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Picnic: 1.500 Roboter und der Edeka-Faktor. Was Shopbetreiber vom E-Grocer lernen

Picnic: 1.500 Roboter und der Edeka-Faktor. Was Shopbetreiber vom E-Grocer lernen

1.500 Roboter schieben in Oberhausen rote Kisten über Transportbänder, während rund 90 Nachwuchsführungskräfte aus Handel und Industrie Notizen machen. Die Young Business Factory (YBF) der Lebensmittel Zeitung hat ihre erste Ausgabe 2026 beim Online-Supermarkt Picnic verbracht, zwei Tage zwischen Düsseldorfer Zentrale und hochautomatisiertem Lager. Die Leitfrage war so alt wie der E-Grocery-Markt selbst: Wie lässt sich im Online-Lebensmittelhandel Geld verdienen, wo Rewe, Amazon Fresh und etliche Startups bereits Federn gelassen haben?

Picnic-Mitgründer Frederic Knaudt eröffnete mit ungewöhnlich offenen Worten.

„Das Unternehmen Picnic wäre ohne Edeka nicht da, wo es jetzt ist.“

Der gemeinsame Einkauf mit der Genossenschaft habe den deutschen Markteintritt erst ermöglicht, weil Picnic so wettbewerbsfähige Preise anbieten konnte. Kooperation statt Preiskampf, ein Geständnis, das man von Tech-Gründern selten hört und das im Raum für einen Ansturm von Nachfragen sorgte.

Warum setzt Picnic bei der Kundenbindung auf Einfachheit?

Clemens Flohr, Commercial Lead Deutschland bei Picnic, lieferte die Antwort in einem Wort: Einfachheit. Statt Sortimentsvielfalt und Rabattaktionen setzt der Lieferdienst auf feste Routen, klar begrenzte Lieferfenster und eine App, die bewusst wenig kann, aber das zuverlässig. Das Modell erinnert an den Milchmann: Kunden bestellen bis zum Vorabend, die Waren kommen am nächsten Tag zur festen Uhrzeit. Für Shopbetreiber ist das die eigentliche Lektion. Wer jeden Wunsch erfüllen will, zahlt dafür in der Logistik doppelt.

Prozesskosten kennen: Die Profitabilitätsformel von Matthias Schu

Matthias Schu, Dozent an der Hochschule Luzern und E-Grocery-Berater, brachte die Diskussion auf den Punkt: „Kenne deine Prozesskosten und optimiere sie.“ Der entscheidende Hebel sei die Auslastung des Lagers, ein halbleeres Fulfillment-Center verbrenne Geld, egal wie gut das Frontend aussieht. Ralf Deckers vom IFH Köln ergänzte mit Marktdaten zum Kaufverhalten der Verbraucher und den Wachstumstreibern des Onlinehandels. Sein Befund: Plattformen und Marktplätze dominieren weiter, doch im Food-Bereich gewinnen Betreiber mit eigener, kontrollierter Lieferkette.

Kernsatz: Wer seine Prozesskosten pro Pick nicht kennt, kann im E-Grocery nicht profitabel wachsen, Auslastung schlägt Umsatzfantasie.

Was bringt die neue Rezeptfunktion der Picnic-App?

Daniel Gebler, CTO von Picnic, gab Einblick in den Tech-Stack. Software und Hardware entstehen im eigenen Haus, die App ebenfalls. Aktuell in der Testphase: eine Rezeptfunktion, bei der Nutzer ein Gericht eingeben und die App passende Zutaten direkt in den Warenkorb vorschlägt. KI, Robotik und Automatisierung sind bei Picnic keine Zukunftsmusik, sondern Betriebsalltag, das Lager in Oberhausen mit seinen 1.500 Robotern ist dafür der sichtbare Beweis.

Auch die Herstellerperspektive kam nicht zu kurz. Nadine Eckes, Head of Key Account Management E-Commerce bei Ferrero Deutschland, erklärte, wie Süßwaren als Impulskategorie im digitalen Regal sichtbar bleiben, dort, wo der Gang an der Kasse fehlt. Frederike Gogić von Arla Foods setzte auf Rezeptintegration als Absatzhebel, Christian Saulich von The Quality Group zeigte, wie ein Hersteller den Wechsel von B2C nach B2B stemmt.

Für deutsche Shopbetreiber bleibt ein unbequemer Befund: Picnic wächst nicht dank, sondern trotz Verzichts. Verzicht auf Lieferung am selben Tag, auf Maximalsortiment, auf permanente Promotion. Wer seinen eigenen Shop prüfen will, sollte nicht mit dem Frontend beginnen, sondern mit einer ehrlichen Prozesskostenrechnung pro Bestellung. Das ist weniger glamourös als eine KI-Strategie, entscheidet aber über die Existenz.