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Magento-Sicherheitslücke: Angriffswelle trifft Adobe-Commerce-Shops – was Händler jetzt tun müssen

Über 300 Angriffe auf mehr als 130 Shops in nur 48 Stunden: Mit diesen Zahlen dokumentierte das Akamai Security Intelligence Team den Beginn der Angriffswelle auf Magento- und Adobe-Commerce-Installationen. Auslöser ist die kritische Sicherheitslücke CVE-2025-54236, die Sicherheitsforscher von Sansec „SessionReaper“ getauft haben. Wer seinen Shop bis heute nicht gepatcht hat, betreibt faktisch ein offenes Scheunentor.

Die Schwachstelle erreicht 9,1 von 10 Punkten auf der CVSS-Skala und sitzt in der REST-API der Plattform. Angreifer können ohne Login und ohne Interaktion durch den Shop-Betreiber fremde Kundenkonten übernehmen – und unter bestimmten Server-Konfigurationen sogar eigenen Code auf dem Shop-Server ausführen. Damit ist nicht nur der Zugriff auf Bestell- und Kundendaten möglich, sondern im schlimmsten Fall die vollständige Kontrolle über die Installation.

Welche Magento- und Adobe-Commerce-Versionen sind betroffen?

Alle aktuellen Release-Zweige vor dem Notfall-Patch sind verwundbar: Adobe Commerce 2.4.9-alpha2, 2.4.8-p2, 2.4.7-p7, 2.4.6-p12, 2.4.5-p14 und 2.4.4-p15 sowie alle älteren Versionen. Ebenso betroffen sind Adobe Commerce B2B und Magento Open Source in denselben Versionsständen. Adobe hatte die Lücke mit dem Sicherheits-Bulletin APSB25-88 außer der Reihe geschlossen – ein Eingriff außerhalb des regulären Release-Rhythmus, der allein schon die Brisanz unterstreicht.

Sansec wirft Adobe dennoch vor, die Dringlichkeit heruntergespielt zu haben. Im offiziellen Advisory fehlte der Hinweis, dass Angreifer unter Umständen die komplette Server-Kontrolle erlangen können. Entdeckt hatte die Lücke der Sicherheitsforscher Daniel Le Gall, der sie über die Plattform HackerOne verantwortungsvoll an Adobe gemeldet hatte.

Kernsatz: SessionReaper ermöglicht Kontoübernahmen ohne Login – ungepatchte Magento- und Adobe-Commerce-Shops sind für automatisierte Massenangriffe ein leichtes Ziel.

Warum trifft die Welle ausgerechnet jetzt ungepatchte Händler?

Der Zeitablauf ist lehrbuchreif. Nach der Patch-Veröffentlichung Anfang September 2025 blieb es zunächst ruhig – Sansec hielt den funktionierenden Exploit-Code zurück, um Händlern Zeit zu geben. Doch schon wenige Wochen später setzten die Massenangriffe ein, ausgehend von einer kleinen Zahl von IP-Adressen, aber vollautomatisiert. Scannen, angreifen, übernehmen: Wer einmal verwundbar gefunden wird, hat keine zweite Chance.

Die eigentliche Blamage liegt auf Händlerseite. Wochen nach dem Patch lief nach Erkenntnissen von Sansec noch die Mehrheit der Magento-Installationen weltweit ungepatcht. Gerade auf Magento läuft überdurchschnittlich oft ältere, individuell angepasste Software – und genau diese Shops scheuen das Update, weil sie Konflikte mit Extensions und Custom-Code fürchten. Ein teurer Irrtum: Die Folgekosten einer Kontoübernahme mit Kundendaten, DSGVO-Meldepflicht und möglicher Betriebsunterbrechung übersteigen jeden Patch-Aufwand um ein Vielfaches.

Die Mehrheit der Magento-Shops lief Wochen nach dem Notfall-Patch noch verwundbar – ein kalkuliertes Risiko, das Angreifer dankbar aufnehmen.

Für Händler, die aus technischen Gründen kurzfristig nicht patchen können, bleibt als Übergangslösung nur die Abschottung: Web Application Firewall mit Regeln gegen die bekannten Exploit-Muster, REST-API-Endpunkte einschränken und die Logs auf verdächtige Session-Zugriffe prüfen. Security-Dienste wie der Malware-Scanner von Sansec oder Hosting-seitige Absicherung etwa durch spezialisierte Magento-Hoster wie MGT-Commerce helfen bei der Kontrolle, ersetzen aber kein Update.

Die Handlungsempfehlung ist eindeutig: Hotfix einspielen, Patch-Status verifizieren, danach Admin- und Kunden-Sessions zurücksetzen. Und wer unsicher ist, ob der eigene Shop schon kompromittiert wurde, sollte Zugriffs-Logs der vergangenen Monate prüfen lassen – SessionReaper-Angriffe lassen sich dort anhand verdächtiger API-Requests nachvollziehen. Die nächste Angriffswelle kommt bestimmt. Die Frage ist nur, ob Ihr Shop dann noch offen steht.