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Walmart E-Commerce: Jahresbericht bestätigt Boom über 100 Milliarden Dollar

Walmart E-Commerce: Jahresbericht bestätigt Boom über 100 Milliarden Dollar

Was treibt Walmarts E-Commerce-Wachstum?

Walmart hat mit seinem jüngsten Jahresbericht die Dimensionen des eigenen Online-Wachstums offengelegt. Der Konzern setzte im vergangenen Geschäftsjahr weltweit mehr als 100 Milliarden Dollar im E-Commerce um. Das entspricht einem zweistelligen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr und einer Verdreifachung des Online-Umsatzes innerhalb von fünf Jahren. Für den weltgrößten Einzelhändler ist das E-Commerce-Geschäft längst kein Zusatzkanal mehr, sondern eine parallel wachsende Säule neben den stationären Märkten.

Die treibende Kraft hinter den Zahlen ist keine einzelne Maßnahme. Walmart vertreibt heute über seinen Marketplace Millionen Artikel von Dritthändlern, betreibt mit Walmart Connect eine der am schnellsten wachsenden Retail-Media-Plattformen Nordamerikas und nutzt seine physischen Filialen als Mikro-Fulfillment-Center. Das Abo-Programm Walmart+ hat laut Bericht die Kundenbindung gestärkt und treibt wiederkehrende Bestellungen im Lebensmittelsegment an. Fast jedes Online-Paket, das Walmart in den USA ausliefert, passiert auf dem Weg zum Kunden eines der über 4.600 Stores. Diese Kombination aus digitalem Frontend und bestehender Infrastruktur macht das Modell für reine Online-Player schwer kopierbar.

Was bedeutet der Walmart-Boom für deutsche Händler?

Jenseits des Atlantiks sind die Zahlen für E-Commerce-Manager mehr als nur eine kuriose Meldung aus dem US-Markt. Walmart expandiert aggressiv mit seinem Marketplace nach Europa und testet seit 2024 Liefer- sowie Marktplatzangebote in Großbritannien. Wer heute Amazon-Only spielt, sollte Walmart als zusätzlichen Vertriebskanal auf dem Radar behalten, sobald der Marktplatz hierzulande öffnet. Die britische Präsenz dient dabei als Sprungbrett für einen möglichen europäischen Roll-out, auch wenn konkrete Deutschland-Pläne weiter offiziell nicht kommuniziert sind.

Kernsatz: Walmarts größter Wettbewerbsvorteil ist nicht der niedrige Preis, sondern die Dichte eines bestehenden Store-Netzes, das als Logistik- und Werbe-Infrastruktur für das Online-Geschäft dient.

Besonders relevant ist die Entwicklung für Händler mit Omni-Channel-Ansatz. Walmarts Strategie zeigt, wie sich stationäre Standorte in Same-Day-Delivery-Hubs und Abholstationen transformieren lassen, ohne Milliarden in neue Lager zu investieren. Deutsche Ketten wie MediaMarktSaturn oder Decathlon betreiben ähnliche Modelle bereits, allerdings in deutlich kleinerem Maßstab. Der Bericht liefert hier ein Argument für CFOs, die digitale und stationäre P&L enger zu verzahnen statt als separate Silos zu führen.

Kann Walmart Amazon wirklich gefährlich werden?

Die Frage ist berechtigt. Amazon dominiert den US-Onlinehandel weiterhin mit einem Marktanteil, den Walmart auch in fünf Jahren nicht erreichen wird. Doch die Differenz schrumpft. Walmart hat bei Lebensmitteln, Drogerieartikeln und Everyday-Low-Price-Sortimenten eine Position, die Amazon nur mühsam und kostenintensiv angreifen kann. Gleichzeitig holt Walmart bei den wachstumsstarken Bereichen Retail Media, Third-Party-Logistik und Marktplatz-Margen auf.

Langfristig entsteht ein Zwei-Parteien-Markt in den USA, in dem Händler nicht mehr zwischen Amazon und dem Rest wählen, sondern zwischen Amazon und Walmart. Für deutsche Brands mit US-Ambitionen bedeutet das: Eine Diversifikation über beide Plattformen senkt das Abhängigkeitsrisiko und ermöglicht Zugang zu unterschiedlichen Kundensegmenten. Wer jetzt seine Produktdaten, Fulfillment-Prozesse und Werbebudgets nur auf Amazon optimiert, verschenkt strategische Optionen.

Der Jahresbericht markiert keinen strategischen Wendepunkt, sondern dokumentiert einen bereits vollzogenen. Walmart ist im E-Commerce angekommen. Händler, die das weiterhin als reine Amazon-Alternative betrachten, unterschätzen die Skalierung des Konzerns.