Amazon erhöht den Druck auf Importeure. Der Marketplace-Riese führt eine neue Zollgebühr ein, die Händler bei grenzüberschreitenden Sendungen zusätzlich belastet. Für Shop-Betreiber, die über Amazon FBA oder Marketplace-Angebote Waren außerhalb der EU beziehen oder versenden, ändert sich die Kostenrechnung spürbar.
Was bedeutet die neue Amazon Zollgebühr konkret?
Die Gebühr fällt an, wenn Amazon als Zollobjektverantwortlicher für Sendungen fungiert. Das betrifft vor allem Produkte, die aus Nicht-EU-Ländern wie China, den USA oder Großbritannien in die Europäische Union gelangen. Amazon übernimmt dabei Zollabfertigung, Mehrwertsteuer-Registrierung und die Abrechnung gegenüber den Behörden, verlangt dafür aber nun eine eigene Servicegebühr.
Betroffen sind FBA-Händler, deren Ware Amazon über Grenzen hinweg in Erfüllungszentren transportiert, sowie Marketplace-Verkäufer, deren Sendungen den Zoll nicht mehr selbst abwickeln. Der genaue Prozentsatz oder Betrag variiert je nach Produktkategorie und Ursprungsland. Händlerbund weist darauf hin, dass die Kosten direkt vom FBA-Konto oder den Auszahlungen eingezogen werden.
Wer trifft es, und wie hoch fällt die Belastung aus?
Händler, die ihre Logistik über Amazon FBA in Europa bündeln, spüren die neuen Kosten zuerst. Besonders betroffen sind Anbieter aus den Bereichen Elektronik, Textilien, Haushaltswaren und Spielzeug, also jene Kategorien, die typischerweise aus Fernost bezogen werden. Laut Händlerbund müssen Betreiber ihre Einkaufspreise und Verkaufspreise neu kalkulieren, da die Gebühr die Marge direkt schmälert.
Die Höhe der Gebühr orientiert sich am Warenwert und an der Komplexität der Zollabfertigung. Bei wiederkehrenden Sendungen mit identischen Artikeln bleibt der Aufwand überschaubar. Wer hingegen viele unterschiedliche SKU aus verschiedenen Ursprungsländern importiert, muss mit einem höheren administrativen und finanziellen Aufwand rechnen.
Was sollten Händler jetzt tun?
Shop-Betreiber sollten ihre aktuellen Importströme analysieren. Welche Produkte laufen über Amazon FBA? Aus welchen Ländern stammen sie? Und wer ist aktuell für Zoll und Mehrwertsteuer verantwortlich? Werden diese Fragen nicht klar beantwortet, drohen ungeplante Kosten.
Eine Alternative bleibt die Eigenzollabfertigung über einen Zollagenten oder Spediteur. Das bindet Ressourcen, kann aber bei größeren Sendungsvolumen langfristig günstiger sein. Auch eine Verschiebung des Lagerverkaufs auf europäische Großhändler oder lokale Fulfiller gewinnt an Relevanz, wenn die neuen Amazon-Gebühren die Marge zu stark drücken.
Die neue Gebühr ist kein Randphänomen. Sie verschärft die Kostenstruktur für grenzüberschreitenden E-Commerce und zwingt Händler, ihre Beschaffungsstrategie neu zu bewerten.
Für Betreiber mit reinem D2C-Geschäft außerhalb von Marketplace-Plattformen ändert sich zunächst wenig. Doch wer Amazon als Kanal nutzt, kann die Gebühr nicht ignorieren. Eine frühzeitige Anpassung der Preise und eine genaue Prüfung der Incoterms verhindern, dass die neuen Kosten unbemerkt die Rendite auffressen.
