800 Paketstationen, drei Länder, ein klarer Plan: DHL eCommerce hat am 27. Juli die Übernahme des baltischen Paketdienstleisters Venipak vertraglich fixiert. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus. Der Deal ist erst der Anfang. CEO Pablo Ciano hat der DVZ gesagt, dass Osteuropa jetzt im Zentrum der europäischen Akquisitionspläne der Division liegt. Im Westen und Süden Europas seien die Lücken weitgehend geschlossen.
Warum setzt DHL eCommerce jetzt auf Osteuropa?
Die Logik dahinter ist Netzwerkdichte. In Großbritannien hat DHL eCommerce seine Paketaktivitäten bereits mit Evri verschmolzen, in Spanien und Portugal arbeitet die Division mit der Postgesellschaft CTT zusammen, die EU-Kommission hat das Joint Venture im März 2026 genehmigt. In Italien betreibt sie mit Poste Italiane ein gemeinsames Paketstationen-Verbund. Was fehlt, sind eigene Heimnetze in den schnell wachsenden Märkten Mittel- und Osteuropas.
Ciano nennt die Zahlen: Das Cross-Border-Geschäft der Division wächst aktuell rund 15 Prozent pro Jahr. Die Paketvolumina in Paketshops und Stationen, also Sendungen zwischen Privatpersonen, steigen sogar um etwa 50 Prozent jährlich. Dazu kommt die Zielmarke: DHL eCommerce will seinen Umsatz in fünf Jahren verdoppeln. 2025 lag er bei 6,9 Milliarden Euro. Ciano betont, dass dies ein strategisches Ziel und keine Prognose sei.
Was die Venipak-Übernahme konkret bringt
Venipak ist einer der größten unabhängigen Paketbetreiber im Baltikum. Das Unternehmen betreibt rund 800 eigene Paketstationen in Litauen, Lettland und Estland, dazu ein dichtes Netz an Abholpunkten und eine eigene Zustellung für B2B und B2C. Der Umsatz 2025 belief sich auf 85,6 Millionen Euro bei einem EBITDA von 12,4 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 48 Millionen Euro zusammen, ein Plus von 16 Prozent, bei 7,134 Millionen ausgelieferten Paketen. Venipak rechnet 2026 mit mehr als 100 Millionen Euro.
Für Händler, die in den Baltikum verkaufen, ändert sich kurzfristig wenig. Langfristig öffnet sich der Zugang zu einem Netz mit mehr als 165.000 Out-of-Home-Punkten in Europa, inklusive Retourenlösungen. DHL plant, das Stationennetz auszubauen und die Sortierkapazität der zentralen Terminals zu erhöhen.
Wachstum kommt aus dem Second-Hand-Markt
Das eigentliche Wachstumsthema ist der Handel zwischen Privatpersonen. Plattformen wie Vinted treiben das Volumen, DHL hat die Zusammenarbeit mit Vinted im Juli in Deutschland ausgebaut, damit Sendungen leichter über Paketstationen laufen. Zusammen mit dem Shared-Station-Netz uDrop kommen mittlerweile rund 1.000 Stationen zusammen. Verkäufer und Käufer nutzen dieselbe Infrastruktur: Der Sender gibt das Paket ab, der Empfänger holt es ohne Hauszustellung ab.
Ein zweiter Faktor könnte die Struktur verschieben: Der EU-Zuschlag von 3 Euro für Pakete aus Drittstaaten gilt seit dem 1. Juli. Er trifft vor allem China-Sendungen. Venipak meldet erste Anzeichen eines Rückgangs in diesem Segment. Langfristig könnten Plattformen auf europäische Lager oder Konsolidierung umstellen.
Die Karte der europäischen Paketnetze wird gerade neu gezeichnet. Wer seine Versandstrategie nicht mitdenkt, riskiert, dass die neuen Netzwerke ohne ihn wachsen.
