Die Zeiten billiger Schnäppchen aus Fernost sind gezählt. Ab Juli 2025 entfällt die EU-weite Zollfreigrenze für Kleinsendungen unter 150 Euro. Wer künftig Waren aus dem Nicht-EU-Ausland bestellt, zahlt ab einem Warenwert von drei Euro pauschal Zoll. Besonders Temu, Shein und AliExpress werden dadurch teurer – und damit auch deren deutsche Kundschaft.
Was ändert sich bei der Einfuhr aus Fernost?
Bisher galten Sendungen unter 150 Euro als zollfrei. Diese Regelung stammte aus einer Zeit, in der Pakete aus China noch die Ausnahme waren. Inzwischen werden europäische Zollbehörden mit solchen Sendungen regelrecht überrannt: Allein Deutschland verzeichnete 2024 mehr als 800 Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten. Die Folge: verzögerte Kontrollen, Steuerausfälle und ein Wettbewerbsnachteil für EU-Händler, die Mehrwertsteuer und Zollabgaben bereits im Preis tragen.
Die neue Regelung sieht eine pauschale Zollabgabe vor, sobald der Warenwert drei Euro übersteigt. Der genaue Satz wird je nach Produktkategorie variieren, für viele Artikel dürfte er aber bei rund zwei bis drei Euro pro Sendung liegen. Bei höherwertigen Gütern greifen weiterhin die regulären Zollsätze. Zusätzlich zur Einfuhrabgabe fällt wie bisher die Einfuhrumsatzsteuer an. Für den Endkunden heißt das: Der 5-Euro-Adapter aus China kostet künftig nicht mehr 5 Euro plus Versand, sondern eben noch Zoll und Abwicklungsgebühren obendrauf.
Wer trägt die neuen Kosten?
Die Abwicklung erfolgt entweder über den Marktplatz oder den Versanddienstleister. Temu und Shein arbeiten bereits an Modellen, bei denen Zoll und Steuer direkt beim Kauf mitberechnet werden. Der Kunde merkt den Unterschied also spätestens an der Kasse. Wer dennoch über ein unregistriertes Paket bestellt, riskiert eine Nachzahlung bei der Zustellung – inklusive Bearbeitungsgebühr.
Für deutsche Online-Händler ergeben sich daraus zwei Effekte. Zum einen sinkt der Preisvorteil der chinesischen Plattformen merklich. Zum anderen steigt der Verwaltungsaufwand für Händler, die selbst aus Nicht-EU-Ländern importieren. Wer als Shop-Betreiber Produkte aus Asien bezieht, muss seine Zollabwicklung, Warenwerte und Lieferketten neu prüfen. Die Pauschalregelung vereinfacht zwar den Prozess, sie macht ihn aber nicht kostenlos.
Was bedeutet das für den deutschen E-Commerce?
Die Branchenverbande begrüßen die Reform, weil sie die Wettbewerbsverzerrung zwischen EU-Händlern und Fernost-Plattformen zumindest abschwächt. Ob sie den Marktanteil von Temu und Shein nachhaltig reduziert, bleibt offen. Die Plattformen haben genug Kapital, um Teile der neuen Kosten zu absorbieren – etwa durch Rabatte oder Logik-Subventionen. Langfristig könnte sich aber das Kaufverhalten verschieben: Kunden, die bisher ausschließlich auf den niedrigsten Preis geschaut haben, werden verstärkt Lieferzeit, Qualität und lokalen Service vergleichen.
Shop-Betreiber sollten jetzt prüfen, ob ihre eigenen Lieferanten und Importwege von der Regelung betroffen sind. Besonders Drogerieartikel, Elektronikzubehör und Textilien aus Nicht-EU-Ländern werden häufiger zollpflichtig. Wer diese Kategorien im Sortiment hat, muss entweder die Preise anpassen oder Margen akzeptieren. Wer Temu und Shein als Konkurrenz beobachtet, kann die nächsten Quartale als Indikator nutzen: Wenn die Plattformen ihre Preise merklich anheben, schwindet ihr Kernargument.
Die Zollreform ist kein Ende der Billig-Importe – aber sie macht transparent, was diese Importe Europa tatsächlich kosten.
