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Amazon-Paketzustellung USA: Neun von zehn Paketen bald ohne Fremdversender

Amazon-Paketzustellung USA: Neun von zehn Paketen bald ohne Fremdversender

15,8 Milliarden Pakete im eigenen Netz. So sieht Amazons Logistikplan für das Jahr 2029 aus, wie Business Insider unter Berufung auf ein internes Planungsdokument berichtet. Der Konzern würde damit bis zu 88,7 Prozent seiner US-Sendungen selbst zustellen, im laufenden Jahr liegt der Anteil bei 86,3 Prozent. Das ist schneller, als frühere Unternehmensplanungen vorsahen.

Während das Eigenvolumen kräftig wächst, stagnieren die Fremdvolumina bei rund zwei Milliarden Paketen. Besonders die staatliche Post USPS verliert weiter an Bedeutung im Amazon-Kosmos. UPS hat sich bereits 2025 aus einem Großteil des Amazon-Geschäfts zurückgezogen; FedEx bleibt ein Restgeschäft. Der Trend ist eindeutig: Wer bei Amazon verkauft, verkauft zunehmend in einem geschlossenen Logistik-System.

Warum baut Amazon die Zustellung in Eigenregie weiter aus?

Die Antwort ist ökonomisch banal und strategisch zugleich: Jede selbst zugestellte Sendung senkt die Stückkosten und gibt Amazon die volle Kontrolle über Lieferzeit, Sendungsverfolgung und Zustellqualität. Mit regionalen Fulfilment-Zentren, eigenem Flugnetz und einem wachsenden Fuhrpark von Lieferwagen hat der Konzern in den USA inzwischen ein Netz aufgebaut, das UPS und FedEx beim Paketaufkommen überholt hat.

Die eigene Zustellflotte verschafft Amazon zudem ein Handelsgut, das es an Dritte verkauft: Das Programm „Shipping with Amazon“ öffnet das Netz stellenweise auch für Nicht-Amazon-Händler. Wer künftig über Amazon-Warenhäuser versendet, bezahlt nicht nur Lagerung, sondern gleich die gesamte Fulfillment-Kette.

Kernsatz: Amazon wird vom Marktplatz zum Vollversorger der Logistik. Für Händler sinkt die Wahlfreiheit bei Carrier und Preisgestaltung spürbar.

Was bedeutet das für Händler auf dem US-Markt?

Deutsche Händler, die über Amazon.com in die USA verkaufen, sollten drei Folgen auf dem Schirm haben. Erstens verschiebt sich die Machtbalance weiter: Wer im Amazon-Netz versendet, unterliegt dessen Gebührenpolitik ohne nennenswerte Verhandlungsposition. Zweitens wird die Konkurrenz der klassischen Carrier schwächer, weniger Wettbewerb bei UPS, FedEx und USPS könnte mittelfristig die Preise auch für Nicht-Amazon-Versender verteuern. Drittens setzt Amazon Lieferstandards, die zum neuen Branchenmaßstab werden: Sendungsverfolgung in Echtzeit, Zustellung am Wochenende, enge Lieferfenster.

Für den eigenen Shop-Versand in den USA heißt das: Tracking-Kommunikation und Zustellversprechen müssen mitziehen. Tools wie Sendcloud oder die Versand-Integrationen von Shopify und Shopware helfen, mehrere Carrier parallel anzubinden und Kunden proaktiv über den Sendungsstatus zu informieren, ein Feature, das Amazon-Kunden längst als selbstverständlich erwarten.

Folgt Europa dem US-Modell?

In Deutschland und Europa arbeitet Amazon noch deutlich stärker mit DHL, Hermes und DPD zusammen als in den USA. Doch die Richtung ist dieselbe: Das eigene Amazon-Logistics-Netz wächst auch hier, zuletzt mit zusätzlichen Sortierzentren und Auslieferungsstationen. Die US-Zahlen aus dem Planungsdokument sind weniger eine Überraschung als eine Blaupause.

Wer seine Fulfillment-Strategie auf ein einziges Netz ausrichtet, tauscht Komfort gegen Abhängigkeit, diese Rechnung sollten Händler offen führen, bevor die Gebührenliste es für sie tut.

Für 2026 und 2027 dürfte Amazon die Gebührenstruktur im FBA-Programm weiter an sein eigenes Netz koppeln. Händler tun gut daran, ihre Versandkosten jetzt neu zu kalkulieren, mit dem Szenario, dass die Alternative zum Amazon-Netz in den USA bald nur noch ein Restangebot ist.