Seit dem 20. Juli 2026 können Kunden im deutschen Onlineshop von Decathlon mit Wero bezahlen. Der Sportartikelhändler ist damit das erste Unternehmen der internationalen Decathlon-Gruppe, das das europäische Bezahlsystem aktiviert – und reiht sich ein in eine Händlerliste, auf der bereits Lidl, Rossmann, Hornbach, Eventim, Zooplus und DPD stehen.
Wero stammt von der European Payments Initiative (EPI), einem Zusammenschluss von 16 europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern. Die Lösung funktioniert als Account-to-Account-Zahlung in Echtzeit: Der Kunde wählt Wero im Checkout, bestätigt die Transaktion in seiner Banking-App, fertig. Weder eine zusätzliche App noch Kartendaten sind nötig. In Deutschland haben die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken die E-Commerce-Funktion bereits ausgerollt; Postbank, Deutsche Bank, ING Deutschland und Revolut sollen folgen. Nach Angaben der EPI erreicht Wero damit mehr als 46 Millionen Nutzer in Europa.
Warum setzt Decathlon auf Wero statt nur auf PayPal?
Die Antwort liegt in den Konditionen. Transaktionen über Wero kosten Händler nach Branchenangaben rund 0,77 Prozent des Verkaufspreises – deutlich weniger als PayPal oder klassische Kreditkartenabwicklung. Dazu kommt die Liquidität: Weil Wero über SEPA-Echtzeitüberweisungen läuft, landet das Geld sofort auf dem Händlerkonto. Kein Warten auf Settlement, kein Chargeback-Risiko nach Kartenmuster.
Für Decathlon ist Deutschland offenbar Testmarkt und Aushängeschild zugleich. Der Konzern plant, Wero nach dem Online-Start auch an den Kassen seiner mehr als 110 deutschen Filialen einzuführen. Die technische Vorbereitung der POS-Integration laufe bereits, heißt es aus dem Unternehmen. Wer im stationären Handel und online denselben Zahlungsdienst anbietet, baut eine Datenbasis auf, die über die reine Transaktion hinausgeht.
Was bedeutet der Decathlon-Schritt für andere Shopbetreiber?
Erstens: Der Zug fährt. Wenn Marken mit dem Traffic-Volumen von Decathlon, Lidl und Rossmann eine neue Zahlungsart im Checkout platzieren, steigt die Verbraucherkennung schnell. Zweitens sinkt die technische Hürde für kleinere Händler. Über Payment Service Provider wie Computop oder Mollie lässt sich Wero in gängige Shopsysteme integrieren, ohne dass Händler selbst eine Bankanbindung bauen müssen. Wer Shopware, Shopify oder WooCommerce einsetzt, sollte bei seinem PSP nachfragen, ob Wero bereits im Portfolio ist oder auf der Roadmap steht.
Ein Wermutstropfen bleibt die Datenhoheit. Wero vermarktet sich als europäische Alternative zu US-Anbietern, hostet seine Infrastruktur bislang aber bei Amazon Web Services. Kritiker verweisen darauf, dass US-Zugriffsgesetze theoretisch auch auf diese Daten zugreifen könnten. Die EPI hat angekündigt, die Infrastruktur schrittweise in europäische Rechenzentren zu verlagern – ein Termin steht noch aus.
46 Millionen Nutzer, Gebühren unter einem Prozent, Echtzeit-Auszahlung: Wero ist die erste ernsthafte europäische Antwort auf PayPal im deutschen Checkout.
Wie schnell wird Wero im Checkout zur Pflichtoption?
Noch ist Wero eine Zusatzoption, keine Pflicht. Doch die Rechnung ist simpel: Jede Zahlungsart, die Kunden aus ihrer Banking-App kennen, senkt Abbrüche im Bezahlvorgang. Paydirekt und Giropay sind an mangelnder Banken- und Händlerunterstützung gescheitert; Wero hat beides von Anfang an mitgebracht. Shopbetreiber ab einer Million Euro Jahresumsatz sollten die Integration jetzt in die Planung für das vierte Quartal aufnehmen – nicht, weil Kunden danach rufen, sondern weil die Gebührendifferenz bei wachsender Verbreitung schnell teurer wird als die Implementierung.
Beobachten Sie zwei Signale: ob die Deutsche Bank und ING die angekündigte E-Commerce-Freischaltung noch in diesem Jahr liefern, und ob Decathlon die POS-Einführung in den Filialen tatsächlich durchzieht. Kommt beides, wird Wero 2027 zur dritten großen Zahlungsart im deutschen E-Commerce – neben PayPal und Kauf auf Rechnung.
