News B2B

Agentic Commerce: ShopAgentic baut das Shopsystem für Einkaufsagenten

Die Einkaufsagenten kommen, und ein deutsches Startup will die dafür nötige Infrastruktur liefern. ShopAgentic, gegründet im Dezember 2025 in Hannover, hat eine überzeichnete Pre-Seed-Runde in Höhe von 1,9 Mio. Euro abgeschlossen. Die Fonds May Ventures und Greenfield Capital führten das Syndikat, daneben investierten namhafte Business Angels wie Boris Lokschin (Gründer Spryker), Andy Lenz (Gründer t3n) und Thomas Gottheil (Gründer Frontastic). Stefan Wenzel, vormals CEO von eBay, Otto und Tom Tailor, berät das Team strategisch.

Was genau baut ShopAgentic?

Das Unternenmen entwickelt ein eigenes Agentic Commerce System: einen Verbund spezialisierter KI-Agenten, die jeweils eine komplette Aufgabe im Handelsalltag übernehmen. Katalogpflege, Feeds für Marktplätze und Kanäle, Content-Produktion, Chat und Voice, Preisfindung, Fulfillung. Der Händler vorgibt die Strategie und behält die Kontrolle, die Agents führen aus und melden zurück, sobald eine Freigabe nötig ist.

Anders als bei klassischen Shop-Systemen steht nicht ein Dashboard mit unzähligen Einstellungen im Zentrum, sondern ein Team aus Agenten, das eigenständig agiert. Die Architektur funktioniert zwei Wegs: Als Ergänzung zu bestehenden Systemen etwa auf Magento, Shopware oder Shopify, oder als eigenständige Lösung für den agentic-first Auftrag. Alle Dienste sind per API anbindbar, inklusive Unterstützung für den Machine Payments Protocol und x402-Zahlungen, also den Austausch zwischen Agent-zu-Agent-Transaktionen.

Kernsatz: ShopAgentic zielt mit seiner Agenten-Architektur auf die Händler, deren Shops auf Individual-Systemen laufen und für die ein Replatforming nicht infrage kommt.

Warum verlieren Händler ohne Agenten-Sichtbarkeit Umsatz?

Die Gründer Alexander Ringsdorff und Kai-Thomas Krause, zuvor hinter CouchCommerce und NewStore, argumentieren: Jede größere Verschiebung im Handel veränderte, wie Konsumenten kaufen. Mobile, Marktplätze, Omnichannel. Die Agentic Commerce Welle verändere erstmals, wer kauft. KI-Assistenten übernehmen zunehmend Produktrecherche, Preisvergleich und Checkout im Namen der Kunden.

Die Zahlen liefern den Druck. Laut Adobe verzeichneten US-Handelsseiten im Mai 2026 ein 138-prozentiges Jahreswachstum beim AI-Traffic. Besucher, die über KI-Assistenten kommen, konvertieren 54 Prozent häufiger und erzielen 53 Prozent mehr Umsatz pro Besuch. Deloitte erwartet, dass bis 2030 rund 25 Prozent des globalen E-Commerce-Umsatzes über KI-Agents abgewickelt werden. Die Agenten lesen strukturierte Produktdaten, transparente Preise und aktuelle Lagerbestände. Shops, die das nicht saubert, werden schlicht unsichtbar.

Was bedeutet das für den Shop-Alltag?

ShopAgentic befindet sich noch in der Private Beta, eine Priority Access Waitlist ist offen. Für Händler, die früh zugreifen wollen, ist das ein Fenster. Strategisch ist die Bewegung breiter: Shopify hat mit Agentic Storefronts einen eigenen Kanal, der Produkte automatisch an ChatGPT, Copilot und Google AI Mode synchronisiert. Shopware bindet über den Agentic Product Feed und UCP ebenfalls ChatGPT, Perplexity, Gemini und PayPal an. Die Plattformen legen also selbst Infrastruktur vor.

Die gesamte Eingangstür des E-Commerce wird neu gebaut. ShopAgentic will das System auf der anderen Seite sein.

Ringsdorff kündigt in der kommenden Zeit einzelne Agenten aus der Beta an. Der Handlungsimpuls bleibt derselbe: Produktdaten jetzt bereinigen, Katalog- und Feed-Struktur überprüfen und prüfen, welche Agenten-Protokolle der eigene Stack schon spricht. Wer das bis zum Markteinstieg der Agenten inkrementell nachrüstet, riskiert mehr als technisches Hin und Her.