Zehn Website-Baukästen, ein Testsiegerfeld, das sich kaum verändert: Der aktuelle Vergleich von Website Planet für 2026 bestätigt, was Händler seit zwei Jahren beobachten, Wix und Squarespace dominieren den Markt der Baukastensysteme, dahinter sortieren sich Anbieter wie Hostinger, IONOS und Shopify im Baukasten-Segment ein. Für E-Commerce-Manager ist die Rangliste nur die halbe Nachricht. Entscheidend ist, wo die Systeme im Shop-Betrieb an ihre Grenzen stoßen.
Getestet wurden Bedienbarkeit, Template-Qualität, Ladezeiten und E-Commerce-Funktionen. Wix punktet mit über 900 Templates und einem App-Markt mit rund 500 Erweiterungen. Squarespace überzeugt im Design, fällt aber bei tiefergehenden Shop-Funktionen ab: Variantenlogik, Mehrwertsteuer-Handling für den EU-Raum und Schnittstellen zu Warenwirtschaftssystemen bleiben rudimentär. Hostinger positioniert sich als Preistreiber mit Einstiegstarifen unter drei Euro monatlich, ein Argument für Existenzgründer, nicht für Händler mit vierstelligen Bestellzahlen pro Monat.
Wann reicht ein Baukasten für den Online-Handel aus?
Die Antwort hängt weniger vom Umsatz ab als von der Prozesslandschaft. Wer weniger als 100 SKUs führt, ohne ERP-Anbindung arbeitet und über einen einzigen Vertriebskanal verkauft, fährt mit Wix oder Squarespace solide. Sobald eine Warenwirtschaft wie JTL, plentymarkets oder Pickware ins Spiel kommt, kippen die Verhältnisse: Baukästen bieten für diese Systeme keine nativen Schnittstellen, und Middleware-Lösungen verursachen laufende Kosten, die einen Tarifwechsel schnell teurer machen als einen echten Shop.
Shopify versteht sich zwar ebenfalls als gehostetes System mit Baukasten-Editor, spielt aber eine andere Liga: Die Checkout-Infrastruktur, die App-Ökonomie mit über 8.000 Anwendungen und die POS-Integration machen die Plattform zur Referenz für Händler, die wachsen wollen. Im Test landet Shopify deshalb regelmäßig auf den vorderen Plätzen, wenn es um E-Commerce geht, bei reinen Content-Seiten dagegen hinter Wix.
Was die Tester nicht messen
Drei Faktoren fehlen in nahezu jedem Baukasten-Vergleich: erstens die Kosten im Zeitverlauf. Wix beginnt bei rund 17 Euro monatlich, doch Business-Tarife mit echten Shop-Funktionen liegen bei über 30 Euro, Add-ons und Transaktionsgebühren nicht eingerechnet. Zweitens die Datenhoheit: Wer seinen Shop bei einem Baukasten-Anbieter aufbaut, migriert später mühsam. Produktdaten lassen sich exportieren, Design und Prozesslogik nicht. Drittens die EU-Compliance: Cookie-Consent, Impressums-Pflicht und die Barrierefreiheitsstärkungsgesetz-Anforderungen ab Juni 2025 decken die US-Systeme nur über Dritt-Apps ab.
Ein Baukasten ist ein Startpunkt, keine Infrastruktur. Wer skaliert, migriert früher oder später, die Frage ist nur, zu welchen Kosten.
Für Händler ab einer Million Euro Jahresumsatz bleibt die Empfehlung daher unverändert: Baukasten-Tests als Orientierung für Microsites, Landingpages oder Nebenprojekte nutzen, den Hauptshop aber auf einem System fahren, das Warenwirtschaft, Multichannel und Checkout-Optimierung nativ abbildet. Wer heute mit Wix oder Squarespace verkauft und wächst, sollte den Migrationspfad zu Shopify, Shopware oder WooCommerce kennen, bevor das Wachstum ihn dazu zwingt. Der nächste Baukasten-Test kommt bestimmt, der passende Zeitpunkt für einen Systemwechsel nicht von allein.
