweist, dass Investitionen in eigene Infrastruktur langfristig die Margen schützen. Der Händler kann Lieferfenster präziser steuern und Retourenprozesse enger an den Store binden. Deutsche Player mit stationärem Netz sollten prüfen, ob ihre Filialen als Versandknoten taugen – statt nur als Schaufenster.

Lohnt sich eine eigene Lieferinfrastruktur auch für Mittelständler?

Eher selten. Der Aufbau eines Shipt-ähnlichen Netzwerks verschlingt Milliarden. Für Shop-Betreiber mit einem Umsatz zwischen einer und fünfzig Millionen Euro empfiehlt sich der Blick auf spezialisierte Fulfillment-Partner wie Liefergrün, Seven Senders oder lokale Mikro-Depot-Betreiber. Diese ermöglichen teils ebenfalls Next-Day-Lieferungen, ohne dass der Händler eigene Flotten managen muss.

Die Richtung ist dennoch klar. Die letzte Meile wird differenzierter. Kunden in Ballungsräumen erwarten Geschwindigkeit, ländliche Regionen priorisieren nach wie vor Zuverlässigkeit und niedrige Versandkosten. Wer beides bedienen will, braucht eine Logistikstrategie, die über den Standard-3PL-Vertrag hinausgeht. Targets Schritt ist kein isoliertes US-Phänomen, sondern ein Indikator für den globalen Wettlauf um das schnellste Fulfillment.

Deutsche Händler sollten jetzt prüfen, ob ihre bestehenden Logistikverträge überhaupt Next-Day-Zustritte in deutsche Großstädte ermöglichen. Wer hier erst in zwei Jahren nachrüstet, spielt den Kurieren und Aggregatoren den Vorsprung kampflos zu.