News International

Flipkart Essenslieferung: Walmart-Tochter attackiert Zomato und Swiggy in Indien

Flipkart Essenslieferung: Walmart-Tochter attackiert Zomato und Swiggy in Indien

8.000 Fahrer, ein eigener Reiter in der App, eine hauseigene Logistik am Start. Die Walmart-Tochter Flipkart testet in Indien einen Essenslieferdienst und zieht damit direkt gegen Zomato und Swiggy in die Bresche. Das berichtet Tech in Asia. Der Dienst erscheint als separater Tab innerhalb der Flipkart-App, die Fahrer kommen von Ekart, der Logistiktochter des Konzerns.

Laut dem indischen Restaurantverband NRAI hat Flipkart den Start bis Ende Oktober angekündigt. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Zomato und Swiggy teilen sich den indischen Liefermarkt weitgehend unter sich auf, und beide mussten im vergangenen Jahr Preiskämpfe und regulatorische Prüfungen einstecken. Ein Mitspieler mit Walmart-Backend kann die Bilanz verschieben.

Warum ist Flipkarts Einstieg für den indischen Liefermarkt relevant?

Indien zählt zu den größten Nahrungslieferungsmärkten der Welt, und er ist lukrativ und gleichzeitig extrem umkämpft. Zomato und Swiggy kontrollieren zusammen den Großteil der Bestellungen. Flipkart bringt drei Dinge mit, die einem Reinsteiger normalerweise fehlen: eine installierte Kundenbasis in der Hunderten-Millionen-Größe, ein lokales Logistiknetzwerk über Ekart und die Finanzkraft eines Weltkonzerns.

Die App-Integration ist der entscheidende Hebel. Statt eine neue Anwendung zu downloaden, landet der Essensreiter dort, wo die Nutzer bereits einkaufen. Das senkt die Gewinnungskosten für neue Kunden spürbar und erhöht die Chance, aus dem Nahrungsmittelgeschäft einen zweiten täglichen Kontaktpunkt neben dem Warengeschäft zu bauen.

Wie will Flipkart Zomato und Swiggy die Kunden abnehmen?

Flipkart verfolgt das Muster eines Super-Apps, ähnlich wie es in Asien mit Meituan oder Grab funktioniert. Der Essensreiter ist ein weiterer Anker, der die Nutzungshäufigkeit in der App steigert. Für Walmart ist Indien ein Schlüsselmarkt, und die Tochter liefert dort nicht nur Waren, sondern zunehmend auch Infrastruktur für lokale Dienstleister.

Kernsatz: Flipkart setzt auf App-Präsenz und eigene Logistik, statt auf einen teuren Markteinstieg mit neuer Infrastruktur.

Ekart ist dabei mehr als ein Fahrdienst. Das Logistiknetzwerk hat über Jahre den E-Commerce-Versand in Indien aufgebaut und kennt die letzten Meilen in Stadtvierteln, die für Zomato und Swiggy den größten Kostenblock darstellen. Wer diese Strecke schon fährt, kann sie günstiger betreiben als ein Neuling.

Der Liefermarkt in Indien wird nicht von der Idee, sondern von der Kostenstruktur der letzten Meile entschieden.

Für deutsche E-Commerce-Manager ist das weniger ein direkter Wettbewerbsalarm als ein Beweis, dass Plattformökonomie inzwischen auch den Konsumgütermarkt prägt. Die Frage, die sich Händler stellen sollten, lautet, wie stark die eigene Kundenbeziehung an eine einzelne App gebunden ist. Wer ausschließlich über Marktplätze verkauft, hängt an der Strategie eines einzigen Anbieters.

Flipkart will den Essensservice bis Ende Oktober ausrollen. Ob die 8.000 Fahrer reichen, die letzte Meile in Städten wie Bengaluru und Mumbai zu stemmen, entscheidet in den kommenden Monaten. Zomato und Swiggy werden ihre Preise und Lieferzeiten beobachten. Der Markt bekommt zum ersten Mal seit Jahren wieder einen ernsthaften Dritten.