Warum streicht Tata Digital über die Hälfte der E-Commerce-Stellen?
Mehr als jeder zweite Mitarbeiter muss gehen. Tata Digital streicht über 50 Prozent der Stellen im E-Commerce-Bereich. Der indische Mischkonzern fährt unter seinem neuen CEO Sajith Sivanandan einen harten Sanierungskurs. Das Unternehmen verabschiedet sich endgültig von einem Wachstumsmodell, das ausschließlich auf den Bruttowarenwert fixiert war, und schwenkt nun strikt auf Profitabilität um. Das ist der dritte Strategiewechsel seit der Gründung. Die Entscheidung offenbart tief sitzende Unruhe. Der Vorgänger von Sivanandan hinterließ einen digitalen Konzernbereich, der nach mehreren Führungswechseln vor allem eines sucht: Stabilität.
Der massive Stellenabbau soll die Betriebsabläufe straffen. Die Effizienz muss spürbar steigen. Tata Digital will enger mit dem restlichen Tata-Imperium verwoben sein und nicht länger als isolierter E-Commerce-Player agieren. Das neue Ziel lautet: Tata Digital wird zum digitalen Nervenzentrum für alle Tata-Marken.
Wie rückt Tata Neu ins Zentrum des Tata-Imperiums?
Tata Digital zentralisiert die digitalen Marketingstrategien für den gesamten Konzern. Gleichzeitig intensiviert das Unternehmen die Zusammenarbeit mit Töchtern wie Titan, IHCL und Tata Motors. Dahinter steckt ein klares Ziel. Die Super-App Tata Neu soll zur bevorzugten Digitalplattform innerhalb des Tata-Universums aufsteigen. Sie muss die Customer Journey über alle Marken hinweg optimieren. Das gelingt nur, wenn Daten, Budgets und Kampagnen nicht in Silos verharren, sondern konzernweit gebündelt werden.
Die Optimierung der Marketingausgaben ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass der Konzern die Marke Tata stärker monetarisiert und langfristig Synergien hebelt, die nachhaltiges Wachstum ermöglichen. Sivanandan muss beweisen, dass Tata Neu mehr ist als ein kostspieliges Experiment. Die App muss operative Ziele erreichen und die finanziellen Verluste minimieren.
Welche Rolle spielt BigBasket im Quick-Commerce-Wettbewerb gegen Blinkit und Zepto?
Der indische Quick-Commerce-Markt wird von Blinkit und Zepto dominiert. Tata Digital konzentriert sich deshalb auf die Stärkung eigener Angebote und die bessere Nutzung vorhandener Ressourcen. BigBasket fungiert dabei als wichtigster Akteur im Portfolio. Der Lebensmittellieferant baut seine BB Now-Linie gezielt aus. Er will im Kampf um die letzte Meile konkurrenzfähig bleiben. Ohne diesen Hebel droht Tata Digital im hart umkämpften Markt für schnelle Lieferungen die Bedeutungslosigkeit.
Die Herausforderung liegt auf der Hand. BigBasket muss mit BB Now nicht nur Geschwindigkeit liefern, sondern die Kosten im Zaum halten. Das passt zum Gesamtkurs des Unternehmens. Jede Sparte soll sich ihren Erhalt selbst rechtfertigen.
Wo soll das neue Geschäftsmodell von Tata Digital langfristig hinführen?
Die Neuausrichtung konzentriert sich auf drei zentrale Säulen: Finanzdienstleistungen, Marketingservices und eine einheitliche Loyalitätsplattform. Diese Kombination soll Tata Digital von einem reinen E-Commerce-Player zu einem integrierten Ökosystem wandeln. Dabei geht es nicht um kurzfristige Gewinnsprünge. Der Konzern investiert in Infrastruktur, die langfristig tragen muss.
Gleichzeitig bleibt der Erfolg ungewiss, denn mehrere Führungswechsel haben das Unternehmen nachhaltig geschwächt. Wettbewerber wie Blinkit und Zepto atmen Tata Digital im Nacken. Sivanandan hat keine Zeit für weitere Experimente. Er muss das stabile Wachstum sicherstellen, das sein Vorgänger nicht erreichte. Die Branche beobachtet genau, ob ein alter Industriekonzern mit digitaler Disziplin profitabler werden kann als reine Internet-Plattformen. Tata Digital liefert hier entweder ein Modell für erfolgreiche Konzern-Digitalisierung – oder eine Warnung für jeden, der glaubt, mit Kapital allein lasse sich ein Ökosystem erzwingen.
