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Pay-on-Shopfloor: MediaMarkt schafft die klassische Kasse ab. Der Handlungsimpuls für Händler

Pay-on-Shopfloor: MediaMarkt schafft die klassische Kasse ab. Der Handlungsimpuls für Händler

Die Schlange an der Kasse ist das letzte Relikt einer Einkaufswelt, die Kunden längst online hinter sich gelassen haben. MediaMarkt will sie jetzt abschaffen: Der Elektronikhändler bereitet nach Informationen von CHIP den Start von Pay-on-Shopfloor vor. Statt am Ende des Einkaufs zur Kassenzone zu schleusen, bezahlen Kunden direkt dort, wo sie sich beraten lassen haben, auf der Verkaufsfläche.

Was ist Pay-on-Shopfloor? MediaMarkt rückt den Bezahlpunkt zum Kunden

Pay-on-Shopfloor bedeutet: Der Verkaufsmitarbeiter ist die Kasse. Bezahlt wird am Beratungsort, per mobilem Terminal oder direkt auf dem Gerät des Mitarbeiters. Das Kassenhäuschen als zentraler Endpunkt des Einkaufs entfällt, oder verliert zumindest seine Monopolstellung.

Für MediaMarkt ist das ein logischer Schritt. Die Muttergesellschaft MediaMarktSaturn investiert seit Jahren in die Verzahnung von Filiale und Onlineshop, von Same-Day-Delivery bis Click & Collect. Der feste Kassenplatz passt immer schlechter zu diesem Bild: Er erzeugt Wartezeit, kostet Ladenfläche und unterbricht ein Beratungsgespräch genau in dem Moment, in dem der Kunde kaufbereit ist. Dass ausgerechnet ein Elektronik-Riese diesen Bruch wagt, hat Vorbildcharakter, Apple zeigt in seinen Stores seit Jahren, dass Handel ohne sichtbare Kasse funktioniert.

Kernsatz: Wer die Kasse abschafft, eliminiert den letzten Reibungspunkt des stationären Einkaufs, genau wie ein optimierter Online-Checkout den letzten Reibungspunkt des digitalen.

Warum betrifft das auch Online-Händler?

Weil Checkout-Logik kanalübergreifend gedacht werden muss. Die Erwartungshaltung, die Kunden online gelernt haben, ein Klick, bezahlt, fertig, tragen sie zunehmend in die Filiale. Und umgekehrt: Wer als Händler beide Kanäle betreibt, steht vor der Frage, ob sein Payment-Setup diese Erwartung überhaupt bedienen kann.

Technisch ist die Hürde inzwischen niedrig. SoftPOS-Lösungen verwandeln handelsübliche Smartphones in kartenzahlfähige Terminals, ganz ohne zusätzliche Hardware. Anbieter aus dem Umfeld von Nexi, PayPal und verschiedener Fintechs treiben diesen Markt in Deutschland seit 2023 spürbar voran. Für kleinere Händler mit Filiale bedeutet das: Das MediaMarkt-Konzept ist keine Millioneninvestition, sondern im Kern eine Payment-Integration plus geschultes Personal.

Im Online-Bereich existiert das Pendant längst: One-Click-Checkout, Express-Buttons mit PayPal, Apple Pay oder Klarna im Warenkorb statt erst auf der Kassenseite. Wer hier noch eine vierseitige Kaufabwicklung betreibt, verliert Kunden, die solche Beschleunigungen mittlerweile als Standard wahrnehmen, im Web wie an der Ladentheke.

Der Blick auf die Schwachstellen

Ganz ohne Risiko kommt der Schritt nicht aus. Kassenlose Prozesse verlagern die Fehleranfälligkeit: Geht ein mobiles Terminal ausfällt, steht der Verkäufer mitten im Beratungsgespräch ohne Bezahlmöglichkeit da. Auch die Bon-Pflicht, Retouren-Logik und die Frage, wie Barzahler bedient werden, müssen Händler sauber lösen. MediaMarkt wird die klassische Kasse voraussichtlich nicht komplett streichen, sondern als Ausweichoption behalten, ein hybrides Modell, das sich auch für mittelgroße Händler als Einstieg empfiehlt.

Rechtlich bleibt Deutschland dabei ein anspruchsvoller Markt: Kassensicherungsverordnung, TSE-Pflicht und Belegausgabepflicht gelten für mobile Terminals genauso wie für feste Kassen. Wer nachzieht, braucht zertifizierte Hardware beziehungsweise eine compliant Software, kein Feld für Bastellösungen.

MediaMarkt macht vor, wohin die Reise geht: Der Bezahlvorgang wird unsichtbar, egal ob im Web oder auf der Fläche. Händler mit stationärem Arm sollten jetzt prüfen, ob ihre Payment-Infrastruktur SoftPOS-fähig ist und ob ihre Mitarbeiter den Beratungs- und den Kassenmoment in einer Hand tragen können. Der reine Online-Händler nimmt aus dieser Nachricht eine andere Hausaufgabe mit: Jeder Schritt zwischen Warenkorb und Kaufabschluss, den ein Wettbewerber streicht, ist einer zu viel im eigenen Shop.