News Marketing

Applied Creativity: Accenture-Studie sieht Nachfolger für Design Thinking

Applied Creativity: Accenture-Studie sieht Nachfolger für Design Thinking

Ein neuer Report von Accenture Song wirft die Frage auf, ob Applied Creativity der nächste große Methoden-Shift wird – jener, der Design Thinking einst abgelöst hat. Die Beratung identifiziert Lego, Ikea und Rivian als Unternehmen, die Kreativität nicht als Marketing-Attribut, sondern als Betriebssystem verstehen. Für E-Commerce-Manager, deren Märkte von automatisierten Preisen und generischen Produktseiten geprägt sind, lohnt sich die Lektüre.

Sam Altman gab im Januar 2025 in einem Podcast eine kurze Antwort auf eine große Frage: Die wichtigste Fähigkeit im AI-Zeitalter sei die Fähigkeit, kreative Fragen zu stellen. Kurz darauf schrieb Microsoft-AI-Chef Mustafa Suleyman in einem ähnlichen Ton, dass Kreativität der entscheidende Differenzierer bleibt, wenn Maschinen Routineaufgaben übernehmen. Beide Stimmen markieren einen Wandel: Wer im E-Commerce weiterhin nur nach Best Practice spielt, wird von jenen überholt, die Kreativität systematisch in Produkt, UX und Customer Journey einbauen.

Was unterscheidet Applied Creativity von Design Thinking?

Design Thinking hat über zwei Jahrzehnte dazu gedient, nutzerzentrierte Problemlösungen in strukturierte Prozesse zu pressen. Workshops, Personas, Prototypen – die Methode ist etabliert, oft aber zur Routine verkommen. Applied Creativity geht einen Schritt weiter: Sie verbindet kreative Fragestellungen mit messbaren Geschäftsergebnissen und integriert sie in die operative Arbeit statt sie in isolierte Innovation Labs auszulagern.

Lego nutzt Kreativität, um physisches Spielen mit digitalen Erlebnissen zu verschmelzen. Ikea testet rücksichtslos neue Geschäftsmodelle – von Möbelmiete bis zu City-Stores. Rivian baut nicht nur Elektroautos, sondern eine Markenwelt rund um Outdoor-Abenteuer. Gemeinsam ist diesen Beispielen, dass Kreativität dort anfängt, wo klassische Effizienzdenker aufhören.

Warum sollten E-Commerce-Manager jetzt auf Applied Creativity setzen?

Der Druck auf Margen und Kundenakquise wächst. Gleichzeitig machen KI-gestützte Tools es jedem Konkurrenten leicht, schnell aussehende Kampagnen, Texte und Bilder zu produzieren. Der Unterschied entsteht nicht mehr durch die Werkzeuge, sondern durch die Fragen, die man ihnen stellt. Ein Shop, der nur promptet, was schon tausend andere prompten, produziert Austauschbarkeit.

Applied Creativity im E-Commerce bedeutet konkret: Wer im Checkout-Prozess wirklich herausfindet, warum Kunden den Warenkorb verlassen, stellt andere Fragen als jemand, der nur Conversion-Rate optimiert. Wer Produktseiten nicht nach Template, sondern nach der spezifischen Kaufmotivation der Zielgruppe gestaltet, arbeitet kreativer – und misst trotzdem hart an Conversion und Average Order Value.

Kernsatz: Applied Creativity ist keine Soft Skill-Diskussion, sondern ein Wettbewerbsvorteil dort, wo KI Standards liefert und Menschen den Unterschied machen müssen.

Wie lässt sich das im Shop-Alltag umsetzen?

Der erste Schritt ist kleiner, als viele Marketingverantwortliche befürchten. Ein Beispiel: Ein Mode-Händler könnte seine Size-Guide nicht als statische Tabelle, sondern als interaktive Beratung aufbauen, die Rückgabegründe aktiv reduziert. Ein B2B-Shop könnte seine Filterlogik neu denken, indem er nicht nach Produktkategorien, sondern nach Anwendungsfällen strukturiert. Solche Veränderungen erfordern keine Millionen-Budgets, sondern den Mut, ausgetretene Pfade zu hinterfragen.

Technisch setzt das voraus, dass Shop-Systeme und MarTech-Stacks flexibel genug sind, um Experimente zuzulassen. Wer auf Shopify, Shopware oder WooCommerce setzt, hat hier Vorteile durch offene Ökosysteme und schnelle Testmöglichkeiten. Die eigentliche Hürde sitzt jedoch meist in der Organisation: Abteilungen, die Kampagnen, UX und Produktdaten getrennt verantworten, müssen lernen, gemeinsam Fragen zu stellen, statt nur Aufgaben abzuarbeiten.

Applied Creativity wird nicht Design Thinking über Nacht ersetzen. Aber sie erweitert den Werkzeugkastum: von der reinen Problemlösung hin zur systematischen Erfindung neuer Wertangebote. E-Commerce-Teams, die das verinnerlichen, werden nicht nur bessere Shops bauen – sie bauen Marken, die im KI-Standardisierten Markt noch eine Geschichte erzählen können.