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Visa CEDP senkt B2B-Interchange-Kosten um 44 Prozent

Visa CEDP senkt B2B-Interchange-Kosten um 44 Prozent

Was macht das Visa-Programm anders?

Seit Oktober bietet Visa das Commercial Enhanced Data Program (CEDP) an. Händler übermitteln dabei zusätzliche Transaktionsdaten wie Bestellnummern, Steuernummern, Rechnungsdaten oder Warenkorb-Details direkt an den Kartennetzwerk-Betreiber. Visa belohnt diese Daten mit niedrigeren Interchange-Gebühren, also jenen Kosten, die ein Händler pro Kreditkartentransaktion an die kartenausgebende Bank zahlt. Im B2B-Bereich, wo Ticketbeträge oft im vier- bis fünfstelligen Bereich liegen, wirken sich selbst kleine Prozentpunkte schnell in Tausenden Euro aus.

Boost Payment Solutions, ein auf B2B-Zahlungen spezialisiertes Fintech mit Sitz in New York, hat nun erstmals Zahlen veröffentlicht: Kunden, die CEDP über die Boost-Plattform nutzen, zahlten im Schnitt knapp 44 Prozent weniger Interchange als beim Standard-Tarif für card-not-present-Transaktionen. Das Unternehmen rechnet über ein qualifiziertes Transaktionsvolumen von mehr als 1,2 Milliarden Dollar ab und spricht von Einsparungen in Höhe von 14,7 Millionen Dollar seit Programmstart. Die Zahlen stammen aus einer internen Auswertung, die Boost am Dienstag veröffentlichte.

Warum lohnt sich das für deutsche B2B-Händler?

B2B-E-Commerce wächst auch in Deutschland zweistellig. Geschäftskunden zahlen zunehmend mit Firmenkreditkarten, besonders bei wiederkehrenden Bestellungen, SaaS-Abos und höheren Ticket-Größen. Genau dort machen Interchange-Gebühren einen spürbaren Anteil der Marge aus. Ein Händler mit 5 Millionen Euro Jahresumsatz über Firmenkarten kann bei einer typischen Interchange-Rate von 1,5 bis 2 Prozent schnell fünf- bis sechsstellige Kosten pro Jahr tragen.

Das CEDP-Modell zielt auf genau diese Transaktionen ab. Wer seine Zahlungsinfrastruktur so aufsetzt, dass sie Level-2- oder Level-3-Daten an Visa übermittelt, senkt die Interchange-Kosten spürbar. Boost zeigt, dass die Technik skaliert: Mehr Daten pro Transaktion führen direkt zu niedrigeren Gebühren, ohne dass der Händler selbst Verhandlungen mit einzelnen Banken führen muss.

Kernsatz: Reichhaltigere Transaktionsdaten senken Visa-Interchange-Kosten im B2B-Bereich um knapp die Hälfte – vorausgesetzt, Zahlungsdienstleister und Shopsystem liefern diese Daten auch.

Wo liegt der Haken?

Die Ersparnis ist kein Selbstläufer. Nicht jede B2B-Transaktion qualifiziert sich für CEDP. Visa verlangt korrekte und vollständige Datenfelder, die viele Standard-Checkouts nicht automatisch erfassen. Besonders ältere Shopsysteme oder Plug-ins, die für B2C optimiert sind, lassen Steuer- und Kundenreferenzen schlichtweg außen vor. Ohne diese Informationen fällt die Transaktion in den teuren Standard-Tarif zurück.

Händler müssen also prüfen, ob ihr Zahlungsdienstleister CEDP unterstützt und ob die eigene Buchhaltung oder Warenwirtschaft die nötigen Datenfelder an den Zahlungsprozess übergibt. Nur wer beides verbindet, holt das volle Einsparpotenzial ab. Ohne diese Schnittstelle bleibt das Potenzial auf dem Tisch.

„Wer im B2B weiterhin Standard-Card-not-present-Raten zahlt, lässt Geld liegen – das ist keine Prognose, sondern eine Buchhaltungsfrage.“

Wie gehen Shopbetreiber jetzt vor?

Der erste Schritt ist eine Analyse des eigenen B2B-Kartenvolumens. Wer überwiegend Rechnungskauf, SEPA-Lastschrift oder Vorkasse nutzt, spart mit CEDP wenig. Bei hohem Anteil an Firmenkreditkarten lohnt sich ein Gespräch mit dem Payment-Provider über Level-2/Level-3-Daten. Idealerweise lassen sich die erforderlichen Felder direkt im Checkout erfassen oder aus dem ERP-System befüllen.

Langfristig dürften solche Programme den Druck auf klassische B2B-Zahlungsarten erhöhen. Wenn Kartenzahlung durch niedrigere Interchange fast so günstig wird wie Rechnungskauf, ändert sich die Kalkulation für viele Händler. Mastercard und weitere Netzwerke betreiben ähnliche Enhanced-Data-Programme. Wer jetzt seine Datenfelder aufräumt, profitiert nicht nur von Visa, sondern baut auch für künftige Anpassungen vor.