Was ist neu bei Amazon?
Wero, die Bezahllösung der European Payments Initiative (EPI), ist ab sofort als Zahlungsart bei Amazon verfügbar. Kunden können damit direkt von ihrem Bankkonto bezahlen – ohne PayPal, ohne Kreditkarte, ohne Käuferschutz-Konstrukt eines US-Anbieters. Es ist der bislang größte E-Commerce-Erfolg für das europäische Wallet, das von 16 Banken und Payment-Dienstleistern getragen wird, darunter die Sparkassen-Gruppe, die ING und die Deutsche Bank.
Damit bekommt PayPal erstmals im Checkout des umsatzstärksten Online-Händlers Europas direkte Konkurrenz aus Europa. Bemerkenswert ist die Entscheidung auch aus einem anderen Grund: Amazon kanalisiert Zahlungen bislang gern über Amazon Pay. Dass der Konzern eine fremde Wallet neben die eigene stellt, zeigt, wie ernst er die Nachfrage nach kontobasierten Zahlarten nimmt.
Wie funktioniert Wero im Checkout?
Wero basiert auf Echtzeitüberweisungen von Konto zu Konto (Account-to-Account). Der Kunde autorisiert die Zahlung in der App seiner Bank, das Geld fließt sofort und final – es gibt kein Chargeback-Verfahren wie bei Kreditkarten. Für Händler heißt das: kein Zahlungsausfall durch widerrufene Abbuchungen, keine Kartenentgelte, sofortiger Liquiditätszufluss.
Die Verbreitung ist inzwischen beachtlich. Rund 45 Millionen Europäer nutzen Wero bereits, vor allem für Zahlungen untereinander per Handynummer. Im stationären Handel und im E-Commerce läuft der Ausbau seit diesem Jahr: CTS Eventim war im November 2025 der erste große deutsche Online-Händler mit Wero-Integration, die ING Deutschland schaltete das Verfahren im Juni 2026 für Shop-Zahlungen frei. Parallel migrieren die Niederlande ihr iDEAL – dort gut 72 Prozent aller E-Commerce-Transaktionen, rund 1,5 Milliarden Zahlungen pro Jahr – schrittweise auf Wero. Wer heute in die Niederlande verkauft, wird mit der Umstellung ohnehin konfrontiert.
Was bedeutet das für Shopbetreiber?
Die direkte Antwort: Wero wird 2026 zur Pflichtoption in der Payment-Strategie, zumindest für Händler mit Kunden in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Der Amazon-Einstieg beschleunigt die Verbraucher-Adoption deutlich – Kunden, die Wero dort kennenlernen, erwarten die Option bald auch in anderen Shops.
Praktisch läuft die Integration über die etablierten Zahlungsdienstleister. PAYONE, Unzer, Worldline, Nexi und Nuvei haben Wero bereits angebunden; für Shopware und WooCommerce stehen entsprechende Plugins dieser Anbieter bereit. Händler sollten mit ihrem PSP klären, ob Wero im bestehenden Vertrag aktivierbar ist und zu welchen Konditionen – die Transaktionsgebühren liegen erfahrungsgemäß unter denen von Kreditkarten und PayPal, die Banken wollen das Verfahren bewusst attraktiv preisen.
Eine Schwäche darf man nicht verschweigen: Käuferschutz und Retourenabwicklung sind bei Wero noch nicht auf PayPal-Niveau. EPI hat für 2026 zusätzliche Funktionen angekündigt, darunter Abo-Zahlungen, Kauf auf Raten und Sofort-Erstattungen bei Retouren. Bis dahin bleibt PayPal für risikoaverse Käufer die komfortablere Wahl – und für Händler ein Muss im Checkout, egal wie attraktiv die Wero-Gebühren sind.
Die richtige Reihenfolge für die kommenden Monate: Beim PSP die Wero-Verfügbarkeit abfragen, im Testsystem aktivieren, dann die Zahlen beobachten. Wer niederländische Kunden hat, hat ohnehin keine Wahl – iDEAL wird zu Wero, ob der eigene Shop bereit ist oder nicht.
