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PayPal im European Payments Council: Was der EPC-Sitz für Händler bedeutet

PayPal im European Payments Council: Was der EPC-Sitz für Händler bedeutet

PayPal hat am Donnerstag, dem 2. Juli, bekannt gegeben, dem European Payments Council (EPC) beigetreten zu sein. Damit sitzt der US-Zahlungsriese künftig am Tisch, an dem die Spielregeln für europäische Zahlungsabläufe geschrieben werden. Für Shopbetreiber, die PayPal als Zahlungsmethode nutzen, ist das keine rein symbolische Personalie: Der EPC verwaltet die Standards hinter SEPA-Überweisungen, Lastschrift und den Aufbau von Instant Payments.

Was macht der European Payments Council?

Der EPC ist kein Regulierer im klassischen Sinne, sondern ein Zusammenschluss von Banken, Zahlungsdienstleistern und Infrastrukturanbietern. Er entwickelt und pflegt die Regelwerke für Zahlungssysteme im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum. Dazu gehören SEPA Credit Transfer, SEPA Direct Debit und seit jüngerer Zeit auch SEPA Instant Credit Transfer (SCT Inst). Wer hier mitbestimmt, prägt also, wie Zahlungen in Europa technisch abgewickelt, validiert und abgerechnet werden.

Bislang fehlte PayPal in diesem Gremium. Das Unternehmen war zwar über nationale Verbände und bilaterale Gespräche eingebunden, besaß aber kein formelles Stimmrecht bei der Standardsetzung. Der EPC-Sitz ändert das. Er verschiebt PayPal von der Rolle des Adressaten hin zur Rolle des Mitgestalters.

Warum drängt PayPal an den Standardsetzer?

PayPal verarbeitet in Europa jährlich Transaktionen im Milliardenwert. Gleichzeitig steht der Konzern unter zwei Entwicklungsdrücken: Zum einen konkurrieren lokale Instant-Payment-Systeme wie iDEAL, Bancontact oder die deutsche giropay-Nachfolge zunehmend mit klassischen Wallet-Lösungen. Zum anderen macht die EU-Regulierung den Markt für kontobasierte Zahlungen attraktiver. Instant Payments sollen ab Oktober 2025 flächendeckend verfügbar und preislich wettbewerbsfähig werden.

Mit dem EPC-Sitz kann PayPal früh erkennen, wie sich technische Schnittstellen, Preismodelle und Sicherheitsanforderungen entwickeln. Das ist strategisch wertvoll, wenn das Unternehmen sein Produktportfolio an Konto-zu-Konto-Überweisungen ausbauen will. Schon heute bietet PayPal neben dem klassischen Wallet eigene Bankfunktionen und Debitkarten an; der EPC-Zugang passt in diese breitere Finanzdienstleistungsstrategie.

Kernsatz: PayPal verlässt die Rolle des Zuschauers bei europäischen Zahlungsstandards und wird zu einem ihrer Co-Autoren.

Was bedeutet das für Online-Händler?

Der direkte Effekt im Checkout bleibt vorerst überschaubar. PayPal als Zahlungsmethode ändert sich nicht über Nacht. Langfristig könnte der EPC-Sitz aber dazu führen, dass PayPal-Transaktionen enger an SEPA-Standards angebunden werden – etwa bei der Verarbeitung von Rückbuchungen, der Geschwindigkeit von Auszahlungen oder der Anbindung neuer kontobasierter Produkte.

Für Händler bringt das Chancen und Risiken. Chancen entstehen, wenn PayPal durch die Standardnähe günstigere Interchange-ähnliche Kostenstrukturen oder schnellere Settlement-Zeiten ermöglicht. Risiken liegen in einer möglichen Standardisierung von Preisen und Prozessen, die kleinere Payment-Anbieter stärker unter Druck setzt und die Verhandlungsmacht der Plattformen weiter wachsen lässt. Händler sollten deshalb nicht nur auf die Marke „PayPal“ achten, sondern auf die dahinterliegenden Konditionen.

Ein konkreter Handlungsimpuls: Prüfen Sie in Ihrem Shopsystem, ob PayPal als Wallet und als kontobasierte Zahlungsoption separat ausgewiesen ist. In Shopware, WooCommerce und Shopify lassen sich mittlerweile unterschiedliche PayPal-Produkte gezielt aktivieren oder deaktivieren. Wer hier die Konfiguration regelmäßig überprüft, vermeidet, dass Kunden mit einem für sie teuren oder langsamen Zahlungsweg abschließen.

Langfristig dürfte der EPC-Eintritt PayPal helfen, in Europa weniger als US-Anbieter und mehr als lokaler Zahlungsinfrastrukturpartner wahrgenommen zu werden. Ob das den Wettbewerb belebt oder eine weitere Dominanz verstärkt, hängt davon ab, wie offen der EPC seine Standards weiterentwickelt – und wie kritisch Händler die Konditionen weiterhin hinterfragen.