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Lagerbau in Indien: E-Commerce treibt Lagerflächen-Branche auf 7.000 Crore Rupien

Lagerbau in Indien: E-Commerce treibt Lagerflächen-Branche auf 7.000 Crore Rupien

7.000 Crore Rupien, umgerechnet rund 700 Millionen Euro, soll die indische Industrie für Lagerlösungen in diesem Jahr erwirtschaften. Die Summe nennt The Hindu unter Berufung auf Branchenanalysten, und sie markiert einen Wendepunkt: Lagerhaltung ist in Indien kein Nebenschauplatz mehr, sondern ein eigenständiges Geschäftsfeld mit zweistelligen Wachstumsraten.

Die Treiber sind bekannt, ihr Zusammenwirken aber bemerkenswert. Online-Handel, Quick-Commerce-Anbieter wie Blinkit und Zepto sowie die staatlich geförderte Ansiedlung von Produktionskapazitäten unter dem Programm „Make in India“ drücken gleichzeitig auf die gleiche Ressource: Fläche. Wer in Mumbai, Delhi-NCR oder Bengaluru eine moderne Grade-A-Halle sucht, findet derzeit eine angespannte Marktlage vor. Grade-A-Lager, mit Betonböden für schwere Regalsysteme, Brandschutz nach internationalen Standards und ausreichend Dockingstationen, machen inzwischen gut die Hälfte der Neubauten aus. Vor fünf Jahren waren es noch etwa ein Drittel.

Wer baut dort gerade überhaupt Lager?

Die kurze Antwort: Institutionelle Investoren, nicht mehr nur lokale Immobilienbesitzer. Fondsgesellschaften wie Blackstone, ESR und die Logistiktöchter großer Private-Equity-Häuser haben in den vergangenen drei Jahren Milliardenbeträge in indische Logistikparks gesteckt. Der Grund ist schlicht: Renditen bei Lagerimmobilien liegen in Indien über dem Niveau, das in Europa oder Nordamerika noch erzielbar ist. Gleichzeitig professionalisiert sich der Betrieb. Wo früher Säcke auf dem Boden stapelten, laufen heute Förderanlagen, Warehouse-Management-Systeme und in Pilotprojekten autonome Regalbediengeräte.

Dieser Strukturwandel zieht auch die Ausstattungsbranche mit. Regalsysteme, Kommissioniertechnik, Automationssoftware, das Ökosystem rund um die Hallen wächst schneller als die Hallen selbst. Deutsche Anlagenbauer wie SSI Schäfer oder Jungheinrich sind in diesem Markt längst aktiv; für sie ist Indien einer der wenigen Logistikstandorte weltweit, in dem Nachfrage nicht aus Konkurrenzverdrängung, sondern aus echtem Neuaufbau entsteht.

Warum geht das deutsche Online-Händler etwas an?

Kernsatz: Wer Indien als Absatzmarkt ernst nimmt, muss dessen Logistikstruktur verstehen, und die wandelt sich gerade schneller als in jedem anderen großen E-Commerce-Markt.

Drei Beobachtungen verdienen Aufmerksamkeit. Erstens senkt der Ausbau moderner Lagerflächen die Eintrittsbarriere für ausländische Händler erheblich. Fulfillment-Provider vor Ort bieten inzwischen Leistungen an, die europäischen 3PL-Standards nahekommen, inklusive Retourenabwicklung und Same-Day-Delivery in den Metropolregionen. Zweitens verschärft Quick Commerce die Lieferzeiterwartung der indischen Kundschaft auf ein Niveau, das deutschen Händlern aus dem heimischen Markt nur rudimentär bekannt ist: zehn bis 30 Minuten für Fast-Moving-Consumer-Goods. Wer dort mitspielen will, braucht dezentrale Mikro-Lager statt eines zentralen Warehouses. Drittens zeigt der indische Markt, wohin sich Lagerlogistik als Anlageklasse entwickelt, mit direkten Folgen für Mietpreise und Verfügbarkeit auch anderswo, weil dieselben Fondsgesellschaften global allokieren.

Skepsis ist angebracht, wo Analysten glatte Wachstumskurven projizieren. Indiens Logistikkosten liegen weiter bei geschätzten 13 bis 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, deutlich über dem Niveau entwickelter Märkte. Straßen, Zollprozesse und die Fragmentierung der Steuersysteme zwischen den Bundesstaaten bleiben Bremsklötze, die kein Lagerbau-Boom wegräumt.

Für Händler ab einer Million Euro Jahresumsatz lohnt sich der Blick dennoch, nicht als Fernost-Folklore, sondern als Frühindikator. Die Investitionen, die heute in Hyderabad und Pune in Hallen fließen, legen die Infrastruktur, auf der der indische Online-Handel der nächsten zehn Jahre laufen wird. Wer früh lokale Fulfillment-Partner prüft, zahlt später keine Fantasiepreise für die letzte freie Regalfläche.