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FMC plant 200.000 Dollar pro Anlauf: spanische Schiffe vor US-Häfen im Visier

Am Donnerstag hat die US-Maritime-Behörde Federal Maritime Commission (FMC) einen Verordnungsvorschlag auf den Weg gebracht, der den transatlantischen Schiffsverkehr umkrempelt: Spanische Flaggschiffe sollen bei jedem Anlauf in einem US-Hafen künftig 200.000 Dollar zahlen. Zusätzlich will die Behörde den Import bestimmter spanischer Güter beschränken. Noch greift nichts. Der Entwurf befindet sich in einer 60-tägigen Kommentarfrist, Spanien kann eine Anhörung verlangen, die endgültige Verordnung steht aus.

Auslöser ist ein Verfahren, das seit Dezember 2024 läuft. Die FMC untersuchte, ob Spanien US-Schiffen den Hafenzugang verwehrt und damit ungünstige Bedingungen im amerikanischen Außenhandel schafft. Kern der Vorwürfe: Im November 2024 wiesen spanische Häfen die US-Flaggschiffe Maersk Denver und Maersk Seletar ab, ein dritter Reederaufruf (Maersk Hartford) fiel ebenfalls aus. Madrid berief sich auf den Schutz sicherheitsrelevanter und dual-use-Fracht im Gaza-Konflikt und betonte, die Maßnahmen richteten sich gegen einzelne Container, nicht gegen Schiffe. Die FMC hält die Belege für eindeutig und sieht US-Schiffsinteressen beeinträchtigt. Maersk zieht sichtbare Konsequenzen: Vor 2024 legte der Reeder im Schnitt 7,25 spanische Häfen pro Monat an, im gesamten Jahr 2026 kamen es auf sechs Anläufe.

Was kostet der Streit Händler im US-Geschäft?

Die Gebühr selbst bleibt für die meisten deutschen Online-Händler abstrah, weil sie US-Häfen betrifft. Die Höhe ist trotzbedeutsam: Die 200.000 Dollar orientieren sich an der inflationsbereinigten Gebühr aus dem japanischen Hafenverfahren von 1997. Die gesetzliche Obergrenze liegt bei rund 2,36 Millionen Dollar pro Anlauf. Die FMC behält sich ausdrücklich vor, bei Vergeltungsmaßnahmen Spaniens die Gebühr zu erhöhen oder weitere Warenkategorien aufzunehmen. Beträchtlich sind auch die gezielten Importe: US-Kunden importierten 2025 spanische Öle und Fette im Wert von 1,15 Milliarden Dollar, davon 836,9 Millionen Dollar für Olivenöl allein. Dazu kommen Zucker und Süßwaren, Kosmetik und Parfümerie, Keramik sowie Steinwaren. Der Entwurf lässt offen, ob alle fünf Zollkategorien vollständig beschränkt oder nur gezielt begrenzt werden.

Betrifft das den deutschen Online-Handel?

Die Regelung zielt auf den US-Markt, nicht auf Europa. Händler, die spanische Waren in der EU verkaufen, bleiben vorerst unberührt, solange Brüssel nicht reagiert. Die spanische Regierung hat signalisiert, ihre Interessen eng mit der Europäischen Kommission zu verteidigen. Direkt betroffen sind drei Gruppen: Deutsche Shops mit eigenem US-Import für den amerikanischen Markt, Marktplatz-Verkäufer mit spanischen Einfuhrquellen für US-Bestellungen sowie Logistik-Dienstleister auf Spanien-Routen. Die eigentliche Botschaft liegt woanders: Häfen werden zunehmend zum Instrument der Handelspolitik. Wer die Pandemie-Engpässe und die Roten-Meer-Krise im Kopf hat, erkennt das Muster.

Was Händler jetzt prüfen sollten

Kernsatz: Der Vorschlag ist noch kein Gesetz, doch sein Signalwert ist hoch. Gebühren und Importbeschränkungen sind längst Werkzeuge der Handelspolitik, auch über den US-Markt hinaus.

Drei Schritte lohnen sich bis zur Verabschiedung der Endregelung:

  • Zollkategorien prüfen: Liegen eigene US-Importe aus Spanien in den fünf HTS-Kapiteln (Öle und Fette, Zuckerwaren, Kosmetik, Keramik, Steinwaren)?
  • Verträge checken: Klären Sie in Incoterms, Serviceverträgen und Beförderertarifen, wie staatlich angeordnete Gebühren und Umleitungen abgerechnet werden.
  • Kommentarfrist im Blick behalten: Die FMC nimmt Stellungnahmen bis Mitte Dezember an. Spaniens Anhörung und mögliche Gegenmaßnahmen können die Platte noch einmal verändern.

Entscheidend bleibt das Timing: Bis zur endgültigen Verordnung ist alles vorläufig. Wer jetzt Verträge und Zollkategorien sortiert, startet entspannt in die Verhandlungsrunde. Wer abwartet, riskiert, bei Eskalation überrascht zu werden. Die FMC hat mit dem japanischen Präzedenzfall 1997 und der Obergrenze von 2,36 Millionen Dollar angekündigt, dass 200.000 Dollar erst der Anfang sein können.