55 Monate Abstieg, dann 0,1 Prozent. Just Eat Takeaway meldet für September erstmals seit viereinhalb Jahren wieder mehr Bestellungen als im Vorjahresmonat. Thenextweb.com beruft sich auf einen Aktionärsbrief des neuen Eigentümers Prosus. Das Plus ist so schmal, dass es in jeder Quartalsstatistik untergehen könnte. Es markiert trotzdem das Ende der längsten Talfahrt der Firmengeschichte.
Als Prosus im Dezember die Übernahme abschloss, schrumpfte das Bestellvolumen noch um neun Prozent. Prosus-Chef Fabricio Bloisi nennt als Hebel Technologie, Logistik und Kundenbindung. Der Brasilianer gründete Movile, die Mutter des Lieferdienstes iFood, und führt seit 2024 Prosus. Sein Stil ist operativ, nicht narrativ: Kosten senken, Prozesse beschleunigen, Netzwerke besser auslasten.
Unter Marken wie Just Eat, Lieferando, pizza.de und Thuisbezorgd ist der Konzern in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Kanada und Australien aktiv. Die EU-Kommission stellte Auflagen, unter anderem wegen der Delivery-Hero-Beteiligung von Prosus. Der Kaufpreis lag bei rund 4,2 Milliarden Euro.
Warum fällt das Wachstum bei Just Eat Takeaway nur so mager aus?
Die kurze Antwort: Der September vergleicht mit einem bereits gebrochenen Vorjahr. Fünf Jahre Schrumpfung haben das Volumen gesenkt, die Kundenerwartungen aber nicht. Inflation, höhere Fahrer-Löhne und strengere Preisregeln in europäischen Märkten drücken auf die Marge. Gleichzeitig konkurriert JET in Deutschland mit Wolt (DoorDash) und Uber Eats um dieselbe Abendbestellung.
Beobachter rechneten nach der Übernahme mit weiteren Rückgängen, bis die Integration greift. Der September-Wert liegt über dieser Erwartung, wenn auch nur knapp. Ein Zehntelprozent genügt nicht, um Investoren zu überzeugen. Es stützt aber die These, dass der freie Fall gestoppt ist.
Konkret heißt das: JET baut die eigene Zustellung weiter aus und sucht neue Einnahmen neben der Provision, etwa Werbung für Restaurant-Partner und Lebensmittel-Lieferungen. In den Niederlanden und Großbritannien kooperiert der Konzern bereits mit Supermärkten. Der Essensmarktplatz wird zum Alltagsmarktplatz, was die Bindung erhöht und die Auslastung der Fahrer verbessert.
Was bedeutet der Turnaround für Händler und Marktplätze?
Für Restaurant-Partner stabilisiert wachsendes Volumen den wichtigsten Hebel: Reichweite. Sinkende Orders zwingen Marktplätze zu höheren Provisionssätzen, wachsende erlauben Experimente mit Werbung und Treueprogrammen. Ein stabiler September gibt dieser Strategie Luft.
Technologie, Logistik, Kundenbindung: Bloisi setzt auf operative Hebel statt auf den Rabatt-Krieg.
Der Vergleich bleibt wichtig: 0,1 Prozent im sinkenden Markt wären eine starke Leistung, im Aufwärtstrend ein schwaches Ergebnis. Die Einordnung hängt von den nächsten Monaten ab, nicht von einer einzigen Kennzahl.
Händler, die über Lieferando, pizza.de oder Takeaway.com verkaufen, sollten zwei Dinge prüfen: ihre Provision im Vergleich zu Wolt und Uber Eats und ihre Conversion auf der eigenen Website. Wachstum von 0,1 Prozent senkt die Provisionen nicht. Ein eigener Shop mit Bestell-App kann die Abhängigkeit vom Marktplatz bremsen.
Nächster Prüfstein: die Q4-Zahlen. Weihnachtsgeschäft und Winterlogistik zeigen, ob der September-Wert Zufall oder Trend ist. Läuft das Volumen auch im Dezember über Vorjahr, hat Bloisi seinen Beweis. Bleibt es bei einem Ausrutscher, wartet der nächste Abwärtssog. Dann wäre der 55-Monats-Rekord nur eine Pause im Abstieg.
