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EZB prüft Instant-Payment-Anbindung an Brasiliens Pix: Was Händler erwartet

Über 150 Milliarden Transaktionen hat Brasiliens Echtzeit-Zahlungssystem Pix seit seinem Start im November 2020 abgewickelt. Nun könnte das System eine direkte Verbindung nach Europa bekommen: Die Europäische Zentralbank bestätigte gegenüber Reuters, dass sie eine Interlinking-Option zwischen ihrer Plattform TARGET Instant Payment Settlement (TIPS) und Pix prüft. Damit rückt ein Szenario näher, das für Online-Händler mit Brasilien-Geschäft erhebliche Folgen hätte.

Was genau plant die EZB mit Pix?

Die Antwort ist vorerst nüchtern: Es gibt noch keine Anbindung, sondern eine Prüfung. Die EZB reagierte auf eine Reuters-Anfrage zu Berichten, wonach beide Zentralbanken über eine Verknüpfung ihrer Instant-Payment-Systeme nachdenken. Ein konkreter Zeitplan wurde nicht genannt. TIPS läuft seit 2018 und wickelt SEPA-Echtzeitüberweisungen in Zentralbankgeld ab, rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Pix ist im brasilianischen Alltag längst Standard: Laut der Zentralbank in Brasília nutzen über 150 Millionen Menschen das System, auch im E-Commerce hat es Kreditkarten in vielen Segmenten überholt.

Eine technische Verbindung beider Systeme würde Zahlungen zwischen Eurozone und Brasilien in Sekunden ermöglichen, ohne dass der klassische Korrespondenzbankweg mit seinen Zwischenstellen, Gebühren und Laufzeiten von mehreren Werktagen durchlaufen werden muss.

Kernsatz: Eine TIPS-Pix-Verbindung würde grenzüberschreitende Zahlungen Europa–Brasilien auf Sekunden beschleunigen und die Abhängigkeit von teuren Korrespondenzbanken reduzieren.

Warum das für den E-Commerce relevant ist

Brasilien ist mit geschätzt über 50 Milliarden US-Dollar Online-Umsatz pro Jahr der größte E-Commerce-Markt Lateinamerikas. Deutsche Händler, die dorthin verkaufen oder von dort einkaufen, kämpfen bislang mit drei Problemen: hohen FX-Spesen, langen Settlement-Zeiten und einer Kreditkartendurchdringung, die deutlich unter europäischem Niveau liegt. Wer brasilianische Kunden erreichen will, muss lokal akquirieren oder teure PSP-Brücken wie EBANX nutzen, die typischerweise 4 bis 6 Prozent vom Umsatz kosten.

Eine direkte Zentralbank-Verbindung würde an dieser Kostenstruktur rütteln. Zahlungen in Real könnten schneller und günstiger in Euro konvertiert werden, Chargeback-Risiken durch Kartenbetrug entfielen an der Kasse, und die Cashflow-Planung im B2B-Handel mit brasilianischen Partnern würde planbarer. Für Marktplatz-Händler, die über Mercado Libre oder Amazon Brasilien verkaufen, käme ein alternatives Settlement-Gleis hinzu.

Pix hat in Brasilien gezeigt, dass Echtzeit-Zahlungen ein ganzen Kontinent-Segment des E-Commerce umstellen können. Die Verbindung nach Europa ist der logische nächste Schritt.

Realistische Erwartungen für Shopbetreiber

Vorsicht ist angebracht, bevor jemand den Checkout umbaut. Zwischen einer Prüfung durch die EZB und einem produktiven System liegen Erfahrungswerte aus anderen Projekten: Die Anbindung von Indiens UPI an Singapurs PayNow brauchte von der Ankündigung bis zum Livegang rund zwei Jahre. Währungsumrechnung, Compliance-Prüfungen und die Frage, welche Banken auf beiden Seiten teilnehmen, sind ungelöste Detailarbeit.

Konkret heißt das für Händler: Kurzfristig ändert sich nichts, die etablierten Payment Service Provider bleiben der Weg nach Brasilien. Mittelfristig lohnt es sich aber, die eigene Payment-Architektur so aufzustellen, dass kontobasierte Echtzeit-Zahlungen ergänzt werden können, etwa über PSPs, die bereits Pix und SEPA Instant parallel abbilden. Wer heute noch ausschließlich auf Karte setzt, zahlt in Brasilien ohnehin schon drauf.

Die nächsten Monate dürften zeigen, ob aus der Prüfung ein formales Projekt wird. Spätestens wenn die EZB eine Machbarkeitsstudie veröffentlicht, sollten Händler mit Lateinamerika-Umsatz ihre Zahlungskonditionen neu verhandeln. Die Verhandlungsposition gegenüber Acquirern verbessert sich, sobald eine Zentralbank-Alternative am Horizont sichtbar ist.