Amazon hat den Kraftstoff- und Logistikzuschlag für die Versandabwicklung durch Amazon (FBA) von 1,5 auf zwei Prozent erhöht. Das berichtet der Haendlerbund. Der Aufschlag war erst im April eingeführt worden und greift nun ab dem 2. November auf zehn europäischen Marktplätzen, darunter Deutschland. Für Bestellungen aus anderen Verkaufskanälen folgt der neue Satz am 19. November in fünf Ländern.
Was sich für Händler konkret ändert
Der Zuschlag berechnet sich prozentual auf die Erfüllungsgebühr. Für einen Händler mit 500.000 Euro Jahresumsatz über FBA bedeutet der Sprung von 1,5 auf zwei Prozent zusätzliche Kosten von etwa 2.500 Euro jährlich, bezogen auf die Erfüllungsgebühren. Die tatsächliche Belastung variiert nach Produktkategorie, Größe und Lagerdauer. Artikel mit hohem Lagerdruck oder Sonderformaten trifft es härter.
Die Erhöhung erfolgt zum schlechtesten Zeitpunkt. November und Dezember bringen die höchsten Bestellvolumina des Jahres. Gleichzeitig steigen die Logistikkosten durch Saisonalpersonal und Kapazitätsengpässe. Amazon verschiebt einen Teil dieser Kosten direkt an die Verkäufer.
Warum dreht Amazon jetzt an der Gebührenschraube?
Die zweite Erhöhung innerhalb eines halben Jahres zeigt eine klare Richtung. Amazon wird die Logistikkosten stärker an die Plattform-Teilnehmer weitergeben. Der April-Aufschlag war eingeführt worden, um steigende Betriebskosten auszugleichen. Der November-Schritt deutet darauf hin, dass die Kosten weiter steigen und Amazon nicht bereit ist, sie allein zu tragen.
Für Händler bedeutet das: FBA wird teurer, aber nicht zwingend unattraktiver. Die Frage ist, ob die Logistikleistung den Aufschlag rechtfertigt. Wer eigene Versandlösungen prüft, sollte jetzt vergleichen. Die Zahl der Händler, die FBA kritisch hinterfragen, dürfte steigen.
Wie betroffene Händler reagieren sollten
Verkäufer sollten ihre Preisrechnung für FBA-Artikel überprüfen. Wer die Gebühren in die Endkundenpreise einrechnet, muss die Kalkulation anpassen. Wer die Preise hält, schmälert seine Marge.
Die Amazon-Rechnung im Seller Central zeigt, ob der Aufschlag bereits abgerechnet wird. Die Gebührenübersicht enthält die Position. Händler, die ihre Versandstrategie langfristig überdenken, sollten Alternativen im Blick behalten. Dazu gehören eigene Logistiklösungen, externe Versanddienstleister oder hybride Modelle, bei denen ein Teil der Bestellungen selbst versendet wird.
Die Gebührenentwicklung wird Händler zwingen, ihre Kalkulation genauer zu hinterfragen. Wer jetzt reagiert, kann die Margenverluste abfedern, bevor die Q4-Preise feststehen.
