Kristi Argyilan baute Albertsons Media Collective von Grund auf. Vier Jahre lang führte sie das Retail-Media-Netzwerk des Lebensmittelkonzerns, machte es zu einem der fortschrittlichsten der Branche. Dann wechselte sie zu Uber, als Global Head of Advertising. Ihr interimistischer Nachfolger Omer Gajial verließ das Unternehmen bereits im Mai 2025. Im Juli kam Brian Monahan von Dentsu, um das Netzwerk neu aufzustellen.
Dieses Muster wiederholt sich in der US-Retail-Media-Branche. Kroger verlor 2025 nicht nur CEO Rodney McMullen nach einer Ethik-Untersuchung, sondern auch mehrere Top-Manager. Walmart übergab die Leitung von Doug McMillon an John Furner. Best Buy berief Lisa Valentino als Chief Ads and Media Officer. Die Fluktuation ist kein Zufall, sondern strukturell bedingt, und sie betrifft nicht nur die C-Ebene, sondern die gesamte Führungspyramide.
Warum ist Retail Media so fluktuationsanfällig?
Eine Studie von Russell Reynolds Associates untersuchte 50 Führungskräfte in Retail-Media-Netzwerken weltweit. Das Ergebnis: Im Durchschnitt bringen sie gerade einmal 3,3 Jahre Erfahrung in diesem Bereich mit. 54 Prozent kamen aus dem eigenen Unternehmen, 46 Prozent von außen. Nur 38 Prozent stammen aus klassischen Medienhäusern, 32 Prozent aus Agenturen.
Die Nachfrage nach sogenannten „Hybrid-Leaders“ übersteigt das Angebot deutlich. Blaine Nielsen, Präsident bei Rithum, beschreibt das Problem: Händler haben neue Geschäftsfelder aufgebaut, Marktplätze, Retail Media, Mitgliedschaftsmodelle, Datenplattformen, auf einem Organigramm, das traditionell für den Handel mit eigener Ware im konventionellen Laden konzipiert war.
Modern Retail berichtet, dass 64 Prozent der CEO-Wechsel im Einzelhandel 2025 ungeplant waren, Absetzungen, vorzeitige Pensionierungen, interne Rollenwechsel. Nur 29 Prozent entfielen auf geplante Nachfolgeregelungen. Die Branche befindet sich in einem Umbruch, der Kompetenzen erfordert, die es so noch nie gab.
Was bedeutet das für deutsche Händler?
Retail Media ist in Deutschland noch jung. Netzwerke wie die von Otto, Zalando oder Rewe wachsen, aber die Führungssituation ist instabil. Wer ein Retail-Media-Netzwerk aufbaut, sollte drei Lehren aus den USA ziehen, bevor die erste Führungskraft das Unternehmen verlässt.
Die Rolle muss eigenständig sein. In den erfolgreichsten Netzwerken sitzt der Retail-Media-Chef im Vorstand, nicht unterhalb von CMO oder CCO. Albertsons hat das mit Jennifer Saenz als erster Chief Commercial Officer nachgezogen.
Externe Rekrutierung allein reicht nicht. Die besten Führungskräfte kombinieren kaufmännisches Verhandlungsgeschick, P&L-Disziplin und Marketing-Sprache. Diese Kombination findet man selten, und wenn, dann nicht lange auf dem Markt.
Führungswechsel sind normal. Grocery TV, eine In-Store-Media-Plattform, wuchs 2025 um 33 Prozent auf über 6.500 Filialen, und stellte trotzdem drei neue Führungskräfte ein. Wachstum und Personalwechsel schließen sich nicht aus. Bei Albertsons dauerte es sieben Monate, bis Brian Monahan als neuer SVP Retail Media eintraf, eine Zeit, in der das Netzwerk ohne feste Führung lief.
Die US-Branche zeigt: Wer Retail Media ernst nimmt, muss mit Führungswechseln rechnen. Die Frage ist nicht, ob jemand geht, sondern ob das Netzwerk dann weiterläuft.
