Rund 250 Millionen Online-Käufer, ein zweistellig wachsender E-Commerce-Markt – und eine Checkout-Abbruchrate, die Händlern seit Jahren Umsatz kostet. In dieses Umfeld startet jetzt eine bemerkenswerte Allianz: Der indische Zahlungsdienstleister CCAvenue, zur börsennotierten AvenuesAI Ltd. (vormals Infibeam Avenues) gehörend, integriert Shiprocket Checkout, die Checkout-Plattform des Logistik- und E-Commerce-Anbieters Shiprocket.
Ziel der Kooperation ist ein verkürzter Bezahlvorgang für indische Online-Shops, insbesondere für Direct-to-Consumer-Marken und kleinere Händler. Wer CCAvenue als Payment-Gateway nutzt, erhält Zugriff auf die Checkout-Oberfläche von Shiprocket – und umgekehrt können Shiprocket-Händler die Zahlungsfunktionen von CCAvenue einbinden. Dazu zählen Same-Day-Settlements, internationale Zahlungsabwicklung, Ratenzahlungsoptionen ohne Zusatzkosten für den Händler sowie teilbare Zahlungslinks per WhatsApp, SMS, Instagram und E-Mail.
Was genau ändert sich für Händler?
Konkret läuft die Integration auf drei Hebel hinaus. Erstens: weniger Eingabeschritte im Checkout. Shiprocket Checkout adressiert vor allem den mobilen Käufer in Indien, wo der Großteil der Bestellungen über Smartphones läuft und jede zusätzliche Formularseite Absprünge erzeugt. Zweitens: gebündelte Infrastruktur. Payment-Gateway, Checkout-Frontend und Anbindung an Shiprockets Versand- und Fulfillment-Netzwerk kommen aus einem ökosystem – Händler müssen weniger Schnittstellen selbst pflegen. Drittens: erweiterte Zahlungsoptionen. Neben Karten und dem in Indien dominierenden UPI-System unterstützt CCAvenue EMI-Modelle, also Ratenzahlung, die im indischen Handel ein wesentlicher Conversion-Treiber ist.
Warum ist der indische Markt für deutsche Händler interessant?
Die direkte Antwort: Indien gehört zu den wenigen Wachstumsmärkten, in denen E-Commerce noch nicht von ein oder zwei Plattformen abgeschlossen ist. Das Land zählt nach Branchenschätzungen über 250 Millionen digitale Käufer, und der Anteil der D2C-Marken steigt seit Jahren zweistellig. Für deutsche Händler mit Expansionsplänen nach Südasien zeigt die Partnerschaft zweierlei. Zum einen, dass lokale Payment-Stacks Pflicht sind – Kreditkarten spielen in Indien eine Nebenrolle, UPI und EMI dominieren. Zum anderen, dass Checkout und Logistik dort zunehmend als Paket gedacht werden. Shiprocket beliefert nach eigenen Angaben über 29.000 PIN-Codes, CCAvenue wickelt Zahlungen für einen großen Teil der indischen KMU ab. Wer beides kombiniert, deckt die kritische Strecke vom Warenkorb bis zur Zustellung ab.
AvenuesAI baut mit dem Schritt zugleich seine Position im Mittelstandssegment aus. Das Unternehmen wuchs zuletzt kräftig – im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz um knapp 27 Prozent – und positioniert sich als Komplettanbieter von der Zahlung über Logistik bis zur Kundenansprache.
Einordnung: Mehr als ein Regional-Deal
Für Shopbetreiber in Deutschland ändert sich unmittelbar nichts. Wer aber über Marktplätze oder einen eigenen Shop nach Indien verkauft oder das plant, sollte die Kombination aus lokalem Payment-Gateway und Checkout-Plattform auf dem Schirm haben. Der Deal unterstreicht zudem einen globalen Trend: Payment-Provider und Logistiker rücken zusammen, weil die Conversion am Ende der Customer Journey entschieden wird – nicht an der Kasse allein, sondern im Zusammenspiel aus Bezahlung, Versandversprechen und Lieferzeit. Vergleichbare Bündelungen sind in Europa mit Anbietern wie Klarna oder Mollie längst Alltag. Indien holt hier mit eigenen Schwergewichten auf – und schließt damit eine Lücke, die internationale Händler bislang oft selbst stopfen mussten.
