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Online-Umsatz 2026: HDE erwartet Plus von 4,3 Prozent. Stationär nur 1,6

Online-Umsatz 2026: HDE erwartet Plus von 4,3 Prozent. Stationär nur 1,6

Nominal 4,3 Prozent Umsatzplus für den Onlinehandel in 2026, diese Prognose legt der Handelsverband Deutschland (HDE) in seinem aktuellen Online-Monitor vor. Der stationäre Handel soll im gleichen Zeitraum nur um 1,6 Prozent zulegen. Für Shopbetreiber ist das mehr als eine Statistik-Meldung: Der Abstand zwischen beiden Kanälen vergrößert sich weiter, und die Verbraucherausgaben für Konsumgüter verteilen sich inzwischen nahezu hälftig auf online und stationär.

„Der Onlinehandel kann sich ein Stück weit von der schlechten Umsatzentwicklung im Einzelhandel abkoppeln.“

Die Einschätzung stammt von Stephan Tromp, stellvertretender HDE-Hauptgeschäftsführer. Die Zahl untermauert ein strukturelles Bild: 2025 wurden in Deutschland online gut 92 Milliarden Euro mit Neuwaren umgesetzt, knapp vier Prozent mehr als im Vorjahr, prozentual deutlich stärker als im stationären Geschäft.

Wer kauft online, und warum wächst der Markt trotz Konsumflaute?

Die Antwort liefert eine demografische Verschiebung, die viele Shops in ihrem Adress-Targeting noch unterschätzen. Bei den über 55-Jährigen stieg die Zahl der Onlineshopper 2025 um 3,1 Prozent, überdurchschnittlich stark. Die ältere Käuferschicht, lange als digitale Nachzüglerin abgehakt, trägt das Wachstum inzwischen spürbar mit. Wer seinen Shop auf große Schrift, klare Navigation und bewährte Zahlarten wie Kauf auf Rechnung trimmt, adressiert genau diese Gruppe.

Sortimentsseitig treibt eine Kategorie das Plus, die online lange als Ladenhüter galt: Produkte des täglichen Bedarfs. Lebensmittel und Drogeriewaren legten um 10,4 Prozent zu, befeuert von Lieferdiensten und wachsender Bestellgewohnheit. Das bleibt nicht ohne Folge für die Wettbewerbssituation klassischer Händler, wer Non-Food verkauft, konkurriert zunehmend um dieselbe Kundenzeit, die jetzt in Wochenbestellungen bei Flink, Picnic oder Rewe Online fließt.

Kernsatz: Bei Bekleidung und Schuhen kaufen laut Appinio-Erhebung bereits 65 Prozent der Verbraucher überwiegend online, bei Elektronik 58 Prozent, bei Haushaltsgeräten 54 Prozent, der Onlinekanal ist in diesen Segmenten nicht Ergänzung, sondern Standard.

Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen Befragung von 1.000 Personen zwischen 15 und 65 Jahren, die das Institut Appinio im April durchführte. Die Hälfte der Befragten gab an, häufiger online einzukaufen als im Vorjahr, nahezu alle übrigen mindestens genauso oft. Rückbau der Online-Nutzung: Fehlanzeige.

Warum KI im Shopping-Alltag an einer unsichtbaren Grenze scheitert

Ein zweiter Befund des Online-Monitors dürfte Shopbetreiber interessieren, die gerade über KI-Features im Frontend nachdenken. 60 Prozent der Verbraucher wünschen sich KI-Unterstützung beim Preisvergleich, ein klares Signal, dass Preisoptimierung und Vergleichsfunktionen Zukunft haben. Ebenso viele lehnen jedoch autonome Käufe ab, bei Alltagsprodukten wie Waschmittel will jeder Zweite jede Entscheidung selbst treffen.

Konkret heißt das: Agentic Commerce, bei dem ein Assistent eigenständig bestellt, stößt bei deutschen Käufern aktuell auf geschlossene Türen. Was funktioniert, ist die Assistenzrolle, vergleichen, empfehlen, Preise beobachten. Shopsysteme wie Shopware und Shopify rollen entsprechende KI-Funktionen bereits aus; wer sie einsetzt, sollte die Kaufentscheidung sichtbar beim Kunden belassen, statt sie zu automatisieren. Transparenz über den Zeitpunkt und den Grund einer Buchung ist keine Kür, sondern Vertrauensvoraussetzung.

Was Shopbetreiber jetzt prüfen sollten

  • Sortimentsstrategie: Prüfen, ob Convenience-Artikel oder Wiederbestell-Logik (Abos, Sparlisten) die Frequenz erhöhen, der tägliche Bedarf zeigt, wie Gewohnheit entsteht.
  • Zielgruppe 55+: Checkout und Kommunikation auf die am schnellsten wachsende Shopper-Gruppe ausrichten, inklusive Rechnungskauf und Telefon-Support.
  • KI-Roadmap: Assistenz-Features wie Preisvergleich priorisieren, autonome Bestellungen hintanstellen.

Ob das prognostizierte Plus von 4,3 Prozent am Jahresende hält, hängt auch an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Richtung ist indes eindeutig: Wer 2026 auf stationäres Wachstum wartet, wacht auf dem falschen Kanal auf.