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Amazon-Zustellung: Neun von zehn US-Paketen bis 2029 im eigenen Netz

Amazon-Zustellung: Neun von zehn US-Paketen bis 2029 im eigenen Netz

88,7 Prozent. So hoch soll der Anteil der Amazon-Zustellung im eigenen Netz bis 2029 klettern, das berichtet Business Insider unter Berufung auf ein internes Planungsdokument des Konzerns. Aktuell liegt der Wert für 2027 bei 86,3 Prozent. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren lieferte Amazon den Großteil seiner Sendungen über UPS, FedEx und die US-Post aus. Diese Zeiten sind vorbei.

Das Volumen dahinter ist gewaltig. Das eigene Netzwerk soll von rund 12,2 Milliarden Paketen im Jahr 2027 auf 15,8 Milliarden im Jahr 2029 wachsen. Das gesamte prognostizierte US-Paketvolumen von Amazon liegt dann bei etwa 17,8 Milliarden Sendungen. Rechnet man nach, landet praktisch das komplette erwartete Wachstum im eigenen System. Externe Zusteller stagnieren der Planung zufolge bei rund zwei Milliarden Sendungen.

Was bedeutet das für USPS, UPS und den US-Paketmarkt?

Die klassischen Paketdienste verlieren weiter an Bedeutung für ihren größten Einzelkunden. Die staatliche Post USPS soll 2029 nur noch acht Prozent der Amazon-Pakete übernehmen, in einer früheren Planung waren für 2027 noch rund 13 Prozent vorgesehen. UPS kommt dem Dokument zufolge auf magere 1,4 Prozent. Brisant ist das vor allem für die USPS: Die Zahlen folgen auf zähe Verhandlungen über einen neuen Zustellvertrag, der erst im April unterzeichnet wurde. Amazon dürfte mit dieser Planung seine Verhandlungsposition für die nächste Runde deutlich gestärkt haben.

Wenn fast das gesamte Paketwachstum des größten Online-Händlers der USA im eigenen Netz landet, konkurrieren UPS, FedEx und USPS künftig um einen Restposten.

Warum setzt Amazon auf die eigene letzte Meile?

Kontrolle ist das Stichwort. Wer Geschwindigkeit, Zustellfenster und Kosten pro Paket selbst bestimmt, muss keine Kompromisse mit Dienstleistern eingehen. Dabei besteht das Netz keineswegs nur aus Amazon-Angestellten: Einen Großteil der Auslieferung übernehmen unabhängige Delivery Service Partner mit gebrandeten Fahrzeugen sowie Flex-Fahrer, die mit dem eigenen Auto Pakete ausliefern.

Besonders stark wachsen soll das Sub-Same-Day-Netz, bei dem Ware näher am Kunden gelagert wird und Lieferungen binnen weniger Stunden möglich sind. Sein Anteil am Eigenvolumen steigt laut Planung von 17,1 Prozent (2027) auf 21,3 Prozent (2029). Parallel investiert Amazon mehr als vier Milliarden US-Dollar in sein Rural Network, das bis Ende 2026 verdreifacht werden soll und künftig gut elf Prozent des Volumens trägt. Ländliche Regionen, bislang USPS-Territorium, werden damit direkt angegriffen.

Kernsatz: Amazon wird vom Paketdienst-Kunden zum Paketdienst. Die Planungszahlen für 2029 markieren den Punkt, an dem externe Zusteller für den Konzern nur noch Ergänzung sind, nicht mehr Infrastruktur.

Wie relevant ist das für deutsche Händler?

Unmittelbar betrifft die Planung nur den US-Markt. Mittelbar ist sie ein Strategie-Signal, das niemand im deutschen E-Commerce übersehen sollte. Amazon baut in Europa längst an ähnlichen Strukturen: eigene Lieferstationen, DSP-Partnernetze, Abholstationen unter dem Projekt Kobe in den USA als Blaupause für Pickup-Infrastruktur. Wer über Amazon in die USA verkauft, muss außerdem damit rechnen, dass Versandkonditionen und Anforderungen an Seller-Fulfilled-Versender sich weiter an den Eigennetz-Standard angleichen, schnellere Lieferversprechen, engere Tracking-Vorgaben, weniger Toleranz bei Carrier-Laufzeiten.

Für den deutschen Markt bleibt die spannende Frage, wann Amazon seine Logistikkapazität auch hier als Frachtprodukt für Dritte öffnet. In den USA testet der Konzern mit Amazon Supply Chain Services bereits genau das. Sobald die Eigennetz-Kapazität die interne Nachfrage übersteigt, und 15,8 Milliarden Pakete sind eine Menge Kapazität, liegt der Schritt zum offenen Logistikdienstleister nahe. Händler, die ihre Versandstruktur heute aufstellen, sollten dieses Szenario im Blick behalten. Der Wettbewerber von morgen liefert womöglich schon Ihre Pakete.